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Volkswagen und Opel

Golf GTI und Astra OPC am Nürburgring

Opel Astra gegen VW Golf Foto: Hans-Dieter Seufert 42 Bilder

Der eine bereits ausgelaufen, der andere in limitierter Auflage: Das Duell der vielleicht begehrtesten Hot Hatch-Youngtimer von morgen. VW Golf GTI Edition und Opel Astra OPC Nürburgring rangeln auf der Nordschleife.

02.03.2009 Jörn Thomas

"Wir sind die Jungs von der Opel-Gang, wir haben alle abgehängt." So röhrten einst die Toten Hosen. Seitdem sind einige Kadett und Astra ins Land gegangen, aber die Rivalität zum Golf blieb bestehen. Vor allem in der Sportabteilung. Astra OPC gegen GTI. Turbogeladene Breitensportler auf Normalverdiener-Level für den Spagat zwischen Storchenmühle und Fuchsröhre. Okay, VW bringt das Revival des 80er-Jahre-Poppers VW Scirocco in Stellung, inklusive Einsatz beim 24 Stunden-Rennen auf der Nordschleife. Doch die Jungs, die damals schon Männer waren, stehen hinter ihrem GTI. Vor allem, wenn er als Zweitürer, Edition in Weiß mit schwarzen Rädern auf dem Hof steht. Da klopfen sich nicht nur Wörthersee-Residents den Straßenstaub von den Knien.

Hüftsteaks statt Gemüse-Wraps

Wörthersee? Never ever. Wenn OPC, dann Nordschleife. Dort, wo Ex-DTM-Pilot Manuel Reuter sich mit einem Astra OPC für den Rekord der Serien-Zweiliter die Seele aus dem Leib fuhr. Jetzt presst Opel den Jubel in Blech. 836 Mal. Wegen 8:36 Minuten - die Rundenzeit, Mann! Und weiss? Weiß der Himmel warum. Wir wissen es genauso wenig, wie den Grund, warum man OPC-Fans mit billiger Karbon-Replica sowie fragwürdigem Zielflaggen-Dekor auf der Haube diskreditiert. Egal, intellektuelles Salbadern überlassen Astra-Glüher ohnehin der Konkurrenz, im Opel-Nordschleifenfanblock verputzen sie schließlich auch qualmende Hüftsteaks statt glutenfreie Gemüse-Wraps.

Opel Corsa OPC: Slalom 1:10 Min.

VW günstiger als Opel

Bei OPC mag man es halt markant. Auch im Astra-Innenraum, wo lederbezogene Recaro-Sportsitze Körpermasse gegen Trägheit wappnen und die anthrazitfarbene Auskleidung das Höhlenambiente des glasflächenreduzierten Zweitürers unterstreicht. Überraschung: Eine Klimaautomatik temperiert, ein Navigationssystem lotst, eine Parkhilfe warnt - serienmäßig. Im Golf GTI Edition 30 müssen Stoffbezug und manuelle Klimaanlage genügen. Was niemanden stört, angesichts von passender Sitzposition und Ergonomie sowie hochwertiger Detailverarbeitung. Und der günstige Preis lässt Spielraum für Wünsche - etwa Xenonlicht für 1.080 Euro.

OPC sinnt auf Rache

Damit könnte er dem OPC standesgemäß heimleuchten. So belässt es der VW dabei, seinen Widersacher bei den Fahrleistungsmessungen einfach nur hauchzart abzukochen. Beim Beschleunigen eine Zehntelsekunde, beim Durchzug eine ganze. Im Fahrdynamik-Parcours lässt der VW den Opel-Blitz an der Abschleppöse so richtig klimpern. Ob Slalom oder ISO-Wedel, der Opel ist hinten, sinnt aber mit rotglühendem Lader auf Rache. Also ab in die Hölle, die grüne. Die Anreise über Autobahn bedeutet Zeit zum Besinnen - und die Frage, warum Opel die Möglichkeiten adaptiver Dämpfer nicht besser nutzt. Der OPC stolpert über Querfugen, als ob er mit einer kompromisslos strammen Abstimmung auskommen müsste. Auf Querfugen stößig, auf Wellen rodeoartig.

Kein Turbogehabe im GTI

Doch der Wolfsburg-Connection bleibt die Häme im Hals stecken, wenn der GTI auf Betonplatten-Autobahnen die Contenance über Bord kippt. Nix mit adaptiv, hier wird hart gefedert und gedämpft. Überraschend harsch im Vergleich zum ansonsten geschliffenen Wesen des GTI, unter dessen Haube sich 230 PS spannen. Harmonisch und ausdauernd. Der Zweiliter-Direkteinspritzer, gegenüber dem 200 PS-Basismotor per höherem Ladedruck, modifiziertem Kolben und umprogrammiertem Kennfeld frischgemacht, ersetzt breitbeiniges Turbogehabe durch trockene Effizienz.

Old-School-Turbo

Effizienz - da fällt dem Opel ja der Blitz aus dem Kühler. Er grölt, säuft, zerrt, während seine Tanknadel für zwei arbeiten muss. Von wegen Chip-Tuning vom pickligen Computer-Nerd, im Opel steckt richtiger Frisier-Geist. So raubten sie dem Zweiliter die Ausgleichswellen, optimierten Lader und Ladeluftkühler, vergrößerten die Einspritzdüsen. Hinten raus kommt ein Old-School-Turbo, dessen gefühlte Leistung die des VW Golf GTI pulverisiert. Spätestens beim Armdrücken auf der Landstraße hängen die Mundwinkel der OPC-Besatzung. Traktionsmängel, zerrige Lenkung, hüpfiges Fahrwerk - so lautet die Quintessenz des Landstraßen-Rodeo.

Würstchenduft liegt  in der Luft

Und der VW Golf: Frech wieselt er über die Miniatur-Nordschleifen um Adenau, saugt Unebenheiten auf, verzichtet auf Kurveneingangsuntersteuern und gummischwarze Autogramme. Das Lenkrad bewegt sich nur, um die Linie vorzugeben. Und die führt geradewegs durch die Schranke und Richtung Hatzenbach. Irgendwie scheint der Opel Würstchenduft gewittert zu haben an diesem einsamen Dienstagmorgen. Doch der Opel-Fanblock lungert nicht zwischen Hoher Acht und Eschbach, sondern am Frühstückstisch im Büro oder hinter der Werkbank herum, während der OPC zur Ehrenrettung startet.

Die Zangen beißen spät zu

Und es klappt: Vergessen die hüpfige Bodenwellen-Animosität, das kippelige Lenkverhalten. Hier passt alles, fügen sich die eben noch eckigen Bausteine zu einem fluiden Ganzen. Mag der GTI-Pilot auch etwas tiefer sitzen, einen Hauch entspannter lenken - vorwärts geht es im Opel. Auch subjektiv, wenn der Turbotreibsatz seine Wut über die bisherige Schmach herausschreit, während es mit Volllast runter nach Breitscheid geht. Spät beißen die blaulackierten Zangen, zackig lenkt der Astra ein, und ebenso wild spuckt es ihn auf das lange Bergaufstück Richtung Bergwerk. Selbst die Rüttelplatten im Karussell stranden in den Adaptiv-Dämpfern. Obwohl einen Tick neutraler abgestimmt, bleibt der GTI dran, ohne jedoch vorbeizugehen. Beide beweisen mit deaktiviertem ESP ihr unkritisches Eigenlenkverhalten mit einer Prise Lastwechsel-Pfeffer.

Am Schluss rettet der Opel seinen Vorsprung über die Döttinger Höhe - um schnurstracks Richtung Kassenhäuschen abzubiegen. Revanche ist schließlich Ehrensache bei den Hot Hatches.

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