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Volvo 240 Kombi (1993) und V70 (2013)

Treffen der kantigen Kombi-Brüder

Volvo 240 Kombi, VolvoV70, Seitenansicht, Generationen Foto: Hans-Dieter Seufert

Jahrzehnte bestimmte der 240 das Bild von Volvo, noch immer steht die Marke für große Kombis. Aber hat der V70 neben der Geradlinigkeit der Form auch die des Charakters seiner Erb-Kante, dem 240 Kombi, geerbt? Was ist auf dem weiten Weg vom pragmatischen Familientransporter zum Lifestyle-Kombi geblieben?

26.07.2013 Sebastian Renz

Ein Weg zu Berühmtheit besteht auch darin, einfach nicht zu gehen. Mit der Zeit stellt sich dann ein Zustand ein, in dem schon die reine Anwesenheit bejubelt wird. Der Land Rover hat dieses Prinzip über 65 Jahre perfektioniert, und auch Volvo zählte lange zu den großen Meistern dieser Disziplin. Im August 1974 präsentieren die Schweden ein Auto, das Bestand haben wird. Damals entwirft Volvo neue Modelle eher selten, und wenn dann doch mal ein neues kommt, muss man ihm das ja nicht gleich ansehen. Weil es gerade erst acht Jahre her ist, dass Jan Wilsgard eine Karosserieform gefunden hat, um sie über die Technik des Volvo 120, des Amazon, zu stülpen, genügen sachte kosmetische Änderungen, um aus dem 1966 vorgestellten Volvo 140 den 240 für 1974 zu formen. So gelingt es auch, all die Neuerungen, die unter der kastigen Karosse stecken, nicht eitel zur Schau zu stellen.

Charakter lässt sich eh nicht konstruieren. Er entwickelt sich. Zwei unüberstürzte Modellpflegen in den Jahren ’78 und ’82 gipfeln darin, dass am Volvo 240 runde Scheinwerfer durch eckige, eckige Heckleuchten von noch eckigeren ersetzt werden oder bullige, rempelresistente Stoßfänger von etwas weniger bulligen und rempelresistenten.

Volvo 240 macht erst nach Produktionsende Karriere

Der Schwedenstählerne Volvo 240 bleibt sich über 19 Jahre lang treu, dazu zuverlässig und natürlich sicher. Die wirklich große Karriere des Volvo 240 beginnt erst nach dem Produktionsende 1993. Dann passiert ihm etwas, worauf selbst dieses automobile Universaltalent nicht vorbereitet war: Der Zwovierzig wird hip. Es liegt an seiner Rüstigkeit, weil ihn sich selbst Menschen zu fahren trauten, die keine Ahnung von alten Autos haben. Sogar Exemplare, die binnen 25 Jahren vom sorgsamen Erdkundelehrer-Erstbesitz über ein paar Zwischenstationen zu Social-Media- & Connectivity-Managern gelangten, rumpeln noch immer munter durch die Gegend.

Wie unser Fotoexemplar, an dem das Leben auf den letzten 297.500 Kilometern Spuren hinterlassen hat. Doch sorgt gerade die enorme Laufleistung für Gelassenheit. Warum nur sollte der Volvo 240 gerade jetzt – oder auf den nächsten 150.000 Kilometern – aufgeben? Und er lässt erahnen, dass es so ein Auto für ein halbes Leben heute wohl gar nicht mehr geben kann – in einer Zeit, in der viele schon nach 18 Monaten herumrechnen, ob sie aus dem Dreijahres-Leasing nicht eher aussteigen können, um das neue Modell mit dem fescheren Navi zu bekommen. Der Volvo 240 weckte solche Wünsche schon deshalb nie, weil es ja nie etwas wirklich Neues gab.

Volvo 240 bürgt für Nachhaltigkeit

Dagegen bekommt der Volvo V70, nun im sechsten Jahr, bereits das zweite Facelift. Wobei er sich deswegen nicht ändert. Selbst in der nicht wirklich sportlichen, aber unerfreulich hart abgestimmten Version R-Design möchte er eigentlich ein behaglicher, praktischer Kombi sein.

Kuschelige Sitze, das enorme Ladeabteil und eine umfangreiche Sicherheitsausstattung tragen die Tradition des Volvo 240 weiter. Dazu zählt auch, was wir heute mit Nachhaltigkeit bezeichnen. Früher bedeutete es, dass ein Volvo vor allem länger hielt als andere Autos: 23 Jahre im Schnitt schon in den achtziger Jahren – etwa drei Mal so lang wie die damaligen Konkurrenten aus Italien oder Frankreich. Heute bedeutet es Sparsamkeit. So begnügt sich der 1,7 Tonnen schwere Volvo V70 D2 mit 4,2 Liter Diesel auf 100 km, dabei treibt ihn sein 115 PS starker Turbo emsig und kultiviert voran.

Im Bug des Volvo 240 haust dagegen ein 2,3-Liter-Brocken, dessen Erwachen beim Start die Karosse durchschüttelt. Schon im Leerlauf faucht das Lüfterrad, als wolle es den Wagen mit seiner Propellerkraft voranziehen. Stattdessen schnappt die Kupplung, und der Volvo 240 setzt mit einem Sprung an, um sich gleich mit sachtem Temperament zu begnügen. Dann hakelt sich die knorpelige Schaltung schnell in den fünften Gang, der Wind flattert durch die offenen Fenster nach drinnen – ins Cockpit mit den wenigen Schaltern, die so groß sind, damit man sie im schwedischen Winter mit Fäustlingen bedienen kann.

Mit sorgsam durchgesessenen Sitzen und der bockenden Starrachse hinten schunkelt der Volvo 240 voran, wiegt seine Passagiere in der Sicherheit eines Autos, das gekommen ist, um zu bleiben.

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