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Volvo

Justiz untersucht Bremsendefekte (Update)

autouniversum - Volvo droht in Frankreich ein Gerichtsverfahren, weil bei einem tödlichen Unfall die Bremsen eines Volvo-Fahrzeugs versagten.

01.06.2001

Dem schwedischen Automobilhersteller Volvo droht in Frankreich ein Gerichtsverfahren, weil bei einem tödlichen Unfall die Bremsen eines Volvo-Fahrzeugs versagten. Wie ein Justiz-Sprecher der Staatsanwalt im nordelsässischen Saverne heute mitteilte, wird gegen die französische Niederlassung des Automobil-Konzerns offiziell wegen "fahrlässiger Tötung" ermittelt.

Volvo weiß seit 1997 von den Mängeln

Eine Autofahrerin hatte mit ihrem Volvo 850 in der elsässischen Ortschaft Wasselone im Juni 1999 drei Kinder erfasst. Zwei von ihnen starben, das Dritte wurde schwer verletzt. Die Frau hatte beteuert, die Bremsen hätten versagt. Ein vom Gericht in Auftrag gegebenes Gutachten hatte die Version der Autofahrerin bestätigt: "Unglücksursache ist ein unerwarteter und plötzlich aufgetretener Fehler im Bremssystem, beruhend auf einem Druckabfall im hydraulischen System der Bremse. Darüber hinaus fehlt eine Schlauch-Klemme."

Seit 1997 ist Volvo über den Mangel an den betreffenden Autos informiert, dies bestätigte ein Unternehmenssprecher gegenüber autouniversum. Der schwedische Hersteller informierte die europäische Öffentlichkeit nicht über diesen möglichen Defekt, sondern entschied sich für einen sogenannten "stillen Rückruf". Hierbei erhalten die Vertragswerkstätten einen entsprechenden Hinweis, die betreffenden Modelle bei routinemäßigen Serviceaufenthalten zu reparieren.

In Europa sind über 180.000 Volvo 850 unterwegs

Der Volvo-Vertragshändler, bei dem die Frau ihr Auto gekauft hatte, hatte bei seiner Anhörung vor dem Untersuchungsrichter vor zwei Wochen zugegeben, etliche Monate vor dem Unfall die Bremsen ohne Wissen der Fahrerin repariert zu haben. Die schwedische Tageszeitung "Aftonbladet" fand darüber hinaus einen weiteren französischen Volvo-Fahrer, bei dessen Fahrzeug im August letzten Jahres die Bremsen versagt hatten. André Pages, ein Ingenieur aus Bordeaux, hatte jedoch Glück im Unglück, er fuhr "nur" mit ungefähr 20 km/h auf ein parkendes Auto auf. In der Werkstatt wurden die defekten Bremsen repariert, zufrieden ist Pages mit Volvo aber nicht. Als er das Unternehmen schriftlich auf das Bremsenversagen hinwies, fühlte er sich "wie ein Idiot behandelt. Niemand glaubte mir, obwohl ich schließlich wußte, dass die Bremsen versagt hatte."

Nach einem älteren Bericht der französischen Zeitung "Le Parisien" sind von diesem "stillen Rückruf" in Europa über 180.000 Volvo-Modelle des Typs 850 betroffen - davon 80.716 Limousine und 103.688 Kombis.

Volvo bestreitet Zusammenhang zwischen Unfall und Defekt

Volvo bestreitet diese Zahl jedoch. Insgesamt seien nur 19.379 Volvo 850 TDI von dem stillen Rückruf betroffen gewesen, bei dem ein Leck im Vakuumsystem des Bremskraftverstärkers aufgetreten ist. Die fraglichen Modelle seien zwischen der Kalenderwoche 51 des Jahres 1995 und 43. Woche des Jahres 1996 produziert worden. Dieser Defekt habe jedoch, so der schwedische Volvo-Pressechef Ingmar Hesslefors gegenüber autouniversum, "mit dem aktuellen Unfall nichts zu tun." Der Schaden sei am zur fraglichen Zeit produzierten Unfallwagen bei einem Werkstattbesuch repariert worden. "Selbst wenn der Bremskraftverstärker nicht funktioniert, kann man immer noch bremsen."

Zur weiteren Klärung will Volvo nun im eigenen Crash-Labor umfangreiche Versuche durchführen. "Das uns erst kürzlich zugegangene Gutachten ist 800 Seiten stark, bisher haben wir nicht viel mehr als die Schlußfolgerungen durcharbeiten können." Aus dieser ersten kurzen Analyse des Materials habe sich für Volvo kein Anhaltspunkt ergeben, wonach der Unfall tatsächlich durch einen Defekt verursacht worden sei.

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