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Volvo prüft Übernahme eines Ford-Werkes in USA

Foto: ams

Der schwedische Autohersteller Volvo prüft derzeit die Übernahme eines nicht ausgelasteten Werks der Konzernmutter Ford in den USA, um seine Fertigung im Dollar-Raum zu erhöhen. Das bestätigte Volvo-Chef Frederik Arp im Gespräch mit auto motor und sport.

31.05.2008 Harald Hamprecht

Nach Medienspekulationen prüft Ford den Verkauf der Marke Volvo. Beunruhigt Sie das?
Arp: Wir konzentrieren uns auf unser Geschäft. Zu solchen Spekulationen müssen Sie Konzernchef Alan Mulally befragen.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für Volvo?
Arp: Nun, ich glaube wir sind auf einer interessanten Reise. In den vergangen sechs Jahren haben wir unsere Modellpalette auf für uns komplett neue Segmente ausgedehnt - mit dem Volvo XC90, dem Volvo C30 und in wenigen Monaten mit dem Volvo XC60. Damit haben wir seit 2006 unsere komplette Modellpalette erneuert.

Mit Ausnahme des Volvo S60.
Arp: Richtig. 2006 haben wir Volvo C30, Volvo C70, Volvo S80 und das Facelift des Volvo XC90 präsentiert. Im vergangenen Jahr die neuen Volvo V70 und Volvo XC70 sowie das Facelift von Volvo S40/V50. Noch diesen Oktober werden wir unser jüngstes Modell, den Volvo XC60, in den Markt bringen. Dieser Weg der Erneuerung hat sich auch positiv auf unseren Absatz niedergeschlagen. Vergangenes Jahr konnten wir einen Allzeit-Rekordabsatz von über 458.000 Einheiten verbuchen. Unsere größte Herausforderung ist es nun, dieses positive Modell- und Absatzwachstum mit dem richtigen finanziellen Ergebnis zu verknüpfen, was uns bisher noch nicht gelungen ist, nicht zuletzt aufgrund der signifikanten Dollarschwäche, der wir ausgesetzt sind.

Welches Ergebnis erwarten Sie dieses Jahr?
Arp: Wir machen keine Finanz-Prognosen. Das bleibt unserem Mutterkonzern Ford überlassen.

... und selbst der scheut sich, präzise Angaben zu machen. Können Sie uns denn sagen, welche Absatz-Ziel Sie verfolgen?
Arp: In Europa wollen wir unsere Vorjahresposition verteidigen, in den USA erwarte ich einen Rückgang um etwa zehn Prozent, was darauf zurückzuführen ist, dass wir in 2007 einige große, gut ausgestattete Modelle aktiv in den Markt gegeben haben, was wir dieses Jahr nicht wiederholen wollen. Im Rest der Welt werden wir unseren Wachstumspfad weiter gehen - mit einem deutliche Wachstum im zweistelligen Prozentbereich. Was das global unterm Strich bedeutet, hängt stark von der jeweiligen Marktentwicklung ab. Sollte der europäische Markt stabil bleiben, werden wir voraussichtlich auch global auf Vorjahreslevel abschneiden.

Wann werden Sie die avisierten 600.000 Einheiten erreichen?
Arp: Das ist eine Vision, die schon einige Jahre alt ist und an eine komplett andere Realität in unserem Hauptabsatzmarkt Nordamerika geknüpft war. Wir behalten diese Vision, sind aber vorsichtig mit der Zeitangabe. Unter Berücksichtigung der heutigen Rahmenbedingungen, vor allem der Währungsrelationen, kann ich sagen, dass wir dieses Absatzniveau sicher nicht mehr diese Dekade in die Realität umsetzen werden.

Ein Natural Hedging würde Ihnen doch helfen. Planen Sie ein Werk in den USA? Vielleicht gar die Übernahme eines schlecht ausgelasteten Werk Ihres Mutterkonzerns Ford?
Arp: Es wäre dumm, diese Option nicht genau zu prüfen.

Wann und wo wird das passieren?
Arp: Es ist noch zu früh, das zu sagen. Wir sind da noch in einer Phase der Prüfung.

Weltweit beschäftigen Sie 25.000 Mitarbeiter in drei Werken: eines in Schweden, ein weiteres in Belgien und eines in China zusammen mit Ford und Mazda. Wie wird sich Ihrer Personalstärke entwickeln?
Arp: 2007 haben wir unsere Produktivität um 9,8 Prozent erhöht - oder um präziser zu sein: unsere Produktion um 9,8 Prozent ausgebaut, ohne die Personalstärke zu erhöhen. Ein vergleichbares Ziel haben wir uns für dieses Jahr vorgenommen.

Wo liegt Ihre technisch installierte Produktionskapazität?
Arp: Bei rund 580.000 bis 600.000 Einheiten.

Planen Sie den Einstieg in neue Märkte?
Arp: Das ist vorerst nicht nötig. In Indien sind wir seit 2007 vertreten, allerdings ist das noch ein jungfräulicher Markt für Premium-Fahrzeuge. Eine exzellente Marktpenetration genießen wir bereits in Russland und China, wo wir weiter wachsen wollen, auch dank lokalisierter Produkte, wie die Langversion des S80, die wir Ende 2008 in China bringen werden. In Brasilien erwarte ich dieses Jahr rund 2500 Verkäufe. Damit haben wir die wichtigsten Wachstumsmärkte abgedeckt. Weltweit ist Volvo in 104 Ländern vertreten. Das heißt aber nicht, dass wir mittelfristig nicht Appetit auf mehr haben.

Was sind Ihre wichtigsten Märkte?
Arp: Unsere fünf größten Märkte sind die NAFTA, Schweden, Deutschland, Großbritannien und Russland. Die NAFTA macht rund 23 Prozent unseres Absatzes aus, im Jahr zuvor waren es noch 26 Prozent. Diese Abhängigkeit vom Dollar-Markt wollen wir weiter reduzieren. Ich gehe davon aus, dass wir 2008 nur noch 20 Prozent unseres globalen Absatzes in Nordamerika machen werde.

In Deutschland konnten Sie im vergangenen Jahr einen Absatz von 33.500 Einheiten verbuchen. Was erhoffen Sie sich dieses Jahr?
Arp: Wir können hier mehr machen als diese 33.500 Einheiten. Mittelfristig sehe ich ein Potenzial von 40.000 Einheiten und mehr. Dafür gibt es aber noch keinen fix definierten Zeitplan.

Wie wird sich Ihr Händlernetz entwickeln?
Arp: Weltweit arbeiten wir mit 2.450 Händlern. In den USA wird unser Netz tendenziell schrumpfen, dafür aber in den BRIC-Ländern und Osteuropa weiter wachsen. Für 2008 gehe ich daher von einer Größenordnung des Vorjahres aus.

Sehen Sie in Ihrem Modellportfolio noch Nischen, die Sie füllen können, ohne die Marke zu überdehnen?
Arp: Mit den drei Erweiterungen in den vergangenen sechs Jahren sind wir schon recht breit aufgestellt. Lassen Sie uns erst einmal unseren XC60 erfolgreich einführen. Danach entdecken wir sicher noch viele Möglichkeiten.

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