Wir fahren langsam an der sturmgepeitschten Wand der Lastwagen vorbei und halten Kurs in Richtung Narvik. Einzeln in der Landschaft stehende, kleine und kleinste Häuschen - zum Teil nicht größer als ein Dixie-Klo, aber viel hübscher und aus buntem Holz - trotzen stoisch den weißen Sturmschleiern. Die Ebenen sind mit kantigen Felsbrocken übersät, zwischen denen zwei bis drei Meter hohe Bonsai-Birken ihr kümmerliches Dasein fristen.
Der Zustand der Straße wechselt ständig zwischen blank geblasenem Asphalt, verstecktem Eis und gut 30 Zentimeter hohen Verwehungen. Der Volvo XC70 meistert dank seiner Spikesbereifung alle Fahrsituationen souverän und gleichmütig wie ein satter Eisbär. Die Fahrstabilitätskontrolle sorgt für optimale Traktion des leicht untersteuernd ausgelegten Allradsystems. Die nebelartigen Schneeböen lassen nach, und wir erkennen vor uns das felsige Bergmassiv der norwegischen Fjorde.
Grüne Wiesen an der Küste
Mit jedem Bergab-Kilometer zur Küste, die wir bequem auf sanft geschwungenen Kurven absolvieren, wird der Schnee weniger. Am Meer, vom Golfstrom erwärmt, scheint der Frühling schon Einzug zu halten. Der windgeschützt an einer flachen Bucht gelegene Küstenort Bjerkvik begrüßt uns sogar mit einer grünen Wiese. Wer nach Narvik will, muss über die 41 Meter hohe und 765 Meter lange Rombaksbruo, die Lastwagen nur im Schritttempo überqueren - so stark weht der schneelose Wind durch den Rombaken-Fjord.
Unseren Volvo lässt das kalt, sodass wir von hier aus in 15 Minuten Narvik erreichen. Narvik ist der Verladehafen für das Eisenerz, das in Kiruna gewonnen und auf einer spektakulären Eisenbahnlinie ans Meer gebracht wird. Der Hafenbetrieb widmet sich fast ausschließlich dem Eisenerz. Riesige, von den Waggons herangeschaffte Bergkegel warten auf ihre Verladung in rostige Schiffsbäuche.
Lange Abende im Winter
Wir sind wieder nach Riksgränsen zurückgekehrt. Es ist nun 16 Uhr, es dämmert bereits. Die Abende sind lang, aber die Bar im Meteorologen von Patrik Strömsten bietet erstaunliche Genüsse. Patrik ist Sommelier und unterhält sogar eine offizielle Vertretung der australischen Penfold’s- Weine. Manchmal kommt auch Robert Lindtstedt, der Direktor des benachbarten Riksgränsen Hotel, vorbei. Heute berichtet er, was sich hier im Frühjahr abspielt. Wenn es fast den ganzen Tag hell und draußen zehn bis 15 Grad warm ist - und man in Shorts und Bikini auf die Piste geht.
Höhepunkt bildet das Sonnwendfest, das an jenem Wochenende stattfindet, das dem 21. Juni am nächsten liegt. "Hunderte von Menschen", sagt Lindtstedt, "stürmen um zehn Uhr abends im Schein der Mitternachtssonne den Berg und freuen sich über den längsten Tag im Jahr." Man tankt hier in Nordschweden die Sonne auf Vorrat, denn der nächste, lange Winter kommt bestimmt.
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