Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Volvo-Zukunft bis 2020

Der Masterplan gegen Audi

Volvo V90, Audi A6 Avant Foto: Christian Schulte 37 Bilder

Straffe Plattformstrategie, schnörkelloses Design, elektrifizierte Antriebe: Nach dem Vorbild von Audi will Volvo seinen Absatz bis 2020 fast verdoppeln. Kann das klappen?

11.12.2015 Dirk Gulde

Liebe auf den ersten Blick war es nicht gerade, als der chinesische Hersteller Geely 2010 Volvo übernahm. Die Verkaufszahlen sackten erst mal ab, die Schweden rutschten in die Verlustzone. Hinzu kamen atmosphärische Störungen, die 2012 im Abservieren des Volvo- Chefs Stephan Jacoby gipfelten – während der sich in der Reha befand.

Unter dem neuen Vorsitzenden Hakan Samuelsson sind die Blicke jedoch in die Zukunft gerichtet. Und die mutet so positiv an, dass sich ehrgeizige Vergleiche erlauben – etwa mit der VW-Tochter Audi, die sich vom einstigen Übernahmekandidaten in die Top 10 der wertvollsten Automarken weltweit hochgearbeitet hat – mit einer konsequenten Plattformstrategie, hochwertiger Verarbeitung sowie dem Fokus auf Connectivity und Elektrifizierung. Daher dürften zukünftig immer mehr Käufer Vergleiche zwischen dem 2016 erscheinenden Volvo S90 und dem Audi A6 ziehen, der 2017 kommt, oder die beiden SUV XC40 und XC60 den Modellen Q3 und Q5 gegenüberstellen, auf die Volvo zielt.

Kompletten Artikel kaufen
Neuheiten Volvo vs. Audi
auto motor und sport 24/2015
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 7 Seiten)

Volvo beschränkt sich auf drei Baureihen

Doch der Reihe nach: Künftig konzentriert sich der schwedische Hersteller auf drei Modellreihen (40, 60, 90), die jeweils Limousine, Kombi, SUV und den Offroad-Kombi Cross Country umfassen. 90er- und 60er- Modelle basieren auf der SPA-Plattform für Quermotoren (Scalable Product Architecture), die mit dem XC90 eingeführt wurde. Ein kleiner Bereich im Vorderbau bleibt dabei immer gleich, während sich die äußeren Abmessungen variieren lassen. So kommen S90 und V90 in den Genuss eines langen Radstandes und kurzer Überhänge. Zudem setzen schmale Scheinwerfer mit T-förmigen Tagfahrlichtern die Designsprache des XC90 fort.

Anders als beim SUV wird die Front jedoch von einer sechseckigen, stärker hervorgehobenen Kühlermaske betont. Auf Wunsch von Firmenchef Samuelsson verläuft die Heckscheibe des V90 flacher als beim Vorgänger V70. Designchef Thomas Ingenlath (ehemals VW) passte hierfür die ursprünglichen Entwürfe an. Für die kompakte 40er-Baureihe entwickelte Volvo eine zweite Plattform (CMA, Compact Modular Architecture), die viele Komponenten des SPA-Baukastens übernimmt.

Ein Nachfolger für den zweitürigen C30 ist mangels Stückzahl ebenso wenig geplant wie Coupés oder Cabrios. Der Erneuerungsprozess soll bis 2019 abgeschlossen sein, womit der acht Monate alte XC90 in vier Jahren ältester Volvo sein wird – beachtlich für einen Hersteller, der die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gefühlt mit zwei Modellwechseln überbrückt hat.

Mehr Leistung durch E-Unterstützung

Konzentration ist auch beim Thema Antrieb angesagt: Um Kosten zu sparen, kommen mittelfristig nur noch zwei Rumpfmotoren zum Ein- satz: Ein Zweiliter-Vierzylinder, der in unterschiedlichen Leistungsstufen als Diesel und Benziner angeboten wird, sowie ein davon abgeleiteter Dreizylinder- Benziner mit 1,5 Litern Hubraum. Die Zeit der Fünf-, Sechs- oder gar Achtzylinder ist damit vorbei.

T8-Plug-in-HybridFoto: Volvo
T8-Plug-in-Hybrid mit 407 PS: Verbrenner vorn, E-Motor hinten. Das Modul kommt im S-, V- und XC90.

Lethargie ist dennoch nicht zu befürchten, schließlich bekommen die jeweiligen Top-Benziner Elektromotoren zur Seite gestellt. Den Anfang macht der bereits präsentierte XC90 T8, dessen 65-kW-E-Motor die Hinterachse antreibt. Damit realisiert er fast nebenbei Allradantrieb und hebt mit dem 320 PS starken Benziner die Systemleistung auf 407 PS. Der Twin-Engine-Antrieb erscheint in weiteren Modellen der 90er- und 60er-Reihe.

Für die Kompaktmodelle hat Volvo ein eigenständiges Hybridmodul entwickelt, bei dem sich ein 50-kWE-Motor den Platz unter der Motorhaube mit einem Dreizylinder-Benziner teilt und an ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist. Die 9,7-kWh-Batterie ermöglicht eine elektrische Reichweite von über 50 Kilometern. Da der E-Motor direkt auf eine der beiden Getriebehauptwellen wirkt, sind Übersetzungswechsel möglich, die die Effizienz verbessern. Höhepunkt der Elektrifizierung wird ein für 2019 angekündigtes Elektroauto mit Schnellladefunktion sein, das 500 Kilometer weit kommen soll. Ob als Limousine oder SUV, steht jedoch noch nicht fest.

Audi A8 mit 48-Volt-Bordnetz ab 2016

Anders ist das bei den Ingolstädtern, die die Grundzüge ihres Batterieautos für 2018 mit dem E-Tron Quattro Concept (370 kW, 500 km Reichweite, induktives Laden) auf der IAA enthüllten. Als Q6 soll das Auto auch mit konventionellen Antrieben zu haben sein. Doch was heißt 2018 noch konventionell: Mit dem A8 führt Audi 2016 das 48-Volt-Bordnetz ein, das den 12-Volt-Kreislauf sukzessive aus allen Baureihen verdrängt. Vorteil von 48 Volt: die kostengünstige Hybridisierung per 15-kW-E-Maschine, die den Verbrenner in der Stadt häufig arbeitslos macht. Zudem erlauben 48 Volt den Einsatz eines besonders schnell ansprechenden elektrischen Verdichters als Ergänzung zu konventionellen Turboladern.

Der nächste A6 wird den E-Booster in einem V6-Diesel (bis zu 750 Nm) erhalten. Die Motorenvielfalt fällt bei Audi ohnehin wesentlich umfangreicher aus: Vom Dreizylinder über Vierzylinder mit und ohne Zylinderabschaltung, Fünf-, Sechs-, Acht- und Zehnzylinder bis zum W12 sind fast alle Hubkolbenvarianten verfügbar.

Autonom fahrenden XC90Foto: Volvo
Ab 2017 wagt sich Volvo mit 100 autonom fahrenden XC90 in den Stadtverkehr von Göteborg.

Autonomes Fahren - Volvo und Audi gleichauf

Volvos Diesel-Fans dürfen sich 2016 auf den 235 PS starken D6 mit Power-Puls-Technik freuen. Dabei handelt es sich um einen Verdichter, der Luft komprimiert und speichert. Geht der Fahrer aufs Gas, führt ein Ventil die Druckluft auf die Turbolader-Schaufeln, was das Ansprechverhalten enorm verbessern soll. Beim wichtigen Zukunftsthema autonomes Fahren begegnen sich die Konkurrenten auf Augenhöhe: 2017 startet Volvo mit einer Kundenflotte von 100 XC 90, die autonom in und um Göteborg fahren sollen.

Als erster Hersteller übernimmt Volvo die volle Haftung, was als Voraussetzung für autonomen Betrieb gilt. Audi hat sich mit einem pilotierten A7 ebenfalls schon ins Stadtgetümmel gewagt, ausgerechnet in Shanghai, einer der chaotischsten Städte der Welt. Derzeit arbeiten Audi und Volvo an einer hoch präzisen Straßenkarte, ohne die es kein autonomes Fahren geben wird. Auch hier ähneln sich die Strategien: Partner in beiden Fällen ist nämlich Nokias früherer Kartenspezialist Here.

Statistik

Nach der Übernahme durch den chinesischen Autobauer Geely gingen die Volvo- Verkäufe erst einmal zurück. Die neuen Modelle sollen den Jahresabsatz bis 2020 aber auf 800 000 Autos steigern, zehn Prozent sollen Hybrid- oder E-Antrieb haben. Audi einzuholen, dürfte dennoch nicht gelingen, bis 2020 will die VW-Tochter auf knapp zwei Millionen Fahrzeuge wachsen. Für beide Marken spielt der chinesische Markt eine wichtige Rolle.

Fazit

Mit der Konzentration auf zwei Plattformen, zwei Motoren und zwei Hybridmodule deckt Volvo viele Modellvarianten vergleichsweise preiswert ab. Von kostspieligen Sport- und Luxuskarossen oder wenig profitablen Kleinwagen lassen die Schweden bewusst die Finger. Mit den hohen Stückzahlen des VW-Konzerns im Rücken kann Audi hier anders agieren, was ein Blick auf die Motorenpalette verdeutlicht. Angst vor Volvo ist daher nicht angebracht, ein zusätzlicher starker Konkurrent wächst dennoch heran.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Autokredit berechnen
Anzeige