Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Von Namibia bis zum Kap der Guten Hoffnung

Foto: Michael Schröder 7 Bilder

Sie sind auf der Suche nach großartigen Landschaften und jeder Menge Offroad-Spaß? Die Strecke vom Fish River Canyon in Namibia bis zum Kap der Guten Hoffnung in Südafrika bietet beides. Garantiert.

19.06.2007 Michael Schröder

Eine "Pad", wie die breiten Pisten Afrikas genannt werden, lockt den BMW X5 hinaus in die rotbraune Wüste. Der Pilot zieht an, Tempo 80, 100, 120. Wie auf Schienen folgt der schwere Wagen dem Verlauf der leicht gewundenen Strecke, die bis zum Horizont zu führen scheint. Der Blick schweift angestrengt über das von der Sonne zerschundene Land, erkennt nichts als Leere, die schwer fassbar ist. Nein, auf so viel Weite ist man als Mitteleuropäer, der nach knapp zwölf Stunden im Flieger afrikanischen Boden betreten hat, einfach nicht vorbereitet. Im Süden Namibias ist die Welt eine andere.

Der Weg wird abenteuerlicher

Der erste Abzweig. Von der C 10 geht es rechts ab in Richtung Klein Karas. Der Weg wird eine Spur abenteuerlicher. Bodenwellen, sandige Furten, Absätze. Aber nichts, was den Fahrer ernsthaft aus der Ruhe bringen könnte. Für feuchte Hände sorgt allenfalls der Gegenverkehr, weil sich in den gewaltigen Staubfahnen nicht einmal mehr das Ende der eigenen Motorhaube erahnen lässt. Namibier sprechen allerdings schon von Rushhour, wenn einem pro Stunde ein Fahrzeug begegnet.

Only 4x4

Gut 60 Kilometer nordwestlich führt ein Abzweig nach Springfontain. "Only 4x4" mahnt ein handgemaltes Schild. Eine glaubhafte Ansage angesichts der schmalen Trasse, die den kargen Busch in westliche Richtung durchschneidet. Tiefer Sand – endlich Arbeit für die vier angetriebenen Räder, die sofort den weichen Grund aufmischen, bis Tempo 60 erreicht ist. Scheinbar mühelos zieht der Wagen seine Spur, das leichte Schlingern bleibt dabei stets gut kontrollierbar – oder wird vom Fahrer bewusst durch beherztes Gasgeben oder Gegenlenken provoziert.

Sonnenuntergang im Canyon

Kurz vor Sonnenuntergang ist der Fish River Canyon erreicht. Der Blick fällt in eine gewaltige Schlucht, die sich schwungvoll über etwa 160 Kilometer durch den Süden Namibias zieht. Doch noch sind der X5 und seine Besatzung nicht am Ziel. Das Beste für heute steht noch bevor: die Abfahrt hinunter zum Camp am Flussufer.

Der schmale, steinige Pfad stürzt sich sofort in die Tiefe. Diverse Kehren, hohe Absätze, viel Geröll. Millimeterarbeit für den Piloten, der links groben Fels und rechts einen dunklen Abgrund vor Augen hat. Doch der einsame Platz am Ufer lohnt dieses Manöver. Rasch ist das Zelt im noch warmen Sand aufgebaut, ein Feuer entzündet. Kaltes Bier macht die Runde, während über den Wänden des Canyons, die wie eine uneinnehmbare Festung aufragen, ein Sternenhimmel aufzieht, wie man ihn nur selten zu sehen bekommt.

Namibias Postkartenmotiv

Früh am nächsten Morgen geht es den gleichen Weg bergauf. Zentimeter für Zentimeter bewegt sich der BMW voran. Reifen, Kupplung und Unterbodenschutz werden bis aufs Äußerste beansprucht. Erst gut eine Stunde später heißt die Devise wieder „laufen lassen“. Vorbei am „Canyon Roadhouse“, einer Tankstelle mit Restaurant mitten im Nichts, und weiter bis zu jenem Aussichtspunkt, von dem aus vermutlich jede zweite Postkarte Namibias geschossen wurde. Für diesen Blick hinunter in den Fish River Canyon, der sich hier mit einer großen Schleife von seiner besten Seite präsentiert, wäre man selbst zu Fuß hierher marschiert. Viel fehlt da nicht im Vergleich zum amerikanischen Grand Canyon, der Nummer eins der Schluchten.

Weiter über eine bolzgerade Strecke in südliche Richtung. Erst bei Ai-Ais geht es für eine Weile wieder richtig ab in die Botanik, bis der Pfad kurz vor dem breiten Oranje, der die Grenze zu Südafrika markiert, mit dem Asphalt quasi die Zivilisation erreicht. Bei Noordoewer reist der X5 schließlich in das Nachbarland ein, nimmt Kurs auf das noch rund 500 Kilometer entfernte Kapstadt.

Domestiziertes Südafrika auf der anderen Seite

Auf der Höhe von Clanwilliam geht es schon wieder runter von der autobahnähnlichen N7, um parallel zu ihr durch die Cederberge in Richtung Süden zu gelangen. Eine gut 250 Kilometer lange Piste windet sich durch eine von Wind und Wetter geformte Erosionslandschaft, müht sich über drei jeweils rund 1.000 Meter hohe Pässe. Felsenblöcke, wie von Riesenhand aufgetürmt, viele Meter hohe Zinnen und Säulen, die in einen unwirklich blauen Himmel ragen. Erst bei Ceres tritt die Trasse aus den wild zerklüfteten Bergen heraus und windet sich von dort an ganz harmlos durch eine immer grüner werdende Landschaft.

Paarl, Stellenbosch, Strand. Pikfeine Weingüter, luxuriöse Villen und unzählige Golfplätze auf dem Weg hinunter zur Küste. Das andere, domestizierte Südafrika. Nach den Tagen im Outback braucht es einen Moment, um sich damit zu arrangieren. Doch dieser Landstrich nimmt sofort gefangen: Dort, wo der Atlantische und der Indische Ozean aneinanderbranden, versinkt der afrikanische Kontinent mit einem fulminanten Paukenschlag im Meer – die Schönheit dieser Steilküste mit dem markanten Tafelberg im Hintergrund ist schier unfassbar. Darauf ist man als Mitteleuropäer auch an Tag fünf in Afrika einfach nicht vorbereitet.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden