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Vor 75 Jahren eröffnete Adenauer die erste deutsche Autobahn

Foto: dpa

Die Autobahnen sind im Geschichtsbewusstsein immer noch als die "Straßen des Führers" abgespeichert. Es hat sich festgesetzt, dass Hitler damit die Arbeitslosen beschäftigt und gleichzeitig etwas Nachhaltiges geschaffen hat. Aber wie bei so vielen Erfolgsgeschichten aus den vermeintlich "guten Nazi-Jahren" vor dem Krieg hat Hitler auch hier nur konsequent umgesetzt, was die verhassten Demokraten schon entwickelt hatten. Mehr noch: Die erste deutsche Autobahn wurde nicht von ihm, sondern vor 75 Jahren von Konrad Adenauer eröffnet.

06.08.2007 Powered by

"So werden die Straßen der Zukunft aussehen", sagte der Kölner Oberbürgermeister, als die "vierspurige kreuzungsfreie Straße" von Köln nach Bonn - die heutige Bundesautobahn 555 - am 6. August 1932 freigegeben wurde. Gebaut worden war sie von 2700 Arbeitslosen - auch diese Idee wurde von Hitler also nur übernommen. Der Begriff "Autobahn" entstand ebenfalls noch in der Weimarer Republik: Robert Otzen, Vorsitzender des Vereins zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte-Frankfurt-Basel, kurz HaFraBa, prägte das Wort 1929 in Anlehnung an die Eisenbahn.

Die erste reine Autostraße war 1921 die Automobil-Verkehrs- und Übungs-Straße (AVUS) in Berlin, heute das nördliche Teilstück der Bundesautobahn 115. Sie war allerdings so kurz, dass sie kaum als Autobahn im eigentlichen Sinne gelten kann. Die erste längere Strecke in Europa entstand 1924, der Anfang der "Autostrada" Mailand-Varese. Die 20 Kilometer lange Strecke Köln-Bonn war schon vor dem Bau der Autobahn eine der meistbefahrenen Deutschlands, vor allem wegen regen Ausflugsverkehrs in die Eifel und zum Nürburgring. Auf der zweispurigen Landstraße kam es immer wieder zu tödlichen Unfällen.

Treiben und Führen von Tieren war untersagt

Die Bauarbeiten für die Autobahn begannen 1929. Bauträger war die rheinische Provinzialverwaltung unter dem Vorsitz Adenauers, der ein Faible für Großprojekte aller Art hatte. Die Fahrbahnen waren noch nicht durch einen Mittelstreifen voneinander getrennt - was später dazu führte, dass dreiste Fahrer auf der Gegenfahrbahn überholten. Das "Treiben und Führen von Tieren" musste noch ausdrücklich untersagt werden. Ein großer Fortschritt war die Asphaltierung: Staubwolken und Schlaglöcher gehörten damit der Vergangenheit an.

Mit seinem untrüglichen Gespür für propagandistische Wirkung griff Hitler den Autobahnbau schon im Jahr darauf auf und setzte sich bei jedem ersten Spatenstich groß in Szene. Obwohl er selbst nie einen Führerschein besaß, war er ein Liebhaber vor allem schwarzer Staatslimousinen. Der verhinderte Kunstmaler begründete kurzzeitig sogar ein neues Bildgenre - die "Autobahnmalerei" - und ließ die Verkehrsverbindungen von Dichtern besingen: "Des Führers Straßen ziehen stolz/durch Feld und Heide, Moor und Wald./Ein Plan, gewaltig, wird Gestalt."

Die Bedeutung des Autobahnbaus für die Überwindung der Arbeitslosigkeit wird oft überschätzt: Auf dem Höhepunkt der Bautätigkeit waren 125.000 Arbeiter beteiligt - was beachtlich ist, aber bei über sechs Millionen Erwerbslosen auch wieder nicht ausschlaggebend gewesen sein kann. Die "Reichsautobahnen" blieben im übrigen Teilstücke. Ein zusammenhängendes Autobahnnetz entstand erst, als Adenauer erneut regierte - diesmal allerdings nicht in Köln, sondern am anderen Ende seiner ersten Autobahn: in Bonn, als Bundeskanzler.

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