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Vorschau 24h-Rennen Nürburgring 2009

Spannungsgarantie beim Saisonhöhepunkt

24h-Rennen Nürburgring Foto: Rossen Gargolov 78 Bilder

Trotz weniger Masse kein Mangel an Klasse - so könnte 2009 das Motto des 24h-Rennens am Nürburgring lauten. Die Wirtschaftskrise ließ zwar die Starterzahlen abschmelzen, doch immerhin 30 Teams werden sich beim Kampf um die Podestplätze gnadenlos beharken.

07.05.2009 Powered by

"Da haben die Herren Ingenieure ja nicht so schlecht gerechnet", knurrte Peter Geishecker nach dem ersten Zeittraining der Saison 2009 in der Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring. Geishecker war als Organisationsleiter des 24h-Rennens die treibende Kraft hinter einer umfangreichen Neujustierung der Kräfteverhältnisse am Ring. Zu diesem Zweck hatte er eine erlesene Ingenieursschar im gemeinsamen Technikausschuss von ADAC Nordrhein, Langstreckenmeisterschaft und DMSB versammelt, welche die Austarierung mit spitzen Bleistiften und endlosen Grafiken ersannen.
 
Führungsfeld liegt dicht beieinander
 
Die erste Bewährungsprobe musste das Reglement in der Langstreckenmeisterschaft bestehen - und nahm diese Hürde mit Bravour. Nimmt man das Zeittraining als Maßstab, so tummelten sich auf den ersten neun Plätzen SP7- und SP9-Autos in bunter Abfolge und in einem engen Zeitkorridor von zehn Sekunden. Sollte sich das Bild beim 24h-Rennen 2009 auch nur ansatzweise bestätigen, so können sich die Ring-Fans schon heute die Hände reiben.
 
Das viel diskutierte Reglement ruht auf zwei Säulen: Die bisherigen Topteams aus den Special-Klassen SP7 und SP8 wählen aus einem komplexen Dreisatz aus Restriktorgröße, Tankvolumen und Leergewicht ihre Fahrzeugeinstufung. Zusätzlich tritt mit den GT3-Autos als Special- Klasse 9 eine neue, gesamtsiegfähige Kategorie hinzu. Abgesehen davon, dass diese drei Klassen bei der Nettogeschwindigkeit offenbar erfolgreich angeglichen wurden, justierte das Reglement auch die Eckdaten der Renn-Performance neu: Porsche verliert seinen Verbrauchsvorteil von zwei Runden durch kleinere Tanks. Zusätzlich dauert das Nachtanken bei einem Porsche genauso lang wie bei Fahrzeugen mit größeren Tanks.

24-Stunden-Rennen Nürburgring 2012: Zeitplan, Rahmenprogramm und mehr 5:15 Min.

Die starken Teams bleiben an der Spitze
 
In der Theorie tanken alle Teams also nach acht Runden, alle Teams stehen beim Nachtanken gleich lang - und alle Topteams sollten auch ungefähr gleich schnell sein. Daher steigt 2009 die Bedeutung von Faktoren, die das Reglement nicht ausgleichen kann und will. Die Leistung im Rennsport bemisst sich an vier Einflussgrößen - Team, Fahrer, Fahrzeug und Reifen. Hinzu treten Randfaktoren wie Werksunterstützung oder Teamfinanzierung. Das Reglement hat die Fahrzeug-Performance angeglichen und den Verbrauchsvorteil der Porsche- Flotte gekappt.
 
Doch es bleiben genügend Stellschrauben, um sich Vorteile zu erarbeiten. "Die starken Teams bleiben auch nach einem Reglementwechsel an der Spitze", behauptet Ring-Profi Marc Basseng. Die Einschätzung des Kölners dürfte auch für das 24h-Rennen Bestand haben. Zwar weist die Nennliste in den neuen Königsklassen SP7, SP8 und SP9 fast 30 Nennungen auf, doch die etablierten Gardeteams dürften allen anderen Aspiranten um einige Nasenlängen voraus sein.
 
Porsche fährt zweigleisig
 
Bei Porsche fährt man für das 24h-Rennen zweigleisig und unterstützt neben dem Team von Olaf Manthey auch Land Motorsport. Die Porsche 911 RSR aus der SP7-Klasse haben zwar durch kleinere Restriktoren zirka 40 PS eingebüßt, sind aber immer noch pfeilschnell. Der Grund? Viel Abtrieb, gute Reifen und ein exzellentes Fahrwerk. "Die Motorleistung ist eben nur ein Faktor, warum der GT2-Porsche auf dem Ring so gut funktioniert", relativiert Basseng, der den Land-Porsche beim ersten VLN-Rennen auf die Pole Position stellte. Beachtenswert seine Rundenzeit: 8.20 Minuten, nur wenig langsamer als im Jahr zuvor.
 
Fast alle GT2-Porsche werden mit derselben Einstufung fahren, 1.250 Kilo und 100 Liter Sprit sind nach Aussage aller Insider der goldene Mittelweg. Bei Land Motorsport hängt viel an der Fahrerbesetzung. Wolfgang Land will mit einer Kracherpaarung seine Werksunterstützung rechtfertigen. Die Gerüchteküche meldet Verhandlungen mit Ex-DTM-Pilot Bernd Schneider. Doch die Manthey-Paarung mit Marc Lieb, Timo Bernhard, Marcel Tiemann und Romain Dumas muss nach den Erfahrungen der letzten Jahre als Benchmark am Ring gelten.

Neue GT3-Konkurrenz für Porsche
 
Das neue Reglement sollte die Porsche-Übermacht am Ring sprengen, doch die Rechnung wird schon deshalb nicht voll aufgehen, weil auch Porsche einen wettbewerbsfähigen GT3-Rennwagen im Angebot hat - und damit ebenfalls von der Öffnung des Reglements profitiert. Porsche-Urgestein Olaf Manthey wird einen solchen GT3-Elfer mit Wolf Henzler, Richard Lietz und Emmanuel Collard einsetzen. Das Team von Bernhard Mühlner bringt ebenfalls zwei starke GT3-Porsche an den Start, auf die zu achten sein wird. Das Team von Peter Mamerow feuerte beim ersten VLN-Rennen mit einem GT3-Elfer eine deutliche Salve ins GT2-Camp: Chris Mamerow und Lance David Arnold belegten nicht nur Rang zwei im Rennen, sondern lagen bei der schnellsten Rennrunde drei Zehntel vor dem siegreichen Manthey-Porsche.
 
Porsche wird sich beim 24h- Rennen also nicht unterbuttern lassen, zumal die Marke mit ihrem Kundenstamm sehr breit aufgestellt ist. Da wäre zum Beispiel das Team von Jürgen Alzen, der mit seinem Bruder Uwe Alzen sowie Christian Menzel und Dominik Schwager in der SP7-Klasse hoch einzuschätzen ist. Dazu das Frikadelli-Team mit Sabine Schmitz, Klaus Abbelen, Edgar Althoff und Kenneth Heyer, die 2008 überraschend Platz drei holten. Das Bild bei den Nicht-Porsche- Teams gestaltet sich noch unübersichtlich und lückenhaft. Zwei Handlungsstränge stechen hervor: Zakspeed ist zurück, und Audi will die vom Veranstalter aufgestoßene Tür nutzen und mit dem neuen R8 LMS die Porsche-Fraktion piesacken.
 
Zakspeed kreuzte beim Saisonstart der VLN mit einer GT3-Viper auf, die aufreizend viel Gift verspritzte. Sascha Bert lag mehrere Runden in Front - vor dem GT2-Porsche von Manthey. Ein Strohfeuer? Wohl kaum, auch wenn die Viper nur mit vorläufiger Homologation ausrückte und noch Fragezeichen hinter der Einstufung des 8,4 Liter großen GT3-Motors stehen. In den letzten Jahren verfügte Zakspeed mit Tom Coronel, Duncan Huisman, Christophe Bouchut und Sascha Bert über eine ziemlich souveräne Mannschaftsaufstellung. Mit der Truppe aus Niederzissen dürfte also auch 2009 zu rechnen sein. Und dann wäre da noch Audi, die mit vier R8 LMS, eingesetzt durch die Teams Phoenix Racing und ABT Sportsline, zum großen Ring-Halali blasen.
 
Bei den Fragen Speed und Ausdauerfähigkeiten gibt es trotz des unbestreitbaren Potenzials noch Fragezeichen: Probleme mit der Motorsteuerung und Haltbarkeitsmankos beim Getriebe werden kolportiert, aber nicht bestätigt. Fakt ist, dass sich Audi lange Zeit ließ, bevor man die Ampel für den Ring-Einsatz auf Grün stellte. Und schon naht das nächste Unheil, denn eine zu gute Performance eines GT3-Rennwagens zieht zwangsläufig Restriktionen bei der FIA-Einstufung nach sich, die am Nürburgring eins zu eins übernommen wird. Romolo Liebchen, R8-Projektleiter bei Audi, gibt zu: "Wir werden für 2009 mit gewissen Restriktionen leben müssen."
 
Audi unterstützt das 24h- Rennen dafür mit der hochkarätigsten Fahrerbesetzung aller Werksabordnungen. Mit Hans-Joachim Stuck, Emanuele Pirro, Frank Biela, Marco Werner, Lucas Luhr, Mike Rockenfeller, Marc Basseng, Marcel Fässler, Frank Stippler, Matthias Ekström und Timo Scheider herrscht kein Mangel an Renn-Prominenz. Die SP8-Klasse präsentiert sich nach der vorläufigen Nennliste ein wenig gerupft - viele Teams wie Zakspeed haben auf die zukunftsträchtige SP9-Klasse umgesattelt. Die Mannschaft von Stefan Kissling hält mit ihrer Corvette C6 nach SP8-Strickmuster die Fahne hoch.

V10-Mittelmotorsportwagen aus Japan
 
Ein weiteres Highlight kommt von Lexus. Die Japaner fahren wie im Vorjahr zweigleisig und bringen eine viertürige Limousine (IS-F) sowie zwei Mittelmotorsportwagen (LF-A) mit V10-Motor an den Start. Das BMW-Team von Torsten Schubert konnte im vergangenen Jahr dank des guten Benzinverbrauchs des Z4 M Coupés bis zur Rennhalbzeit in Sichtweite der Porsche-Wagen schippern. Da BMW bekanntermaßen auf einen Werkseinsatz mit dem GT2-M3 verzichtet, bleibt Raum für Spekulationen, wie viel Werk hinter dem Z4-Einsatz 2009 stehen wird. Auf jeden Fall sollen zwei Werksfahrer zum Aufgebot gehören.
 
Die Bayern haben noch ein zweites Eisen im Feuer: Der Alpina B6 GT3 mit V8-Kompressormotor ließ beim ersten Test im Rahmen der VLN sein Potenzial aufblitzen. Mit Platz zehn im Zeittraining gehört der giftgrüne Rennwagen zur erweiterten Favoritengruppe. Ein wichtiger Performance-Faktor wurde vom neuen Reglement nicht eliminiert, die Reifen sind freigestellt. Es gilt daher eine alte Nürburgring-Regel: Wer mit besonderer Aufmerksamkeit von Reifenpartner Michelin rechnen kann, dürfte auf der sicheren Seite stehen. Das Michelin-Männchen steht den üblichen Verdächtigen bei: Manthey (Porsche), Phoenix und Abt (Audi), Alpina (BMW) und wohl Zakspeed (Dodge).
 
Bleibt die Frage, mit wie vielen Autos die Fans rechnen dürfen? Sechs Wochen vor dem Rennen lagen dem Veranstalter 180 Nennungen vor. Organisationsleiter Peter Geishecker: "Neben einigen kleineren Fahrzeugen, die 2009 reglementbedingt leider nicht mehr dabei sein können, zeigen sich auch bei uns die Folgen der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen." Doch Mister 24h bleibt Optimist: "Ich garantiere den Fans eines der härtesten Rennen der letzten zehn Jahre. Denn unter den 180 Nennungen sind rund 30 Teams, die um einen Podestplatz kämpfen werden."


Weitere Informationen finden Sie im sport auto-Spezial zum 24h-Rennen auf dem Nürburgring.

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