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Vorschau Genf 2009

Die Frühjahrsmesse ist ausgebucht

Foto: dpa 65 Bilder

Trotz der Krise verheißt der Autogipfel am Lac Léman Frühlingsgefühle, wenn auch etwas verhaltene. Nach Angaben der Messeveranstalter ist der 79. Genfer Autosalon (5. bis 15. März) sogar ausgebucht.

03.02.2009

Den Prunk, für den Automessen lange Zeit berüchtigt waren, suchten Besucher auf manchen Shows zuletzt vergebens. Statt aufsehenerregender Enthüllungs-Spektakel war wegen der Wirtschaftskrise Trübsal angesagt. Viele Hersteller hatten den Auftritt ganz gestrichen, andere ihre Neuheiten lieblos und verlassen im Halbdunkel geparkt. Für Lichteffekte und hübsche Hostessen - sonst auf jeder Automesse zu sehen - fehlte schlicht das Geld. Ein solches Trauerspiel dürfte dem 79. Genfer Auto Salon erspart bleiben, sind sich Veranstalter und Branchenexperten einig: Trotz der Krise verheiße der Autogipfel am Lac Léman Frühlingsgefühle, wenn auch etwas verhaltene.

Opel Meriva Concept 1:36 Min.

Ausgebucht trotz Krise

Nach Angaben der Messeveranstalter ist der diesjährige Genfer Auto Salon bereits ausgebucht. Die meisten Standflächen seien bereits zugeteilt. Und selbst wenn – wie etwa im Januar bei der Automesse in Detroit – doch noch Konzerne absagen sollten, wäre das wohl kein Beinbruch. Denn rund 20 mögliche Aussteller stehen nach Veranstalterangaben zurzeit noch auf der Warteliste. Dem Genfer Autosalon komme in diesem für die Autoindustrie so schwierigen Krisenjahr zugute, dass er schon immer eine Messe war, „bei der übertriebene Show-Effekte fehlten“, sagt Automobilexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Je größer der Glamour, desto größer die Ernüchterung in Krisenzeiten – wie zuletzt in Detroit, wo sogar von einer „Totenmesse“ die Rede war.

Dudenhöffer rechnet zwar mit einer ernsten Stimmung in Genf, wo in diesem Jahr vor allem über Sanierung gesprochen werde. Auf der anderen Seite habe die Messe aber auch Neues zu bieten - und diese Neuheiten sind auch gerade vor dem Hintergrund der Krise interessant: Es werden laut Dudenhöffer alternative Antriebe gezeigt, Elektroautos , Hybridmodelle sowie kleine Motoren und Kleinwagen.

Auch Branchenexperte Nick Margetts vom Marktforschungsunternehmen Jato Dynamics in Limburg (Hessen) erwartet in Genf neue Beiträge der Hersteller zum Downsizing - und Umwelt-Trend . Für diese Themen räumen die Messeveranstalter erstmals eine eigene Halle frei, um sie umfassender vorzustellen. CO2-Ausstoß und Verbrauch seien trotz Krise eine wichtige Botschaft, sagt Dudenhöffer. „Gerade im Kleinwagenbereich wird Genf für viele Autofahrer interessant sein.“

VW zeigt den neuen Polo

Die wohl wichtigste Premiere steuert dazu Volkswagen bei: Die Wolfsburger zeigen am Genfer See die neue Generation des Polo. Der als Drei- und Fünftürer geplante Kleinwagen soll sportlicher als sein Vorgänger werden und Insassen mehr Platz bieten. Bei den Motoren werden unter anderem Spar-Diesel mit Start-Stopp-Technik erwartet, die den Verbrauch auf 3,5 Liter drücken (CO2-Ausstoß: 89 g/km).

Neuer 206 von Peugeot

Auch Peugeot hat etwas Neues im Kleinwagensegment zu bieten: Nach mehr als zehn Jahren stellen die Franzosen in Genf eine überarbeitete Fassung des 206 vor. Hinzu kommen laut Dudenhöffer Premieren wie der neue Chevrolet Spark. Mini will neue Einstiegsmotoren für den Dreitürer und den Kombi Clubman vorstellen. Und Kia hat für Genf die Premiere eines kleinen Vans unterhalb des Soul angekündigt.

Laut Ferdinand Dudenhöffer bietet Genf aber auch eine Perspektive über die nächste Modellgeneration hinaus. „Genf wird auch so etwas wie ein kleiner Ausblick nach der Krise – nach dem Jahr 2010“, erwartet der Automobilexperte. Es stelle sich die Frage, wer Studien oder Konzepte zeigt, die es erlaubten, in ein paar Jahren, wenn die Märkte wieder funktionieren, Marktanteile zu gewinnen. „Studien und Konzeptfahrzeuge waren also noch nie so wichtig wie 2009 in Genf.“

iChange von Rinspeed

Und da steht Besuchern einiges bevor - nicht nur von den großen Konzernen. Das Schweizer Designstudio Rinspeed etwa zeigt mit dem iChange einen variablen Elektro-Sportwagen. Je nach Zahl der Mitfahrer kann die hintere Hälfte der Flunder elektrisch aufgestellt werden. Innerhalb von Sekunden wird so aus einem windschnittigen Einsitzer ein kleiner Sportvan für zwei oder drei Personen.

Edag Studie mit OLEDs

Auf neue Werkstoffe und Lichttechnologie wiederum hat sich der Entwicklungsdienstleister Edag bei seiner Genf-Studie „Light Car – Open Source“ konzentriert. Der von Radnabenmotoren angetriebene Fünfsitzer wurde aus einer Basaltfaser konstruiert, die auch für die Fertigung von Rotoren für Windkraftanlagen verwendet werden. Als Scheinwerfer dienen erstmals sogenannte OLEDs, also organische Leuchtdioden, deren Projektionsfläche sich frei konfigurieren lässt.

Lampo aus der Schweiz

Und die Schweizer Ideenschmiede Protoscar stellt den Lampo vor, ein elektrisch angetriebenes Sportcabrio. An Vorder- und Hinterachse sitzen Elektromotoren, die zusammen 268 PS leisten.

„Es wird keine Messe der Traurigkeit oder düsteren Aussichten“, ist sich daher Branchenexperte Margetts sicher. Vielmehr würden die Verbraucher die Neuheiten  mit anderen Augen sehen - schließlich dürften etliche EU-Staaten bis März eine Auswahl an Kaufanreizen beschlossen haben. „Endlich könnte diese Automobilmesse wieder die Rolle einnehmen, für die sie gedacht ist - eine Möglichkeit für potenzielle Käufer, den nächsten Neuwagen auszuspähen.“

Öffnungszeiten und Preise

Der Genfer Autosalon findet vom 5. bis 15. März auf dem Messegelände Palexpo statt. Geöffnet sind die Messehallen montags bis freitags von 10.00 bis 20.00 Uhr und samstags und sonntags von 9.00 bis 19.00 Uhr. Die Eintrittskarte für Erwachsene kostet 14 Schweizer Franken (rund 9,50 Euro). Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren zahlen acht Franken (rund 5,40 Euro).

Hier geht es zu unserem großen Genf-Special.

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