Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Vorschau GP Kanada

Wer bremst verliert?

Foto: Daniel Reinhard 84 Bilder

Die Formel 1 fällt von einem Extrem ins andere. Der langsamsten Rennstrecke im Grand Prix-Kalender folgt am Wochenende mit Montreal (8.6.) eine der schnellsten. Zum ersten Mal in diesem Jahr werden Topspeeds jenseits von 330 km/h erwartet.

06.06.2007 Powered by

Der 4,361 Kilometer lange Kurs auf der Ile de Notre Dame im St. Lorenz-Strom steht noch für zwei andere Superlative. Nirgendwo sonst werden die Bremsen so hoch beansprucht. Und nirgendwo sonst ist der spezifische Benzinverbrauch so hoch. Das liegt am Layout der Strecke, die 1978 im GP-Kalender debütierte.

Einstopprennen verboten

Der Kurs von Montreal besteht aus langen Geraden und engen Schikanen. Sechs Mal wird von 300 auf unter 100 km/h gebremst. Sechs Mal wieder hoch beschleunigt. Der hohe Verbrauch und die Sorgen um die Bremsen verbieten praktisch ein Einstopprennen, was sonst wegen der kurzen Boxengasse auf dem Papier durchaus eine Alternative wäre. Doch wer mit viel Gewicht fährt, der läuft Gefahr, die Bremsen zu ruinieren. Die Bremsen sind in Montreal traditionell am Limit.

"Das Kunststück", sagt BMW-Technikchef Willy Rampf, "ist es, die Bremsen ausreichend zu kühlen. Die Geraden zwischen den Bremszonen sind zu kurz, um sie abzukühlen." Deshalb geraten die Bremsbelüftungen im Montreal-Kit größer als auf anderen Strecken. Aber doch nicht zu groß, den die Belüftungsschächte sind der natürliche Feind der Aerodynamiker. Sie stören die Strömung zum Heck. Wegen dieses Widerspruchs kommt es immer wieder zu Montreal-typischen Dramen. Michael Schumacher hätte bei seinem Sieg 2003 keine Runde länger fahren können. Die Bremsscheiben standen kurz davor, sich aufzulösen. Ein Jahr später wurden Williams und Toyota disqualifiziert. Sie wollten das Bremsproblem mit zu großen Belüftungungsschnorcheln lösen.

Der GP Kanada ist das erste Rennen 2007, bei dem die Autos mit wenig Abtrieb fahren. Nur in Monza werden die Flügel noch flacher gestellt. Auf der 1,1 Kilometer langen Geraden zwischen Haarnadel und Zielschikane geben die Piloten 15 Sekunden lang Vollgas. Die Reifenmischungen sind wie in Monte Carlo weich und extra-weich. Bei der Abstimmung der Autos läuft man immer der Strecke hinterher. "Am Anfang ist der Belag ziemlich schmutzig und daher sehr rutschig. Das bessert sich fast von Runde zu Runde", erklärt Nick Heidfeld. Da gilt es Ruhe bewahren und mit dem Set-up nicht zu hektisch zu reagieren. "Du musst die besser werdende Strecke von Anfang an mit einkalkulieren", sagt Rampf. "Wer versucht, auf den geringen Grip am Anfang zu korrigieren, gerät in den Wald. Deshalb darf man sich im ersten Training nicht nervös machen lassen. Der Grip kommt mit dem Gummi auf der Bahn."

Montreal ist so speziell wie Monte Carlo

Bei Testfahrten in Paul Ricard, wo Mitte Mai auf einer 5,2 Kilometer langen Streckenvariante der Kurs von Montreal simuliert wurde, bestätigte Ferrari mit zwei klaren Bestzeiten seine Favoritenrolle. "Montreal ist so speziell wie Monte Carlo, nur in der anderen Richtung", beruhigte sich Felipe Massa nach der Monaco-Pleite der Roten. "Auf diesem Typ Strecke sollten wir wieder vorne fahren." McLaren-Mercedes hatte bei den Paul Ricard-Tests Probleme. Die Bestzeit lag sechs Zehntel über der von Ferrari. "Wir sind beide Tage mit viel Benzin gefahren und haben bereits Gegenmaßnahmen getroffen", beruhigt Direktor Martin Whitmarsh.

In Montreal kommt es zur nächsten Runde des teaminternen Duells zwischen Fernando Alonso und Lewis Hamilton. Beide führen die WM mit je 38 Zählern an. Obwohl der Spanier als Bonus einen Sieg aus dem Vorjahr vorweisen kann, muss er Hamilton dort fürchten. Montreal ist Gift für seinen Fahrstil. Vergleichbar mit Bahrain, wo Alonso nur Fünfter wurde. Drei Plätze hinter Hamilton. Der Engländer kennt die Strecke nicht, hat sich aber auf dem McLaren-Simulator ausgiebig darauf eingeschossen.

Renault und BMW greifen an

Renault und BMW rechnen sich insgeheim Chancen aus, McLaren-Mercedes zu ärgern. Während Renault auf weitere Fortschritte beim Auto und auf Giancarlo Fisichellas Streckenkenntnis baut, ist BMW auf schnellen Strecken traditionell stark. Robert Kubica will endlich auf das Podest fahren: "Im letzten Jahr galt die Regel: Je weniger Abtrieb, umso besser für uns. Ich hoffe, das lässt sich auch für diese Saison übertragen." Red Bull kann in Montreal nicht mehr wie in Barcelona mit dem Heckflügel tricksen. Ein neuer statischer Test soll schon vorab verhindern, dass sich der Flügel bei Topspeed nach unten biegt. Bislang wurde der Flügel beim Check nur nach hinten gezogen. Ab dem GP Kanada gibt es eine Zusatzprüfung. Ein 100-Kilogewicht soll Hauptblatt und Flap nach unten drücken. Die maximal erlaubte Verformung ist auf zwei Millimeter angesetzt.

Letzte Chance

Für einige Fahrer geht es in Montreal schon ums nackte Überleben. Kimi Räikkönen braucht dringend Punkte, sonst ist der WM-Zug abgefahren und Ferrari setzt seine Jetons auf Massa. Ralf Schumacher steht bei Toyota unter Beobachtung. Auch bei Heikki Kovalainen muss der Knoten endlich aufgehen. Teamchef Flavio Briatore wird sich nicht ewig schützend vor den Finnen stellen. "Wenn das Auto besser wird, dann kommt auch von mir noch eine halbe Sekunde", verspricht Kovalainen. Das Auto ist bereits besser geworden, doch in Monte Carlo sah man nur eine Leistungssteigerung bei Teamkollege Fisichella. Bei Toro Rosso-Pilot Scott Speed haben die Auswechselgerüchte bereits geholfen. "Scott ist in Monte Carlo sein bestes Rennen für uns gefahren", lobte Teamchef Franz Tost. "Ich frage mich nur, warum das nicht immer so geht."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige