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Vorschau Sportwagen-WM (WEC) in Austin

Neustart in Texas

Porsche 919 Hybrid - LMP1 - WEC/Le Mans 2014 Foto: Porsche 26 Bilder

Nach einer lächerlich langen Sommerpause wird am Samstagabend mit dem 6h-Rennen in Austin, Texas, die zweite Saisonhälfte der Sportwagen-WM (WEC) eingeläutet. Was können die Fans vom Rennen erwarten? In der LMP1-Klasse will Porsche endlich gegen Toyota und Audi siegen, und in der GTE-Klasse kommt es in Texas ausnahmsweise sogar zum Vierkampf.

18.09.2014 Marcus Schurig Powered by

"Ich hoffe, wir erkennen uns in Austin noch wieder!" Mit dieser leicht zynischen Bemerkung verabschiedete sich Joest-Technikdirektor Ralf Jüttner nach dem Audi-Sieg in Le Mans in die dreimonatige Sommerpause, in der die Sportwagen-WM (WEC) wie in einem schwarzen Loch versank, um jetzt plötzlich und unvermittelt in Texas wieder aufzutauchen. Fehler wie zu lange Sommerpausen haben aber auch ihr Gutes: Im nächsten Jahr soll ein 6h-Rennen am Nürburgring im Juli die Pause reduzieren. Der Nachteil: Ein etabliertes WM-Rennen wird deshalb über die Klinge springen, und leider nicht die ungeliebten wie Bahrain oder China, sondern wahrscheinlich Brasilien – oder eben Texas.

Toyota gegen Audi um den WM-Titel

Das hätten die Texaner nicht verdient, denn der F1-Kurs produzierte im letzten Jahr ein gutes Sportwagenrennen, und es steht zu vermuten, dass das 2014 sogar noch besser werden könnte, denn in der LMP1-Klasse geht es für Toyota (zwei Siege in Spa und Silverstone) und Audi (Doppelsieg in Le Mans) noch um den WM-Titel. LMP1-Rückkehrer Porsche liegt zwar punktemäßig weit zurück, hat aber in den letzten drei Monaten gut 6.000 Testkilometer mit dem LMP1-919 Hybrid abgespult, um ein neues Aero-Kit mit viel Abtrieb für die fünf ausstehenden Saisonrennen zu entwickeln. Damit sollten die Chancen der Schwaben auf den ersten WM-Laufsieg nochmal kräftig steigen.

Toyota hat ja mit zwei WM-Laufsiegen und einer über zwölf Stunden währenden Führung beim 24h-Rennen in Le Mans bereits die Wettbewerbsfähigkeit des TS040 Hybrid unter Beweis gestellt. Die Experten rechnen mit einem Kopf-an-Kopf-Duell zwischen Toyota und Porsche. Doch wo steht Audi? Die Bayern konnten zwar in Le Mans siegen, hatten dort mit dem R18 e-tron quattro sogar das schnellste Auto, weil Toyota und Porsche fürs Rennen die Hybrid-Power reduzierten.

Doch tendenziell hat sich die Entscheidung von Audi, nur in der 2-MJ-Hybrid-Klasse anzutreten, als klarer Nachteil erwiesen – und so steht zu befürchten, dass Porsche und Toyota den Vorteil ihrer 6 MJ starken Hybridsysteme in Austin wieder deutlicher werden ausspielen können als zuletzt in Le Mans.

Porsche erwartet einen großen Fortschritt

Joest-Technikdirektor Ralf Jüttner sieht aber durchaus Chancen für Audi: "Die Strecke in Austin sollte unserem Auto liegen. Beim Kräfteverhältnis gab es minimale Verschiebungen: Uns steht pro Runde etwas weniger Diesel-Energie zur Verfügung, aber die Durchflussmenge, die einen Einfluss auf die Motorleistung hat, ist nun ein ganz klein wenig höher. Zugleich haben Toyota und Porsche minimal größere Betankungs-Durchflussbegrenzer bekommen. Daraus könnten sie einen leichten Vorteil bei den Boxenstopps ziehen. Ich erwarte ein sehr spannendes Rennen, bei dem wir um den Sieg kämpfen wollen."

Weil sich Porsche bisher schon als recht schnell, aber bei der Zuverlässigkeit auch als zu fragil erwies, tippen viele Insider, dass die Schwaben in der zweiten Saisonhälfte zuschlagen könnten. "Wir sind sicher, dass unser neues Aero-Paket ein großer Schritt nach vorne ist – sonst hätten wir uns dieser Mühe und diesen Kosten für nur fünf Rennen nicht unterzogen", so LMP1-Teamchef Andreas Seidl. Auch die Haltbarkeitsprobleme bei Motor und Getriebe, die in Le Mans für Verdruss sorgten, sollen gelöst sein.

Das Rennen auf der 5,513 Kilometer langen F1-Strecke in Austin führt übrigens in die Nacht: Der Start ist um 17.00 Uhr Ortszeit (00.00 Uhr MEZ), der Sonnenuntergang um 19.43 Uhr, die Zielankunft um 23.00 Uhr Ortszeit. Da für das WM-Rennen in Austin 29 Rennwagen genannt sind, dürften spannende LMP1-Positionskämpfe ebenso zum Repertoire gehören wie viele Überrundungsmanöver, zum Beispiel gegen die Rennwagen aus der Hersteller-gestützten GTE-Pro-Klasse.

Corvette C7.R am Start

Das große GT-WM-Duell der Saison 2014 heißt Ferrari gegen Porsche gegen Aston Martin – aber mit klaren Vorteilen auf der Seite von Ferrari. Die Italiener siegten in Le Mans, obwohl sie nur ein stark besetztes Fahrzeug am Start hatten. Porsche und Aston Martin konnten den Italienern bisher wenig entgegensetzen. Der Aston Martin war zwar bei den ersten drei Saisonrennen brandschnell, aber nicht in der Lage, die entsprechenden Rennergebnisse einzufahren, was auch damit zusammenhängt, dass die Werkswagen fahrerisch nicht mehr so gut und einheitlich besetzt sind wie noch im vergangenen Jahr.

Bei Porsche haderte man gleich zu Saisonbeginn mit einer Neueinstufung nach dem ersten WM-Laufsieg in Silverstone, als man 25 Kilo Zusatzgewicht verpasst bekam. "Das hat uns wirklich viel Performance gekostet", so Teamchef Olaf Manthey. Auch bei Porsches Hauptproblem, der hecklastigen Gewichtsverteilung und dem damit höheren Reifenverschleiß, hat das Zusatzgewicht natürlich nicht geholfen. Das wird auch wieder ein Thema in Austin, denn dort erwarten die GT-Teams Außentemperaturen von deutlich über 30 Grad – ein klarer Nachteil für Porsche.

Erstmals startet in diesem Jahr auch Corvette neben dem Lauf in Le Mans bei einem zweiten WM-Rennen. Das Werksteam Pratt&Miller setzt in Austin eine Corvette C7.R ein, die sich in der amerikanischen Langstreckenserie United SportsCar Championship (USC) als äußerst wettbewerbsfähig erwiesen hat und auch beim 24h-Rennen in Le Mans ganz realistische Siegchancen hatte. Damit wird das GT-Duell in Austin ausnahmsweise wieder zum Vierkampf. Ein Porsche-Werksfahrer bemerkte: "Noch ein Gegner mehr, den wir bei diesen Außentemperaturen nur schwer werden schlagen können."

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