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Vorschau Sportwagen-WM (WEC) in Fuji

Die doppelte Wiedergutmachung

Sportwagen-WM, Fuji, Safety Car Foto: John Brooks 12 Bilder

Die Sportwagen-WM ist in der Königsklasse LMP1 weiterhin hart umkämpft: in der Fahrerwertung führt Toyota, in der Herstellermeisterschaft hat Audi die Nase vorne. Toyota sinnt nach den Niederlagen in Le Mans und Austin auf Wiedergutmachung. Und mit dem Wettergott hat die Sportwagen-WM in Fuji so und so noch eine Rechnung offen.

09.10.2014 Marcus Schurig Powered by

Es war eine der unrühmlichsten Vorstellungen in der Geschichte des Sportwagen-Sports: Nach nicht mal 16 Runden hinter dem Safety-Car und mehreren Unterbrechungen endete der Sportwagen-WM-Lauf in Fuji im letzten Jahr mit einem Desaster. Durch eine laxe Formulierung im Reglement wurde ein Rennen gewertet, bei dem keine einzige Runde unter Grün absolviert wurde – die Welt lachte über die Sportwagen-WM. Ein pazifischer Wirbelsturm (Taifun) hatte mit hartnäckigem Dauerregen ein echtes Rennen verhindert. Zurück blieben tausende enttäuschter Fans, die stundenlang auf eine Fortsetzung des Rennens gehofft hatten.

Sportwagen-WM (WEC) im Regenpech

Die Sportwagen-WM hat also 2015 in Japan etwas gutzumachen. Wer sich andererseits die bisherigen WM-Rennen anschaut, muss festhalten, dass auch in diesem Jahr der Regen eine überproportional große Rolle spielte. Beim WEC-Saisonstart in Silverstone musste das Rennen wegen eines starken Schauers abgebrochen werden, in Spa war das Qualifying ein einziger Regenpoker, in Le Mans zerhackten zwei Wolkenbrüche das erste Renndrittel und auch beim vierten WM-Lauf in Austin sorgte der Wettergott mit sintflutartigem Regen für eine einstündige Rennunterbrechung. Und im Oktober ist natürlich wieder Taifun-Zeit in Japan...

Nicht nur das Wetter sollte sich bessern, auch Toyota in der LMP1-Klasse. Die Japaner hatten die ersten beiden Läufe der WEC ganz easy gewonnen, in Le Mans dominierten sie, fielen aber in Führung liegend aus. Nach der großen Sommerpause machte das LMP1-Werksteam von Toyota da weiter, wo man zuvor in Le Mans aufgehört hatte: Audi und Porsche wurden im Zeittraining gedemütigt, im Rennen fuhr Toyota allen um die Ohren – bis der große Schauer kam und das Rennen so komplett auf den Kopf gestellt wurde.

Toyota der große Favorit

Alles andere als ein Sieg für Toyota in Fuji wäre bei regulären Bedingungen eine absolute Überraschung, wie noch einmal ein Blick zurück nach Austin belegt. In den ersten 40 Runden war Sebastien Buemi im Toyota im Mittel seiner zehn schnellsten Rennrunden 1,4 Sekunden schneller als der zweitschnellste Pilot im Feld, Andre Lotterer im Audi. In den letzten 60 Runden, also nach dem Regenschauer, war wieder Toyota schneller als Porsche und Audi, im Mittel gut um eine halbe Sekunde pro Runde.

Was noch für Toyota spricht: Die Japaner haben die bessere Reichweite, konnten in Austin eine Runde länger fahren als Audi. Rechnet man den Verbrauch des Toyota-V8 auf Fuji um, so müssten die Japaner 35 Runden mit einer Tankfüllung schaffen – und damit mit sechs Stopps über die Renndistanz kommen. Zwar hat Audi einen Vorteil beim Reifenverschleiß, doch ob das ausreicht, um den wahrscheinlich nötigen zusätzlichen Splash&Dash-Stopp gegen Rennende zu kompensieren, ist mehr als unwahrscheinlich.

Ach ja: und Porsche? Die Schwaben haben in der Sommerpause der WEC über 6.000 Kilometer getestet, ein neues Aero-Paket mit viel Abtrieb entwickelt – enttäuschten dann in Austin aber auf der ganzen Linie. Man konnte im Rennen weder die Pace von Toyota noch von Audi mitgehen, und Timo Bernhard aquaplanierte bei einsetzendem Regen den Porsche 919 Hybrid gleich zwei Mal neben die Strecke.

Immerhin waren die Boxenstopps schnell und bei der Reichweite war man auf Augenhöhe mit Toyota. Dank einer cleveren Reifenstrategie brachte man ein Auto nach der Rennunterbrechung sogar wieder in Front – doch trat neuerlich ein Zuverlässigkeitsproblem mit dem Turbomotor auf, der Ladedruck klappte zusammen, der fast sichere zweite Platz ging flöten.

Porsche spielt keine Rolle in der Titelvergabe

In der Sportwagen-WM spielen die Schwaben eh keine Rolle mehr: In der Fahrerwertung führen Sebastien Buemi, Anthony Davidson und Nicolas Lapierre (der Franzose wird aus privaten Gründen übrigens nicht in Fuji am Start stehen) mit elf Punkten Vorsprung auf das Audi-Trio Andre Lotterer, Marcel Fässler und Benoit Tréluyer. In der Hersteller-WM liegt Toyota jedoch 18 Punkte hinter Audi.

In der GT-Klasse läuft auch in Fuji wieder alles auf ein Duell Ferrari gegen Aston Martin hinaus. Porsche hat seit Silverstone nichts mehr gerissen, damals bekamen die 911 RSR nach dem Sieg beim ersten WEC-Lauf 25 Kilo Zusatzgewicht aufgebrummt. Dazu kommen auch immer wieder Probleme mit der Zuverlässigkeit: in Austin kostete ein defekter Anlasser den zweiten Platz. Aston Martin dominierte in den USA auch dank einer höchst freundlichen Einstufung durch ACO und FIA.

Nur Ferrari kann halbwegs mit den Briten mithalten, erstens weil sie in Le Mans dank fehlerloser Fahrt siegten, zweitens weil das AF Corse-Team in diesem Jahr bei Strategie und Boxenstopps bisher absolut perfekt agierte. In Fuji sollte abermals Aston Martin im Vorteil sein. "Wir müssen in Japan auf Regen hoffen", sagte Porsche-Teamchef Olaf Manthey in Austin. Ohne Regen wird es nichts werden – und immerhin gibt es eine klitzekleine Chance: der Super-Taifun Vongfong soll am Wochenende aufs Festland treffen. Ob das jedoch Porsche hilft, ist fraglich: Wenn der Taifun so stark ist wie prognostiziert, wird das Rennen vermutlich abermals gecancelt werden müssen.

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