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VW-Abend Genf 2012

Ein Käfig voller Karren

VW Konzernabend Markus Stier Genf 2012 Foto: Markus Stier 15 Bilder

VW lädt am Tag vor der Eröffnung des Autosalons in Genf zum "Konzernabend". Der Multi-Konzern aus Wolfsburg protzt mit zehn "Weltpremieren", noch bevor die Messe überhaupt begonnen hat.

06.03.2012

Das inoffizielle Motto könnte "Die Welt ist nicht genug und wir legen noch einen drauf" gelautet haben. Konzernsprecher Stephan Grühsem begrüßt stolz 1.300 Journalisten und Gäste aus 44 Ländern, die sich anscheinend samt und sonders eine halbe Stunde lang im Foyer des Betonbaus neben dem Hotel Sécheron am Genfer See zusammendrücken. Dass viele den Einlass kaum abwarten konnten lag sicher auch daran, dass die meisten den ganzen Tag über nichts gegessen haben.

"Wir können noch mehr" - Offen fahren bis 349 km/h zum Beispiel

Außer mit Häppchen füttert der VW-Konzern die Besucher zunächst mit Zahlen: Man fertige für die elf Marken auf fünf Kontinenten an 94 Standorten mit einer halben Million Mitarbeiter für 150 Absatzmärkte 240 Modelle. Deren 8,3 Millionen hat man im Vorjahr verkauft, eine Million mehr als 2010, und obwohl die Luft nun dünner wird verkündet Konzernchef Martin Winterkorn zuversichtlich: "Wir können noch mehr".

VW Konzernabend Autosalon Genf 2012 5:13 Min.

Das offizielle Motto des Abends lautete dann aber "Passion and Commitment", was soviel wie Leidenschaft und Engagement bedeutet. Voller Hingabe präsentiert Bugatti-Chef Wolfgang Dürheimer den Grand Sport Vitesse, den schnellsten Roadster aller Zeiten. 410 km/h Topspeed sind aber eher von akademischer Natur, das offene Fahren ist laut Dürheimer bis Tempo 349 erträglich.

Kein Italiener kauft Lambo Aventador J

Lamborghini kontert mit dem flachsten Lambo aller Zeiten, der kupierte Aventador J ist allerdings ein Einzelstück, für das der Kunde 2,1 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer berappt. Die Identität des Betreffenden wird allerdings nicht verraten, nur so viel sei gesagt: Es ist kein Italiener.

Definitiv Italiener ist Giorgetto Giugiaro, und mit Konzern-Chefdesigner Walter de’Silva rollt er mit dem nächsten Superlativ in die Halle. Der Brivido ist ein flaches Geschoss vom Typ Supersportwagen, unter seinen Flügeltüren können aber gleich vier Passagiere einsteigen. "So tief habe ich in einem Viersitzer noch nie gesessen", sagt de’Silva.

Brot und Butter neben Luxuswaffen

Um das Einerlei der flachen Flundern zu brechen, kommt der hochbeinige Amarok Canyon in die Halle gefahren und etwas später auch der Bentley EXP9F, ein SUV mit Andockplattform für Beiboote im Heck und integrierten Picknick-Koffern im Kofferraum.
 
Neben all diesen Luxuswaffen wirken das Cross Coupé oder ein Audi A3 schon wie ein Brot- und Butter-Auto, vielleicht darf sich der neue Kompakte aus Ingolstadt deshalb schon ganz am Anfang präsentieren. Zwischendurch rollen auch der Skoda Citigo auf die Bühne. Marken-Chef Winfried Vahland verkauft den Minivan der Weltpresse als typischen Zweitwagen und begrüßt die Gäste demnach auch konsequent mit: "Meine sehr geehrten Damen."

"Die Legende ist zurück" - Ronaldinho? Zorro?

Abgesehen von der Gattin von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech ist auch ihr Mann mitgekommen, eine elegante afrikanische Dame setzt sich in den neuen Boxster, weil ihr turmhoher Kopfschmuck in kein geschlossenes Auto passen würde, und vielleicht auch, weil ihr Begleiter Jacky Ickx seine letzten Le-Mans-Siege für die Zuffenhausener holte.
Ickx wird bei er Auflistung der Prominenten nicht aufgeführt,  wohl aber Uli Hoeness, der laut Grühsem auch noch den halben FC Bayern mitgebracht hat. Falls dessen Star-Kicker wirklich da waren, werden sie die Ohren gespitzt haben, als die beleuchtete Rückwand der Sechzig-Meter-Halle sich plötzlich blutrot färbt und auf den zwei Mega-Flachbildschirmen der Satz "Die Legende kehrt zurück" erscheint.
 
Wie jetzt: Ronaldinho zurück zu Barca? Oder noch doller: Maradona wieder zu Neapel? Moment, ich hab’s gleich: Zorro reitet wieder, stimmt’s? Alles falsch. Hinein rollt ein unscheinbares, rotes Wägelchen mit vier Rädern, vier Türen und Kofferraum, das als Vorausblick für einen neuen Seat Toledo dienen soll.

Boxster mit Sauce - Kunst oder ...

"Das war eine Reise durch die Volkswagenwelt", spricht Martin Winterkorn zum Schluss und lädt das Volk ein, sich unter die zehn Autos zu mischen. Was denn, kein Showteil? Keine sich abseilenden Akrobaten, mandeläugige Geigerinnen, nicht mal ein Wasserfall? Mitnichten. VW will nicht nur alle Leidenschaft, sondern auch alle Ressourcen in die Entwicklung des Konzerns stecken. 2013 ist als Jahr der Elektromilität ausersehen. Bis 2015 sollen die C02-Emissionen um 30 Prozent gesenkt werden, bis 2016 werden 76,4 Milliarden Euro investiert.
 
Da hatten die Journalisten aber was zu schlucken. Zwischen den Exponaten werden am Schluss Häppchen serviert, die Bandbreite reicht von Austern, über Currywurst bis zu Stör in roter Beete. Damit geht ein bisschen was schief, und so prangt plötzlich die rote Sauce wie Blut an der Schnauze des Boxster. Am Ende doch ein Showteil? Eine Kunstperformance - wie raffiniert. Kurz danach hat ein eifriger Mitarbeiter die Chose abgewischt. Oh je, wenn das der Künstler krumm nimmt. Nicht, dass von den schönen Milliarden nun ein Teil für Schadenersatzklagen draufgeht.

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