Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

VW-Affäre

Hartz gesteht

Foto: dpa

Zum Auftakt des ersten Prozesses um Korruption und Lustreisen beim VW-Konzern hat der frühere Personalvorstand Peter Hartz ein Geständnis abgelegt und steuert damit möglicherweise auf eine Bewährungsstrafe zu.

18.01.2007

Hartz gab vor dem Landgericht Braunschweig zu, dem früheren Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert und dessen Geliebter hohe Summen zugeschanzt zu haben. Vor möglichem Missbrauch habe er die Augen verschlossen. Der einstige Topmanager und geistige Vater der umstrittenen Arbeitsmarktreformen wirkte in dem Strafprozess angespannt. Mit einem Urteil in dem auf zwei Verhandlungstage angesetzten Verfahren wird am Donnerstag kommender Woche gerechnet.

Einer möglichen "Urteilsabsprache" zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung zufolge würde Hartz maximal zu einer zweijährigen Strafe auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen verurteilt. Voraussetzung sei ein "glaubhaftes Geständnis" von Hartz vor Gericht, sagte die Vorsitzende Richterin Gerstin Dreyer vor der Aussage.

Für den Prozess sind bisher weder Zeugen noch Sachverständige geladen. Dreyer sagte, gegen Hartz sprächen zwar die hohen Summen, um die es gehe. Für ihn spreche dagegen, dass er nicht vorbestraft sei, bei der Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft geständig war und sich nicht persönlich bereichert habe. Die Anklage wirft dem 65-jährigen Hartz in der VW-Affäre Untreue in 44 Fällen und unrechtmäßige Begünstigung von Betriebsräten vor. Er soll Volkert zehn Jahre lang insgesamt fast zwei Millionen Euro Sonderbonuszahlungen zugeschanzt haben. Hartz ließ vor dem Landgericht über seinen Anwalt Egon Müller aussagen, er habe Volkert begünstigt. Er sei "Initiator" von Missbrauch gewesen, sagte Hartz, der im Sommer 2005 vom Posten des Arbeitsdirektors bei Europas größtem Autohersteller zurückgetreten war. Auf Grund der wichtigen Rolle Volkerts bei Volkswagen habe er angeordnet, diesen "großzügig" zu behandeln.

"Hartz schaute weg"

Heute bedaure er sein Fehlverhalten und übernehme dafür die strafrechtliche Verantwortung. "Hartz schaute weg", sagte Anwalt Müller. "Eine Kontrolle fand nicht statt." Hartz habe das gute Verhältnis zu Volkert nicht belasten wollen. Hartz hatte bereits in der Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft gestanden. Gegen Volkert wird in der Affäre ebenfalls ermittelt. Insgesamt gab es ursprünglich 14 Beschuldigte. Volkerts Geliebte, die Brasilianerin Adriana Barros, soll über einen Vertrag mit VW hohe Summen ohne Gegenleistung bekommen haben, und zwar von 2000 bis 2004 insgesamt rund 400.000 Euro. Weitere rund 200.000 Euro seien für Privatreisen, Hotelaufenthalte und teure Einkäufe von VW als dienstliche Auslagen erstattet worden.

Zum "Beiprogramm" gehörten Zeugenaussagen zufolge auch Prostituierte. Dies sei über den früheren VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer abgerechnet worden. Hartz soll dabei angeordnet haben, dass solche Dinge nicht kontrolliert wurden. Auch gegen Gebauer wird in der VW-Affäre ermittelt. Hartz verteidigte grundsätzlich das umstrittene Mitbestimmungsmodell bei dem Wolfsburger Autobauer. Vorstand und Betriebsrat mit Volkert an der Spitze hätten im "Schulterschluss" zum Wohle des Unternehmens agiert, ließ Hartz über seinen Anwalt erklären. Als Beispiel nannte er die Einführung der Vier-Tage-Woche 1993, mit der die Entlassung von tausenden Beschäftigten verhindert wurde.

Er habe sich aber im Laufe der Zeit "falsch orientiert" und "verstrickt", indem er Volkert ohne Abstimmung mit dem übrigen Vorstand begünstigt habe. Dies sei ein "strafbares Verhalten" gewesen, sagte Müller. Im Nachhinein sei es ein Fehler gewesen, dass Kontrollmechanismen gefehlt hätten. Volkert, auf dessen Empfehlung Hartz 1993 Arbeitsdirektor bei VW wurde, sagte in einer von Richtern verlesenen Zeugenvernehmung, er das Bestreben gehabt, finanziell auf "Augenhöhe" mit den Vorstandsmitgliedern zu kommen. Er habe dafür nicht kämpfen müssen. Hartz hatte ausgesagt, Volkert habe ihn dazu gedrängt, ihm mehr Geld zu zahlen.

Der frühere Skoda-Personalchef und vorige Leiter des Zentralen Personalwesens bei VW, Helmuth Schuster, sagte in einer verlesenen Zeugenvernehmung aus, Hartz habe Volkert in seiner "Schlüsselposition" stärken wollen und ihm daher "Privilegien" eingeräumt. Diese seien nicht kontrolliert worden. Der damalige Vorstandschef Ferdinand Piëch habe Hartz "freie Hand" gelassen, sagte Hartz-Anwalt Müller. Damit belastete Hartz Piëch nicht. Der heutige VW-Aufsichtsratschef hat eine Verwicklung in die Affäre stets bestritten.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Autokredit berechnen
Anzeige