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VW-Affäre

Piëch gerät unter Druck

Foto: dpa

Update ++ Paukenschlag in der VW-Affäre: Zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Skandals um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten gerät nun die zentrale Figur bei Volkswagen, der mächtige Aufsichtsratsboss Ferdinand Piëch, gehörig unter Druck.

26.11.2007

Es war eine kleine "Bombe", die die Staatsanwaltschaft am Montag (26.11.) im Prozess gegen Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert und den früheren Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer platzen ließ: Nach neuen Erkenntnissen könnte der frühere VW-Vorstandschef Piëch doch von den Unregelmäßigkeiten bei VW gewusst haben.

Volkswagen wies die neuen Vorwürfe umgehend zurück und will eine Anzeige wegen Verleumdung und Rufschädigung prüfen. Das Braunschweiger Landgericht will zur Klärung drei weitere Zeugen aus dem Umfeld Piëchs hören. "Die Dinge kommen ins Galoppieren", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Drei weitere Zeugen vor Gericht

Nach Darstellung eines unbekannten Informanten könnte der ehemalige VW-Finanzvorstand Bruno Adelt laut Staatsanwaltschaft den damaligen VW-Vorstandschef Piëch auf die ominöse Kostenstelle "1860" angesprochen haben - wegen der "Belastungen" dieses Sonderkontos. Darüber rechnete Gebauer die Lustreisen von Betriebsräten auf Firmenkosten ab - ohne jede Kontrolle.

Piëch soll daraufhin den damaligen Leiter seines Sekretariats, den heutigen Audi-Chef Rupert Stadler, damit beauftragt haben, die Kostenstelle zu überprüfen. Es sei zwar nicht bekannt, wie das Ergebnis ausgefallen sei, sagte Tacke. Es sei allerdings "lebensnah", wenn Piëch über ein Ergebnis der Überprüfung informiert worden wäre. Damit wäre der damalige Vorstandschef über das Sonderkonto informiert gewesen. Um dies zu klären, sollen nun sowohl Adelt, Stadler und auch der Ex-VW-Finanzmanager Rutbert Reisch vor Gericht gehört werden. Piëch war von 1993 bis 2002 VW-Vorstandschef.

Sollte sich der Hinweis des unbekannten Informanten bewahrheiten, könnte dem 70 Jahre alten "Autokönig" und Porsche-Miteigentümer Piëch sogar ein Ermittlungsverfahren drohen. Dies könnte VW auch heute noch mächtig durcheinanderwirbeln - da Großaktionär Porsche kurz vor der Mehrheitsübernahme in Wolfsburg steht. 2007 war für den Enkel des Autopioniers Ferdinand Porsche ein Jahr der Macht und der Triumphe. Wie sich die Geschicke des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden fortsetzen werden, dürfte nun auch von den Aussagen der neuen Zeugen abhängen.

Volkswagen betonte am Montag: "Die Behauptung, dass bei Volkswagen zwischen den Jahren 1997 und 2002 eine Untersuchung der Kostenstelle 1860 des Herren Dr. Hartz stattgefunden habe und dadurch Kenntnis über die Veruntreuungen der Herren Volkert und Gebauer bestand, ist falsch." Richtig sei vielmehr, dass es keine solche Überprüfung gegeben hat, weil es dafür keine Anhaltspunkte gegeben hätte. "Der Konzern und sein damaliger Vorstandsvorsitzender hatten insofern keinerlei Kenntnis von den Veruntreuungen."

Piëch habe ihm freie Hand gelassen

Die zentrale Frage aber bleibt für viele: Hat an oberster Stelle Piëch den einflussreichen Volkert und andere Betriebsräte "gekauft", um sie bei Laune zu halten und sich die Zustimmung zu wichtigen Projekten zu sichern? Volkert sagte am Montag aus, mit den Sonderzahlungen durch Hartz seien seine Entscheidungen nicht beeinflusst worden. Er habe nie das Gefühl gehabt, jemand wolle ihn beeinflussen. Ex-Personalvorstand Peter Hartz hatte im ersten Prozess der VW-Affäre im Januar ausgesagt, Piëch habe ihm bei der Behandlung Volkerts "freie Hand" gelassen.

Der Kernvorwurf gegen Volkert (65) lautet: Er soll Hartz dazu angestiftet haben, ihm Sonderboni in Höhe von insgesamt fast zwei Millionen Euro zu zahlen. Volkert weist diesen Vorwurf der Anstiftung zur Untreue strikt zurück. Gebauer (63), der im Auftrag von Hartz die Lustreisen organisiert hatte, ist wegen Untreue angeklagt.

In dem Prozess sind bisher insgesamt neun Verhandlungstage angesetzt, das Urteil soll am 24. Januar gesprochen werden. Mit größter Spannung wird nun neben den Aussagen der neuen Zeugen besonders ein Zeugenauftritt erwartet: Am 9. Januar soll nach der bisherigen Planung Piëch gehört werden - er könnte die Aussage aber auch verweigern, um sich nicht selbst zu belasten.

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