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VW

Bernhard droht mit Golf-Abzug

Foto: Achim Hartmann

VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard hat im Streit um die Verlängerung der Arbeitszeit in den westdeutschen VW-Werken jetzt offen damit gedroht, die künftige Golf-Produktion aus Wolfsburg abzuziehen. Unter den derzeitigen Bedingungen sei der Golf dort nicht wirtschaftlich zu bauen, sagte er im "Handelsblatt" (Mittwochausgabe).

14.06.2006

Arbeitsdirektor Horst Neumann fügte hinzu: "Dies ist kein Scheingefecht, die Lage ist ernst." Zudem bestätigte er konkret, dass etwa 20.000 Stellen über Altersteilzeit und Aufhebungsverträge bei VW entfallen sollen.

Während der Vorstand in Wolfsburg und den anderen westdeutschen VW-Werken ohne Lohnausgleich von 28,8 zu 35 Wochenstunden zurückkehren will, sollen bei VW Nutzfahrzeuge rund 9.000 der insgesamt 15.000 Beschäftigten kürzer arbeiten. Hintergrund der vorübergehenden Reduktion von 37,5 auf 30 Stunden sei eine andere Verteilung der Arbeit, da der Nachfolger des Transporters LT, der Crafter, bei Daimler-Chrysler gefertigt wird, bestätigte ein Sprecher einen Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Zwar will der Sportwagenbauer Porsche die Rohkarossen für das geplante viertürige Modell "Panamera" in Hannover bauen lassen. Das beginnt aber erst 2009.

Ein Sprecher der IG Metall sagte, das Beispiel der VW-Tochter Nutzfahrzeuge belege, dass die Wiedereinführung der 35-Stunden-Woche als Problemlöser nicht tauge. Vielmehr werfe sie nur neue Probleme auf, nämlich die Frage, wohin mit dem Personal. An diesem Donnerstag wird sich die Belegschaft zu dem jüngsten Vorstoß des Managements zu Wort melden. Auf einer Betriebsversammlung für die Marke VW in Wolfsburg werden heftige Diskussionen erwartet. Am Nachmittag gehen zudem die Verhandlungen für die 3.800 Beschäftigten bei Auto 5000 weiter. Dazu hat die Gewerkschaft Warnstreiks angekündigt.

Bernhard und Neumann bekräftigten im "Handelsblatt" die aus ihrer Sicht unabwendbare Forderung nach Lohnsenkungen. Erstmals verlangten sie ausdrücklich "längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn".

Bernhard rechnet vor

"In den Traditionswerken von VW liegen die Lohnkosten bei 55 Euro, bei der deutschen Konkurrenz bei bis zu 40 Euro, in Mittel- und Osteuropa bei fünf bis zehn Euro." Und fügte hinzu: "Wie sollen wir überleben, wenn selbst bei einem Luxuswagenhersteller wie Bentley die Stunde nur 25 Euro kostet?"

Neumann betonte, das Management setze auf die Einsicht der Belegschaft, "weil wir sonst einen schwierigen Weg vor uns haben, an dessen Ende auch die Kündigung des Tarifvertrags stehen könnte." Der Tarifvertrag von 2004 schützt die rund 100.000 VW-Werker in Westdeutschland vor betriebsbedingten Kündigungen. Er steht aber unter der Voraussetzung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und kann auch gekündigt werden.

Neumann will einheitlichen Haustarif

Der Arbeitsdirektor trat zugleich für einheitliche Tarifbedingungen in den VW-Werken ein. Bisher gebe es einen "Flickenteppich" von unterschiedlichen Arbeitszeiten und Entlohnungen. Das behindere die Flexibilität, da die Beschäftigten befürchteten, sich bei einer Versetzung schlechter zu stellen.

Als Ziel nannte Neumann einen neuen einheitlichen Haustarif in Höhe der Flächentarife plus Erfolgsbeteiligung. Das wäre ungefähr das, was VW auch mit der 35-Stunden-Woche ohne Ausgleich erreichen würde - ein etwa 20 Prozent geringeres Lohnniveau als im früheren Haustarif. Die IG Metall kommentierte den "Flickenteppich" mit der Feststellung, das Unternehmen habe ja selbst immer neue Tarifbedingungen vereinbaren wollen.

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