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VW

Bernhard wirft die Flinte ins Winterkorn

Foto: dpa

Es war die heißeste Personalie seit Monaten. Am Donnerstag (11.1.) kam die Eilmeldung von VW: Markenchef Wolfgang Bernhard geht zum 31. Januar. Konzernchef Martin Winterkorn übernimt auch den VW-Markenvorstand.

11.01.2007 Frank Volk

Es war ein Machtspiel unter Männern und Wolfgang Bernhard hat die Konsequenz gezogen, nachdem jetzt die Neustrukturierung des Konzerns bekannt gegeben wurde, bei der für den ehrgeizigen Schwaben als Produktionsvorstand nur Platz in der zweiten Reihe der Konzernkönige geblieben wäre.

Das bleibt-er-geht-er-Spielchen um Bernhard war an dem Tag eröffnet, als der Aufsichtsrats am 17. November den damaligen  Audi-Chef Martin Winterkorn zum Nachfolger von Bernd Pischetsrieder ausrief.

Merkwürdige Karriere eines Hochbegabten

Der Rücktritt markiert ein weiteres Kapital in der zuletzt merkwürdig verlaufenen Karriere eines Hochbegabten: 2004 war der 46-Jährige zum neuen Mercedes-Chef berufen worden, umkränzt vom Glorienschein des Mannes, der zusammen mit Dieter Zetsche Chrysler sanierte. Aber einmalig in der Geschichte des Topmanagements: Die Erstauftritte des sich gerne markig gebenden Managers fielen nach dem Geschmack der Mercedes-Altvorderen ein paar Nummern zu großspurig aus und Bernhard vor dem ersten Arbeitstag wieder ausgeladen. Dass  sein Nachfolger Eckhard Cordes hernach zwar nicht so martialisch im Ton, aber genauso hart in der Sache vorging, sei nur am Rande erwähnt. Was von Bernhard in Stuttgart blieb, war ein Prozess um seine halbfertige Villa.

Eine Unvollendete nun also auch bei VW. Anfang 2005 hatte Bernd Pischetsrieder den Fast-Mercedes-Boss als Markenchef für VW nach Wolfsburg geholt. Das Duo Zauderer und Einpeitscher war perfekt. Selbst Skeptiker von Bernhards forschem Führungsstil waren kurz nach seinem Amtsantritt erleichtert: "Unter Pischetsrieder wurde doch nichts entschieden, alles dauerte ewig lange. Seit Bernhard da ist, werden Dinge nicht nur beschlossen, sondern auch umgesetzt", sagt ein VW-Mitarbeiter. Kaum war er da, wurde heftig spekuliert, wann er Pischetsrieder vom Thron stoßen würde. Eine Hausmacht konnte sich Bernhard in der Kürze der Zeit aber nicht aufbauen.

Herzliche Abneigung der beiden Alphatiere

Nun hat Pischetsrieder zum Jahresende seinen Rücktritt erklärt, beerben wird in Piech-Gefolgsmann Martin Winterkorn. Der bringt allerdings nicht nur seine guten Kontakte zum allgewaltigen VW-Übervater mit in die Waagschale, sondern seinen erstklassigen Job, den er bei Audi geleistet hat. Und ein Selbstbewusstsein, das er zwar anders auslebt als Bernhard, das aber keine Spur geringer ist.

So war es fast folgerichtig, dass postwendend nach der Berufung Winterkorns Spekulationen losbrachen, wie lange es Bernhard noch machen würde. Denn das Verhältnis der beiden Alphatiere ist laut Branchenkennern durch herzliche Abneigung gekennzeichnet. So gab es die vielsagende Episode im vergangenen Jahr bei der Detroit Motorshow. Damals hatte Bernhard ein dreirädriges Gefährt auf die Räder gestellt. Beim wie beim Winterkorn frühmorgendlichen Rundgang hatte sich Winterkorn in seiner bisweilen derb-deftigen Art über Bernhards Dreirad geäußert. Das so laut, dass es für die Journalisten-Entourage im Gefolge Winterkorns unüberhörbar war.

Über die persönlichen Unstimmigkeiten der beiden Auto-Alphatiere hinaus gibt es auch inhaltlich Gründe für Bernhards Abgang. Mit der nun bekannt gegebenen Umstrukturierung des Konzerns und der Neuordnung der Markenwelt in die Premiumgruppe mit Audi, Bentley, Bugatti und Lamborghini einerseits und der Volumengruppe mit VW, Skoda und Seat andererseits fällt Bernhards Rolle weg, das Winterkorn die Führung der Volumen-Marken selbst beansprucht. Bernhard müsste in die zweite Reihe zurück treten. Zu wenig für einen Karrieristen wie Bernhard.

Stellt sich die Frage, was der Allgäuer als nächstes machen wird. Die nächstliegende Variante: Er kehrt zu Daimler-Chrysler zurück. Schließlich geht es Chrysler wieder fast so mies wie zu jener Zeit, als der Dynamiker im Jahr 2000 zum amerikanischen Zweig des DC-Konzerns kam und mit dem jetzigen Konzernchef Zetsche Chrysler aus der Krise führte. Ohne Vorbehalte wäre eine Rückkehr aber nicht. Inzwischen steckt Chrysler mal wieder tief in der Krise, und nicht wenige sehen die Wurzeln der aktuellen Schwierigkeiten in der auf schnellen Erfolg ausgerichteten Sanierung des Duos Zetsche/Bernhard. Darüber hinaus werden Bernhard bereits Top-Jobs überall dort, wo es wirtschaftlich mies läuft, zuvorderst GM und Ford.

Bei beiden gäbe es durchaus Bedarf für einen gestählten Sanierer wie Bernhard einer ist. Ford-Chef Alan Mullaly hat erst jüngst erklärt, das Produktionssytem radikal umbauen zu wollen, und bei GM hat der Produktverantwortlich Auto-Veteran Bob Lutz seine Glanzzeiten ähnlich weit hinter sich wie Peter Alexander. Eins ist indes gewiss: Mit der Gitarre wie einst als Student, wird sich Bernhard nicht in die Fußgängerzone stellen.

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