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VW Bus T2 in der Service-Station

Ein Typ der überall ankommt

VW Bus T2, Torsten Knieriem, Werstatt Foto: FACT 10 Bilder

Die Beliebtheit des klassenlosen VW Bus T2 ist riesig. Viele legen sich ein Exemplar der 1967 vorgestellten zweiten Bulli-Generation nicht nur aus praktischen Gründen zu, sondern auch aus Sympathie für ein Auto, das ihre Kindheit geprägt hat. Der Name VW verspricht günstige Wartungskosten. Doch ist das wirklich der Fall?

03.04.2013 Bernd Woytal Powered by

Wer mit einem T2-Bus liebäugelt, sollte alles daran setzen, ein Exemplar mit guter Karosserie zu erwischen. Denn Bulli-Experten warnen unisono vor der hohen Rostanfälligkeit aller Karosseriepartien oder vor oft unfachmännisch erfolgten Reparaturen solcher Schäden.

Blecharbeiten teuer, Technik günstig

Der Kampf gegen den Rost erfordert bei dem VW T2 einen hohen finanziellen Aufwand. Beim Kauf ist ferner zu berücksichtigen, dass viele Bulli in einem sehr harten, den Verschleiß fördernden Alltagseinsatz waren.

Bis auf wenige Ausnahmen halten sich dagegen die Kosten für Reparaturen technischer Komponenten oder für Wartungsarbeiten in einem erfreulich kleinen Rahmen. Die Ersatzteile sind meist günstig, und die VW-Technik ist unkompliziert. Letzteres bestärkt viele darin, selbst zum Schraubenschlüssel zu greifen. "Jeder denkt, VW-Technik ist idiotensicher", gibt Torsten Knieriem, VW T2-Spezialist aus Bad Homburg, seine Erfahrung wieder. Doch wenn dann Probleme auftauchen, macht sich Ratlosigkeit breit. Denn diese Probleme entstehen meist, weil ohne Hintergrundwissen Komponenten aus den verschiedenen Bulli- oder auch Käfer-Modelljahren vermischt werden.

Viele Umstellungen im Laufe der VW T2-Produktion

"Es sieht aus, als wäre alles untereinander austauschbar", warnt Knieriem. Und ergänzt, "aber schon bei einem simplen Vergasertausch berücksichtigt keiner, dass es allein für die 50-PS-Version des VW T2 Vergaser mit 20 verschiedenen Düsenbestückungen gab." Es spricht allerdings für die Zähigkeit der Bullis, trotz laienhaft ausgeführter Reparaturen immer noch irgendwie zu laufen und sich, wenn's sein muss, hustend und keuchend bis nach Afrika zu schleppen.

Wenn dann solche, sagen wir mal, verbastelte VW T2 in die Hände von Besitzern kommen, die mangels Talent zum Schrauben für jede Reparatur in eine Werkstatt müssen, ist Ärger programmiert. Die falsch eingebauten Teile müssen erkannt und ausgetauscht werden - selbst wenn jemand nur an manchen Stellen andere Schrauben als üblich verwendet hat, bedeutet das eine Behinderung im Arbeitsablauf, was letztendlich die Kosten erhöht.

Drehzahl tut dem luftgekühlten T2-Bulli-Boxer gut

Genug, dass sich der Monteur mit zwar korrekten, aber manchmal festgerosteten Schrauben am VW T2 herumquälen muss. Ein originaler Motor, wir legen den Schwerpunkt auf die 1,6-Liter-Version, macht zunächst mal wenig Ärger, so lange regelmäßig das Öl gewechselt und das Ventilspiel kontrolliert wird. "Beides ist besonders wichtig", betont Alexander Greisberger vom VW Bus Service in Salzburg.

Für erhöhten Arbeitsaufwand sorgen schief in den Alu-Zylinderkopf eingedrehte Zündkerzen oder deutlicher Ölverlust. Die Dichtungen des luftgekühlten Boxer-Triebwerks im VW T2 leiden stark unter der thermisch hohen Belastung, und oft fördern die Fahrer die kritische Temperaturbildung auch noch, "indem sie untertourig den Berg hinauffahren statt zurückzuschalten, um den Motor und damit das kühlende Gebläserad auf Drehzahl zu bringen", sagt Greisberger.

Der Boxer ist schnell draußen - und auch wieder drin

Ob es nun um neue Gewindeeinsätze für die Zündkerzenlöcher oder ums Abdichten geht, der Motor muss dazu ausgebaut werden, was aber beim VW T2 relativ schnell möglich ist. Das Öl läuft oft an den Stößelrohrdichtungen, den Ölkühlerflanschdichtungen oder am Motorsimmerring aus. Um Montagekosten zu sparen, sollte man sich immer Gedanken um mögliche Verbundarbeiten machen, also etwa ein Ersetzen des Motorsimmerrings im Rahmen eines Kupplungswechsels.

Sollte dennoch eine Getriebe-Überholung beim VW T2 fällig sein, wird in der Regel stattdessen ein funktionsfähiges Gebrauchtaggregat eingebaut. Die Schaltung ist grundsätzlich kein Muster an Exaktheit. Sollte sie extrem hakelig agieren, muss eventuell die Führung der Schaltstange erneuert werden. Meist ist das Problem für rund 80 Euro aus der Welt zu schaffen.

Teuer wird's bei den Traggelenken des VW Bulli

Zu den teuersten Reparaturen am Fahrwerk des VW T2 zählt ein Austausch der Traggelenke. "Eine aufwendige Arbeit, weil man dazu die Vorderachse zerlegen und für die Gelenke eine Presse einsetzen muss", erläutert Greisberger. Also kein Fall für Hobbyschrauber.

An dieser Stelle sei nochmals auf das Rostproblem des VW Bulli hingewiesen, von dem auch die Vorderachse betroffen ist. Der Achskörper und besonders die unteren Bögen der Seitenschilde verdienen einen kritischen Blick. Natürlich sind auch die vier Schmiernippel der im VW T2 eingebauten Kugelgelenk-Vorderachse regelmäßig mit Fett zu versorgen. Gern wird der mittige der fünf Schmiernippel für das Lager des Lenkhebels vernachlässigt. Wird der Verschleiß zu groß, muss man bei Verwendung eines Umlenksatzes in guter Qualität mit Reparaturkosten von 200 Euro rechnen.

Hinterer Radlagerwechsel ist aufwändig und teuer

Bleiben wir bei der Lenkung. Bereitet das Lenkgetriebe einer der bis Juli 1972 gebauten T2a-Versionen Ärger, "ist das kein finanzielles Vergnügen", sagt Knieriem. Im Gegensatz zur späteren ZF-Gemmerlenkung ist Ersatz für die Rosslenkung sehr teuer. In der Regel stehen dann über 1.000 Euro auf der Rechnung.

Über die Hinterachse gibt es nichts Negatives zu berichten. Allerdings gibt es einen deutlichen Preisunterschied für den Wechsel des vorderen und hinteren Radlagers beim VW T2. Das liegt daran, dass für das hintere Lager auch die Antriebswelle demontiert werden muss.

Die Wartung ist beim VW Bulli günstig

Sind übrigens beide Antriebswellen des VW T2 zu überholen, kommt auch eine ansehnliche Summe von etwa 500 Euro zusammen. Und darin ist nicht berücksichtigt, dass sich der Monteur manchmal sehr lange mit dem Lösen rund gedrehter Inbus-Schrauben herumschlagen muss.

Dennoch, grundsätzlich muss niemand, der bei Technik-Reparaturen auf Werkstätten angewiesen ist, um seinen finanziellen Ruin bangen. Besonders bei Exemplaren in gutem Zustand sind die Wartungskosten gering. Beim VW T2a ist der Aufwand wegen der vorderen Trommelbremsen oder des Ölbadluftfilters einen Tick höher. Das Wichtigste ist laut Knieriem letzten Endes "ein Auto mit guter Karosse zu haben und eine Werkstatt, die weiß, was sie tut."

Service-Tipp VW Bus T2

Ein jährlicher Abschmierdienst in Verbindung mit Motorölwechsel und einem Kurz-Check ist beim VW T2 ratsam. Regelmäßig Zündung, Ventilspiel und Vergasereinstellung prüfen lassen.

Um ein Durchrosten der Seitenschilde der Vorderachse zu verhindern, empfiehlt es sich, immer mal wieder die Wasserablauflöcher des VW T2 freizustochern. Man kann aber auch den Achskörper, genau wie die Karosserie, versiegeln lassen, um der Rostbildung vorzubeugen.

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