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VW-Chefdesigner de Silva

"Ein Volkswagen wird auffallen"

Foto: Volkswagen 7 Bilder

Volkswagen-Designchef Walter de Silva über die neue Formensprache bei VW, den Trend zur Einfachheit und welche Rolle dabei die früheren Ikonen der Marke spielen.

14.08.2008 Bernd Ostmann

Herr de Silva, Sie haben bei Volkswagen ein neues Design entwickelt. Auf welche DNA haben Sie zurückgegriffen?
De Silva: Was wir als DNA bezeichnen, sind ganz typische Designarchitekturen, die wir in unseren Design-Ikonen finden: zum Beispiel beim Käfer, beim Bully, dem Golf I oder dem Golf IV. Für uns sind das die richtigen Elemente, die dem Fahrzeug einen Charakter und eine Persönlichkeit geben.

Aus dieser Historie haben Sie dann das neue VW-Gesicht entwickelt?
De Silva: Wir gehen zu einer waagrechten Liniencharakteristik zurück, wobei der obere Teil auch die Scheinwerfer beinhaltet. Unterhalb ist der Lufteinlass integriert. Der Stoßfänger trennt die beiden Linien. Das Markengesicht von VW besteht immer aus drei grundsätzlichen Elementen, die dann miteinander verbunden ein klares, typisches Antlitz ergeben. Dieses Gesicht entwickeln wir in einer eindeutigen Hierarchie vom Phaeton bis zum Kleinwagen New Small Family. Insgesamt wird alles durch eine klare Logik geprägt.

Sie haben drei prinzipielle Gesichter entworfen. Was war die Zielsetzung?
De Silva: Im kleinen Fahrzeug erkennt man den Up mit einer klaren Tendenz zum Smiling Face, also zur sympathischen Ausstrahlung.

Wird es dieses Smiling Face auch bei weiteren Modellen geben?
De Silva: Sicherlich werden wir diese Tendenz auch beim New Beetle sehen. Wir denken darüber hinaus an den Space Up, das Raumkonzept vom Up.

Und die Zeichnung vom Golf-Gesicht?
De Silva: Die blaue Linie ist beibehalten. Die architektonischen Grundzüge sind da, durch eine Verschiebung der Proportionen und die Zusammensetzung der Elemente entstehen Gesichter für den Golf oder den Polo, klar und typisch.

Wofür steht die dritte Skizze?
De Silva: Das sind Fahrzeuge in der B- oder C-Klasse, wie zum Beispiel der New Midsize Sedan für den amerikanischen Markt. Hier werden wir auch sehr intensiv an der ästhetischen Ausdrucksfähigkeit von Materialien arbeiten.

Heißt das, es gibt mehr Chrom?
De Silva: Ja, Chrom, Alu und glänzend lackierte Bleche in Kombination mit Chrom. Für Märkte wie Amerika oder Asien wird es mehr Individualisierung geben.

Was ist schlussendlich das Besondere am VW-Design?
De Silva: Wir werden in der Linienführung, in den Oberflächen und in der architektonischen Struktur Einfachheit kommunizieren. Es muss in direkter Beziehung zu den Kunden stehen. Einfachheit ist auch einfach zu verstehen. Die Welt entwickelt sich genau in diese Richtung. Es gibt klare Tendenzen auch in der Architektur zu einfacheren Gestaltungen und zu Klarheit. Einfachheit ist unerlässlich. Wenn es uns gelingt, so konsequent zu sein, dann sind wir einmalig in unserer Identität und in unserer Marken-Philosophie. Es gibt heute ein breites Spektrum von Fahrzeugen, die sehr stark dekoriert, die "overdesigned" sind. Die Rückkehr zur Klarheit, zur essenziellen Einfachheit - durch die sind wir einzigartig. Das ist nach unserer Überzeugung ein klarer Vorteil für unsere Marke. Wir werden dabei sehr innovativ in unserem Markenbild sein. Auch sehr prägnant und selbstbewusst: Ein Volkswagen wird auffallen.

Und dadurch wollen Sie eine Anziehungskraft auf den Kunden ausüben?
De Silva: Ja, dies gilt für die Smiling-Elemente, aber auch für eine bestimmte Kraft, die unser Design ausstrahlt. Der künftige Golf GTI beispielsweise ist nicht besonders smiling, hat aber eine sehr attraktive Form. Da gibt es viele Beispiele in der Geschichte wie den Citroën DS, den Mini, den Fiat 500 oder den Käfer. Das waren Fahrzeuge, bei denen nicht das Design im Vordergrund stand, sondern ursprünglich die Funktion. Aber die Ingenieure, die diese Autos entwickelt haben, waren in der Lage, die Emotion über Konzept und Produkt rüberzubringen. Diese Produkte waren sehr rigoros formuliert. Wir wollen zurück zu dieser Strenge, zu dieser Rigorosität, indem wir jede Art von Dekoelementen wegnehmen.

Bedeutet dies, dass Sie sich bei den Materialien einschränken, sich von bestimmten Elementen verabschieden?
De Silva: Was Materialien betrifft, sehe ich eher einen entgegengesetzten Trend. Gerade bei einem einfachen Design kann mit hochwertigen Materialien eine Zusatzwertigkeit entstehen. Niemand erwartet ein BIC-Feuerzeug in Gold. Aber mit dem durchgefärbten Kunststoff und der Form ist ein BIC-Feuerzeug ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht nur mit dem teuersten Material eine hohe Produktqualität ermöglichen kann. Ein anderes Beispiel dafür ist die Dachantenne beim Golf VI: Sie sieht aus wie lackiert. Aber das wirkt nur so, weil das Werkzeug dafür poliert ist. So ist es uns gelungen, das Aussehen des Materials hochwertiger wirken zu lassen.

Sie haben einmal gesagt, Sie machen Zeichen und nicht Design. Was wollten Sie damit ausdrücken?
De Silva: Sie wissen, ich bin Designer. Aber wenn Sie meine Autos betrachten - den Alfa Romeo 156, den Seat León, den Audi A6 oder nun VW - dann wird klar, dass ich besonders im Gesicht ein grafisches Zeichen, ein Merkmal setze: sehr klar, deutlich und sofort erkennbar. Das ist der Sinn.

Wie einfach oder schwer war dies bei den einzelnen Marken?
De Silva: Bei Alfa war es einfach, zu den Ursprüngen zurückzugehen. Bei Audi war es eine Intuition, den Kühlergrill aus der Vergangenheit als moderne Ikone wieder aufleben zu lassen. Jetzt bei Volkswagen ist es diese waagrechte Form ohne Unterbrechung mit dem Kühlergrill, den Scheinwerfern und dem Logo. Dadurch entsteht eine klare Identität, eine einzigartige Persönlichkeit.

Sie haben den Golf I und den Golf IV als Ikonen bezeichnet. Warum?
De Silva: Giorgetto Giugiaro hat eine Architektur geschaffen, die absolut innovativ war. Er hat die Robustheit, die Solidität und die Präzision darstellen können, die typisch deutsch ist. Und der Golf I wurde ein Bestseller.

Und der Golf IV?
De Silva: Hartmut Warkuß ist ein Design gelungen, dessen Linien und Oberflächen perfekt waren. Wir haben den Golf IV damals mit Bewunderung betrachtet, weil er eine fast perfekte Skulptur ist, ein kompaktes formales Gebilde ohne Unterbrechungen. Das Auto ist logisch. Ich spüre die Emotion für diese Klarheit. Damit will ich nicht die anderen Entwürfe kritisieren. Dies waren alles Entwürfe mit einem großen Markterfolg. Aber sie hatten nicht diese Präzision und Qualität in der Verarbeitung. Die Übergänge in den Linien und Karosserieformen waren nicht ganz so exakt wie beim Golf IV.

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