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VW-Deal

Börse straft Porsche

Foto: Porsche

Update ++ An der Börse dauerte es nur ein paar Minuten, bis die Händler ihr Urteil über den spektakulären Einstieg von Porsche bei Volkswagen gefällt hatten. Die Aktie der Stuttgarter Sportwagenschmiede brach am Montag (26.9.) in der Spitze um über 11 Prozent ein und erholte sich bis zum frühen Nachmittag nur leicht auf 617,50
Euro.

26.09.2005

Führende Bankhäuser stuften ihre Anlageempfehlungen herab und zweifelten zunächst an den von Porsche genannten strategischen Vorzügen der Partnerschaft.

Umgekehrt lobten Marktexperten die Perspektive für Volkswagen. Europas größter Autokonzern könne nun in Ruhe die Sanierung fortsetzen und sei für Finanzinvestoren aus dem Ausland keine attraktive Beute mehr. Nach einem Minus von zunächst 3,3 Prozent legte das Papier wieder zu und notierte am frühen Nachmittag mit rund einem Prozent Plus bei 52,40 Euro.

Kritisiert wurde vor allem, dass Porsche mit drei Milliarden Euro für den Deal fast alle Rücklagen auf einen Schlag aufbrauchen wird. Für die Aktionäre sei damit mittelfristig der Traum einer Sonderdividende oder eines Aktienrückkaufprogramms ausgeträumt. Die Deutsche Bank brachte dies besonders drastisch auf den Punkt: "Das Bargeld können Sie sich abschminken!" Er frage sich, ob Produktpartnerschaften mit VW den Einsatz von drei Milliarden Euro rechtfertigten, sagte Christian Breitsprecher, Auto-Analyst des größten deutschen Kreditinstituts.

Auch die HypoVereinsbank meinte, der Kapitaleinsatz für Porsche sei hoch, die Enttäuschung für die Vorzugsaktionäre groß. "Viele Anleger werden kritisieren, warum das Management eine Investition mit einer Rendite von zwei Prozent einer Ausschüttung oder aber weiteren Fahrzeugprojekten vorzieht", sagte HVB-Analyst Georg Stürzer. Langfristig könne sich die Investition für Porsche aber noch auszahlen. Das bislang in Eigenregie für 2009 geplante Sportcoupé Panamera werde nun vielleicht doch noch im Verbund mit VW und damit für Porsche deutlich billiger produziert.

So wird sich der Frust bei den Porsche-Aktionären wohl in Grenzen halten. Diese haben in der Vergangenheit hervorragend mit der Aktie verdient. Allein in den zurückliegenden fünf Jahren hat sich der Kurs etwa verdreifacht. Der Konzern hat gerade im 11. Jahr in Folge einen Rekordgewinn erzielt und kontinuierlich die Ausschüttung erhöht - im Geschäftsjahr 2003/04 betrug die Dividende je Vorzugsaktie 4,00 Euro.

Mancher Aktionär wird sich aber daran gewöhnen müssen, dass Porsche neben dem als Heiligtum gepflegten Sportwagengeschäft künftig als größter VW-Anteilseigner indirekt auch Mitverantwortung für das schwierige Massengeschäft übernimmt. Auch für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking selbst beginnt eine neue Zeitrechnung: Es wird erwartet, dass der ehrgeizige Topmanager bald in den VW-Aufsichtsrat einziehen wird. Und ist der viertgrößte Autokonzern der Welt erst einmal saniert, könnte den 53-Jährigen womöglich auch der Chefsessel im VW-Vorstand reizen.

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