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VW-Designchef Walter de Silva

"Volkswagen ist eine sympathische Marke“

Walter de Silva, Portrait, Schreibtisch Foto: Hans-Dieter Seufert 12 Bilder

Volkswagen-Konzerndesignchef Walter de Silva über sympathische Modelle, den Umgang mit der E-Mobilität und aktuelle Trends im Design.

05.10.2011 Bernd Ostmann
Ihre Konkurrenten gehen bei neuen Elektroautos ganz eigene Wege. Sie bleiben bei den E-Versionen, etwa vom Up, beim ursprünglichen Design. Warum?

de Silva: Unser E-Up wird sich in einigen Elementen zwar unterscheiden, aber er signalisiert ganz klar, dass er ein Mitglied der Up-Familie ist.

Aber die Öffentlichkeit ist doch sehr stark auf das Umweltthema fokussiert - und will Veränderungen auch sehen.

de Silva: Der einzige Grund, um die Form zu verändern, wäre die Aerodynamik. Wie bei unserem Ein-Liter-Auto. Da hat die Aerodynamik die Form bestimmt. Aber unser Up zeichnet sich nicht nur durch ein pfiffiges Design aus, er bietet auch ein Höchstmaß an Funktionalität. Der Kunde braucht bei der E-Version auf nichts zu verzichten. Es mag ja sein, dass andere Wettbewerber hier einem Markttrend folgen, die E-Fahrzeuge stärker zu differenzieren.

Muss das Design nicht auch solche Markttrends aufnehmen?

de Silva: Die Mode braucht jedes Jahr eine starke Revolution. Die Geschwindigkeit der Veränderung ist unglaublich. Aber gutes Design muss nicht nur die Zukunft vorwegnehmen, sondern auch nachhaltig sein und darf keinesfalls modisch wirken. Wenn man um jeden Preis der Geschwindigkeit von Trends folgt, dann läuft man Gefahr, ein Auto zu designen, das man nach einem Jahr vergessen kann und das schnell altert. Wir haben eine Verantwortung. Die E-Mobilität ist zwar etwas spezifisch, aber sie wird unsere Design-Kriterien nicht ändern.

Gilt das auch für den Innenraum?

de Silva: Beim Innenraum ist das etwas anders. Er muss nicht nur hoch funktionell sein, sondern auch die wichtigsten Informationen - sei es Ladezustand der Batterie, Reichweite oder Navigation - nicht nur auf einen Blick liefern, sondern auch im iPod-Zeitalter auf gefällige Form präsentieren. Im Handy- und Computer-Zeitalter besteht die Herausforderung für die Automobil-Industrie darin, so schnell zu sein, dass man mit der Entwicklungsgeschwindigkeit der Infotainment-Systeme mithalten kann.

Was wird sich also verändern?

de Silva: Man braucht im Armaturenbrett die Basisinformation. Und dann brauchen wir viel Platz für Entertainment - und viele Ablagen. Speziell für die junge Generation, die benutzen das Auto wie ein kleines Haus. Für meinen zwölfjährigen Sohn ist ein Touchscreen Standard. Wir starten gerade mit einem neuen Fahrzeug-Konzept, bei dem wir das Design vom Interieur her beginnen.

Mit der E-Mobilität verändern sich auch die Komponenten. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

de Silva: Wenn wir zusammen mit unseren Zulieferern die Komponenten verkleinern können, dann bekommen wir mehr Platz im Innenraum, mehr Flexibilität. Mit kleinen E-Motoren, kleineren Kühlsystemen und Heizungen wird sich auch das Äußere verändern. Die Autos werden kompakter.

Ihr Chef, Martin Winterkorn, versprach: 2011 wird das emotionale Jahr bei Volkswagen. Was meinte er damit?

de Silva: Das ist Teil einer klaren Strategie. Als wir nach Wolfsburg kamen, war das Design bei VW nicht so klar. Der Anfang war schwierig, den Autos fehlte Persönlichkeit. Wir machten zuerst die Basisarbeit - mit Passat, Golf, Polo, Touareg, Touran und Tiguan. Die basieren auf einer soliden Design-Philosophie. Bei Konzepten wie dem Beetle, dem Bulli oder dem Up ist es etwas anderes. 2011 ist das Jahr der besonders emotionalen Produkte. Das Feedback auf den Beetle ist sehr positiv. Das Auto ist, was das Design betrifft, jetzt viel näher am Original. Und der Up folgt derselben Linie, mit seinem großen Emblem, den runden Lampen und dem lächelnden Gesicht. VW ist nicht nur eine rationale, deutsche Marke. VW ist sympathisch.

Ist der Up auch ein luxuriöses Auto?

de Silva: Ich glaube, ja. Als Einstiegsauto bekommt man ein Modell mit hoher Qualität und gutem Design. Der Up ist kein typisches Styling-Auto, der Up geht mehr in Richtung Produktdesign. Er hat wenige Linien, anders als einige Autos in dieser Klasse. Wir sind anders als die anderen, sind einfach und präzise. Wir brauchen keine vordergründige Dynamik oder Aufgeregtheit. Wir brauchen aber etwas, das näher am Lifestyle der Kunden ist. Unsere Intention: sehr praktisch und pragmatisch sein. Aber an der Front und am Heck haben wir keine Styling-Gags, sondern sympathische Elemente - damit man mit diesem Auto eine Art freundliche Begegnung hat. Dieses Auto ist einzigartig. Ich bin sehr stolz auf das Ergebnis.

Stand der Fiat 500 Pate für dieses Projekt?

de Silva: Was das Armaturenbrett, die Farbkombinationen, die Räder und die Spiegel betrifft, da gibt es viele Individualisierungsmöglichkeiten. Ich möchte aber nicht sagen, dass der Up mit dem Fiat 500 oder dem Mini konkurrieren soll. Das ist eher die Rolle des Beetle. Aber der Up kann von seinen Qualitäten und den vielen Möglichkeiten durchaus im Premiumsegment eine Rolle spielen. In Frankfurt auf der IAA werden wir einige Ideen zeigen: zum Beispiel den E-Up, der für uns sehr wichtig ist, sowie einige weitere Überraschungen. Dieses Auto ist auch für Lifestyle-orientierte Kunden gedacht.

Hat sich mit den emotionaleren Produkten Ihre Design-Philosophie geändert?

de Silva: Wir haben bei allen Marken eine klare Design-Philosophie. Wir wollen bei VW das horizontale Gesicht, die klaren Linien, die präzisen Oberf lächen und Details beibehalten. Aber wir möchten die Unterschiede in den einzelnen Kategorien stärker herausarbeiten. Und in dieser Familie gibt es jetzt die besonders sympathischen Autos: den Beetle, den Bulli, das Golf Cabrio und den Up. Nehmen Sie den Beetle. Nur eine weitere Marke hat ein Gesicht wie dieses: Porsche. Der Vater ist derselbe. Ich bin stolz, dass wir diesen genetischen Code zwischen Beetle und 911 haben. Und ich habe gesagt, wir brauchen auch Details, an denen man es erkennt. Deshalb sind die Instrumente beim 911 und beim Beetle ähnlich aufgebaut.

Wie viele Gesichter haben Sie nun bei VW?

de Silva: Mit Up, Beetle und Bulli haben wir insgesamt drei Gesichter. Dazu kommen die SUV. Da wollen wir, dass die Front etwas präsenter ist, vielleicht sogar etwas dominanter. VW ist beim Design eine spannende Marke. Wir haben viele Typologien.

Gilt das auch für Audi?

de Silva: Viele sagen, die Audi-Modelle weisen ähnliche Design-Merkmale auf. Aber man kann bei jedem Modell auf den ersten Blick erkennen, dass es ein Audi ist. An zweiter Stelle kommt das Modell. Das ist wie mit Luxusuhren. Auf den ersten Blick muss man eine Rolex erkennen, auf den zweiten das Modell. Unsere Kunden sind sehr zufrieden mit dem Audi-Design. Vor sieben, acht Jahren starteten wir mit dem Single-Frame-Grill. Der Mercedes-Stern ist 125 Jahre alt. Und die BMW-Niere, wie alt ist die? Geben Sie uns Zeit, das Thema zu konsolidieren. Ein Erfolgsmodell muss man nicht ändern, braucht es nur weiter zu entwickeln. Ein Journalist stellte mir die Frage: Jetzt kommt der Golf VII, was ist neu? Meine Antwort war: Es ist ein Golf.

Die Frage ist, welches Audi-Modell erkenne ich im Rückspiegel?

de Silva: Bei Audi gibt es drei klar fokussierte Gesichter für Limousinen, Sportwagen und SUV. Die Limousinen werden weiter entwickelt.

Ist der neue A8 zu nahe am Vorgänger?

de Silva: Er ist klassisch. Der Audi-Kunde möchte eine Kombination aus innovativem Design und innovativer Technik. Die nächste Generation wird da einen Sprung machen.

Warum gibt es bei Audi Probleme mit dem A1?

de Silva: Die Verkaufszahlen für den A1 liegen über Plan. Und die Familie des A1 ist noch nicht komplett. Mit einer fünftürigen Variante erhöht man beispielsweise die Funktionalität. Dies ist wichtig - auch bei einem Zweitwagen. Audi steigt neu in das Kleinwagen-Segment ein und muss sich jeden Kunden erobern.

War es falsch, den A1 gegen den Mini zu positionieren?

de Silva: Das kann man so nicht sagen, der A1 ist eindeutig auch für Lifestyle-Kunden gedacht, die vielleicht sonst den Wettbewerber aus München in Erwägung gezogen hätten. Wir sehen allerdings den Mini auch als Wettbewerber zum Beetle - beide Konkurrenten haben eine langjährige Historie.

Ist der Beetle ein Mini-Killer?

de Silva: Mit seiner Position, seinem Preis und seinem Design ist er ein starker Konkurrent. Und er ist ein liebenswerter Konkurrent.

Was ist aus den Plänen für einen kleinen VW-Sportwagen geworden?

de Silva: Da ist noch nichts entschieden, das hängt von der Situation im Markt ab. Ich persönlich bin sicher, das Auto könnte ein ganz großer Erfolg werden.

Welche Aufgaben übernimmt der bisherige Seat-Designer Luc Donckerwolke nun bei Ihnen?

de Silva: Unser Aufgaben sind gewachsen. Wir haben nun de facto Porsche, Italdesign und Nutzfahrzeuge an Bord. Wir sprechen mittlerweile über 1.250 Leute, die im Design arbeiten. Ich arbeite momentan an 150 bis 160 Modellen. Luc übernimmt das Advanced Design. Er arbeitet an künftigen Konzepten, beispielsweise am neuen Polo. Und er arbeitet nach unseren Prinzipien: Erst kommen Architektur und Proportion, dann das Design. Ohne gute Proportion gibt es kein gutes Design.

Gibt es Marken, die für Sie Maßstäbe setzen?

de Silva: Ich finde das Aston Martin-Design gut. Und ich sehe eine sehr starke Entwicklung bei Kia. Und ich bin interessiert, was mit BMW nach Chris Bangle passiert.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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