VW: Erstes Werk in Russland

Volkswagen hat nach langer Verzögerung den Vertrag über sein erstes Werk in Russland unterzeichnet. Die Fertigungsanlage in der Stadt Kaluga südwestlich von Moskau soll bis zu 115.000 Autos im Jahr produzieren.

Das wären etwa fünf Prozent des für 2010 erwarteten Neuwagenabsatzes (2,2 Mio Stück) auf dem boomenden russischen Markt. Die Investitionen sollen sich insgesamt auf 370 Millionen Euro belaufen, davon 270 Millionen für die Montagefabrik, teilte das russische Wirtschaftsministerium am Montag (29.5.) mit.

"Ich freue mich, dass ein so großer und angesehener Konzern wie Volkswagen nach Russland kommt", sagte Präsident Wladimir Putin dem VW-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder im Kreml. Zuvor hatten Pischetsrieder und Skoda-Chef Detlef Wittig mit Wirtschaftsminister German Gref die Verträge unterzeichnet. In Kaluga soll von der zweiten Jahreshälfte 2007 an als erstes Fahrzeug der Skoda Octavia aus Teilen montiert werden.

Auch der US-Autobauer General Motors schloss am Montag in Moskau den Vertrag über ein eigenes russisches Werk, dessen Standort indes nicht genannt wurde. "Wegen der langen Entscheidungsfindung bei VW haben Konkurrenten Marktanteile errungen, die wir zurückgewinnen wollen", sagte Pischetsrieder zum späten Start von Volkswagen in Russland. "Der russische Markt wird für VW von entscheidender Bedeutung sein", betonte er. VW wolle in Russland den gleichen Anteil von etwa 20 Prozent der Autoproduktion wie in Westeuropa erringen.

Pischetsrieder kündigte einen weiterentwickelten Kleinwagen speziell für Russland ab 2009 an. Andere Massenhersteller wie Ford, Renault, KIA oder Daewoo sind seit Jahren mit Fertigungswerken in Russland oder anderen Ex-Sowjetrepubliken vertreten. Gemäß neuen russischen Regeln vom März brauche VW nur 3,0 statt 12,5 Prozent Zoll auf importierte Autoteile zu zahlen, sagte der Skoda-Chef Wittig. Dafür müsse der Autobauer den Anteil russischer Bauteile in den kommenden Jahren auf 30 Prozent erhöhen. Nach 270 Millionen Euro für die erste Fertigungsanlage sollen weitere 100 Millionen in den Aufbau einer Vollfertigung mit Karosseriebau, Lackiererei und Montage investiert werden, die ihren Betrieb in der ersten Jahreshälfte 2009 aufnehmen soll.

Die Entscheidung, nach Russland zu gehen, sei dem VW-Aufsichtsrat angesichts der Überkapazitäten in Westeuropa nicht leicht gefallen, sagte Pischetsrieder. Insgesamt hatte Volkswagen etwa 70 Standorte im europäischen Teil Russlands für eine Ansiedlung untersucht. Die Stadt Kaluga mit alteingesessener Industrie und Forschung liegt rund 160 Kilometer südwestlich von Moskau und hat 330.000 Einwohner.

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dpa

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