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VW Golf GTI-Treffen

Der schleichende Boykott

GTI-Treffen Wörthersee 2012 Foto: Markus Stier 44 Bilder

Gemächlich bummeln Tausende GTI-Fans schon seit Ende April zwischen Faaker See und Wörthersee über die Landstraßen. Erst wenn am 13. Mai das offizielle GTI-Treffen beginnt, suchen sie hektisch das Weite.


08.05.2015 Markus Stier

Die Frage der Woche lautet: Kommt Piëch, oder kommt er nicht? Einerseits ist der große Patriarch des VW-Konzerns frisch entmachteter Aufsichtsratschef, andererseits ist er ebenso Föderer und Schirmherr des GTI-Treffens und seit der 34. Auflage im Vorjahr Ehrenbürger von Reifnitz. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er kommt, nach allem was passiert ist“, sagt Carlos Correia. Aber der Ludwigsburger, der wie so oft mit einem aufwendig getunten Touran nach Kärtnen gereist ist, ist sich sicher: "Irgendwer von der Konzernspitze wird schon auftauchen.“ Es beschäftigt ihn nicht wirklich, denn die noch wichtigere Frage ist: Wer kommt sonst noch? Carlos ist zum 20. Mal am Wörthersee, ein Urgestein des GTI-Treffens, nur dass er dort nicht mehr hingeht. Zu viel trinkwütiges Partyvolk. "Da kommen auf jeden GTI-Fahrer locker vier reine Partybesucher", sagt Markus, der mit Freundin aus Oberösterreich gekommen ist.

Schon vor zwei Jahren sprach sich beim regulären GTI-Treffen in Reifnitz herum, dass sich die Kenner schon ein oder zwei Wochenenden vorher versammeln, um in Ruhe ihre technischen Kunstwerke zu betrachten. Seitdem hat das Vortreffen enormen Zulauf. "Ich mag diese gechillte Atmosphäre hier. Du triffst nette Leute und unterhältst dich gut", sagt Carlos. Ein Besucher aus Dresden, der früher beruflich für den VW-Konzern zum Treffen fuhr, ist nun privat da: "Ist das nicht toll? Die kommen aus Finnland und sogar Russland angefahren. Und alle verstehen sich gut, weil sie die gleiche Leidenschaft teilen."

Einige Gäste kennen das offizielle Treffen nur vom Hörensagen, andere waren 2014 in Reifnitz und unzufrieden: "Da war doch ab neun Uhr abends tote Hose", sagt eine junge Frau aus Linz. Ausgerechnet die angeblich so krawallige GTI-Gemeinde lässt es mittlerweile lieber ruhig angehen. Viele machen Familienurlaub samt Nachwuchs in Velden, Reifnitz oder am Faaker See.

Echte GTI-Fans meiden GTI-Treffen

Es begann dieses Mal schon Ende April. Seitdem verstopfen täglich Hunderte von tiefen und breiten Boliden den Corso von Velden, während der Rest der Gemeinde schon rechts und links in Eiscafes und Pizzerien sitzt und fachsimpelt. "Wer soll denn am 13. Mai noch nach Reifnitz kommen. Es sind doch schon alle da“" sagt Carlos.

In den Gemeinden Velden, Pörtschach und Maria Wörth ist man hin- und hergerissen. Einerseits bringen vier Wochen GTI-Gäste deutlich mehr Umsatz. Schon jetzt haben die Gastronomen auch in den kleinsten Dörfern an den Landstraßen die Zelte aufgebaut und Bierbänke rausgestellt. Andererseits nerven die täglichen Staus und das Motorengebrüll bis nach Mitternacht die Anwohner. Zudem haben die Golfer im Rest des Landes keinen allzu guten Ruf. Vor einer Woche wurden von Unbekannten sogar schon Nägel auf die Straße geworfen.

Hoteliersfrau Christine Sintschnig vom Tennis- und Yacht-Hotel in Velden wähnt die lokale Regenbogenpresse als Wurzel des Übels: "Die berichten ständig über Temposünden oder Parkschäden." Sie selbst ist mehr als glücklich über die immer früher und zahlreicher auftauchenden Besucher: "Ich habe in diesem Jahr schon in der letzten April-Woche aufgemacht und war von Anfang an voll gebucht. "Manche machen in den paar Wochen drei Viertel des Umsatzes einer ganzen Saison", ist sich GTI-Fahrer Markus sicher.

Olaf ist mit seinem tiefen T2-Bus aus dem Schweizer Kanton Glarus zum Faaker See gereist, wo ein Campingplatzbetreiber kostenlos seinen großen Parkplatz zur Verfügung stellt. Der Elektromonteur bleibt eine Woche in Kärnten, fährt aber vor dem regulären Treffen wieder heim. "Ich habe nur begrenzt Urlaub", sagt er Schulter zuckend. Eine weitere Woche will er lieber für den August freihalten, wenn sich die Luftgekühlten im belgischen Spa versammeln. Für die Organisatoren in Reifnitz tut es ihm leid: "Es ist schade. Es geht kaputt", sagt er.

GTI-Treffen ohne Edel-GTI

Die Gemeinde ist zwiegespalten. Einerseits schätzt sie den großen Rückhalt durch den Konzern, der aus der einst anarchischen Zusammenrottung eine Hochglanzveranstaltung mit Messepavillons, Models und eigens für die Fans entwickelten Design-Studien gemacht hat. Andererseits fühlen sich die strengen Golf-Gläubigen von den Markenauftritten an den Rand gedrängt und ein aus dem Computerspiel zu Karbon und Stahl gewordener GTI Roadster lässt die eigene Golf-Kreation selbst mit Flügeltüren alt aussehen.

Schon 2014 waren die Reihen der aufwändigen GTI-Umbauten stark gelichtet. Zu wenig Platz neben den Verkaufsbuden für T-Shirts und Aufkleber. Zu viele Schlachtenbummler, die nie einen Golf besaßen und mit einem gemieteten Ford Transit mit sechs Kisten Bier angereist sind. "Ab nachmittags um drei sind wir weg. Da fliegen hier schon die Flaschen tief", sagte der stolze Besitzer eines Golf-3-Cabrios mit hochklassigem Leder-Interieur.

Der Veranstalter hat Reformen versprochen: Weniger Kirmes, mehr GTI. Der Rummelplatz hinter dem Skoda-Pavillon soll in diesem Jahr einem Teilemarkt weichen. Carlos glaubt nicht an den Erfolg. Er ist sich sicher: "Das wird ganz bitter für die."

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