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VW Golf I LX - Restaurierung

Golf-Job - ein Euro und acht Jahre

VW Golf I LX Foto: Hardy Mutschler 16 Bilder

Für nur einen Euro kaufte Sebastian Olbert aus Magdeburg einen VW Golf I und verwandelte die schon zum Verschrotten freigegebene Kompaktlimousine in ein Schmuckstück. Die Prozedur erstreckte sich über acht Jahre.

15.03.2011 Bernd Woytal Powered by

Ein überzeugter Golf I-Fan und ein Mann der Praxis, so könnte man Sebastian Olbert beschreiben. Mutig kehrte der Magdeburger ein Jahr vor dem Abi dem Gymnasium den Rücken. Nicht, weil seine Leistungen zu wünschen übrig ließen, sondern weil er die Zusage für eine Ausbildungsstelle zum Kfz-Mechaniker von einem VW-Autohaus in Königslutter bekam. "Diesen Schritt habe ich bis heute nicht bereut", betont Olbert, der lieber handwerklich tätig sein wollte, als zur Schule zu gehen und später zu studieren.

Die Ausgangsbasis gab's für einen Euro

Nachdem er die Lehre angetreten hatte, suchte er etwas zum Basteln. Da kam der 83er VW Golf LX gerade recht, der auf dem Hof einer freien Kfz-Werkstatt auf sein Ende in der Schrottpresse wartete. Die Werkstatt gehörte einem Bekannten von Olberts Vaters, der sich gern von dem Wagen trennte. Der Kaufpreis: ein Euro. Ein Traumauto konnte man dafür nicht erwarten. Der Motor lief zwar noch, aber schon bei den ersten Demontagearbeiten erwies sich der weiße LX als heftig korrosionsgeschädigt, was in den Innenraum eingedrungenes Wasser intensiv verstärkt hatte. Platz zum Arbeiten fand Olbert im elterlichen Fuhrunternehmen, in das er mittlerweile eingestiegen ist.

Die poröse Reserveradwanne des VW Golf I, die durchgerosteten Radläufe und Radhäuser, marode Schweller, Kotflügel, Abschlussbleche und vieles mehr stellten für den Azubi eine große Herausforderung dar, die er im Anfangsstadium seiner Lehrzeit glücklicherweise nicht annahm. "Ich hätte zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich mehr ruiniert als repariert", gesteht Olbert. Daher suchte er sich fachmännische Unterstützung. Er fand sie in einem Karosseriebauer im Bekanntenkreis, der in seiner Freizeit das eine oder andere Blech einschweißte.

Hälfte des Lehrlingsgehalts für Ersatzteile

Sehr viel später, die Restaurierung des VW Golf I LX zog sich über acht Jahre hin, konnte dann auch Olbert sein Können beweisen. Irgendwann steckte schon so viel Arbeit in dem Wagen, dass er sich für eine perfekte Restaurierung entschied und den Golf bis auf die letzte Schraube zerlegte. Dabei traten weitere Rostschäden zutage - so musste er zum Beispiel einen neuen Windlauf einschweißen. Die gerichtete Karosse schaffte er dann zum Lackierer.

Damit keine so hohen Kosten auf Olbert zukamen, wollte dieser den Wagen nebenbei machen, wenn gerade im Betrieb wenig los war. Doch wie das so ist, die Zeit verging, und es passierte zunächst nichts. "Anfangs habe ich immer mal wieder angerufen, später war ich dann mit meinem zweiten Auto beschäftigt, einem VW Passat Carat", erinnert sich Olbert. Sein Projekt VW Golf I verlor er dennoch nicht aus den Augen. Ihm war klar, dass er sich die benötigten Neuteile nicht auf einen Schlag leisten konnte. So legte er jeden Monat die Hälfte seines Lehrlingsgehalts in Ersatzteilen an, die er bei seinem Arbeitgeber kaufte. "Ich war sozusagen der ideale Mitarbeiter", scherzt Olbert.

Die Ersatzteilbeschaffung für seinen VW Golf I im Vorfeld sollte sich als großes Glück erweisen. Denn so ergatterte Olbert etliche Teile, die später nicht mehr verfügbar waren. Grundsätzlich startete er seine Teilenachfragen zunächst bei Volkswagen, danach beim VW Classic Parts Center und erst dann auf dem freien Markt. Manchmal musste er sich auch mit Gebrauchtem begnügen, wie im Fall der linken Tür oder der Heckklappe. Auch Kollegen steuerten Teile bei wie etwa die Motorhaube oder das fehlende originale Radio Braunschweig, das er von seinem Ausbildungsmeister bekam.

Langsam machte sich Perfektionismus breit

Generell erwiesen sich die Kollegen als gute Ratgeber bei Problemen. Denen blieb Olberts VW Golf I-Projekt natürlich nicht verborgen, weil er etliche Arbeiten nach Feierabend in der Firma erledigte, mit ausdrücklicher Erlaubnis des Chefs. So zerlegte er an seiner Arbeitsstätte beispielsweise den Motor, der sich als noch gut in Schuss befindliches Austauschaggregat erwies. Die Maschine wurde komplett neu abgedichtet und viele Anbauteile erneuert oder aufgearbeitet, das heißt: sandgestrahlt und pulverbeschichtet.

Nach einem Jahr kam die VW Golf I-Karosserie endlich vom Lackierer zurück - der faire Preis entschädigte für die lange Wartezeit. Jetzt ging es ans Zusammenbauen, die einzige nennenswerte Panne geschah bei der Montage der linken Tür. Beim Öffnen erwies sich die Türbremse als sehr schwergängig, und prompt riss die Aufnahme an der A-Säule. "Da musste ich erst mal das Auto eine Woche in die Ecke stellen", ärgert sich Olbert noch heute.

Dann schnitt er vom Fußraum aus eine Öffnung in die Seitenwand, um von hier aus mit Schweißpunkten das abgerissene Teil wieder befestigen zu können. Die Reparatur gelang ohne größere Lackschäden. Zum Glück, denn mittlerweile machte sich bei Olbert Perfektionismus breit. Er montierte an seinem VW Golf I nur akkurat aufgearbeitete oder neue Teile wie im Fall der Kraftstoff- und Bremsanlage oder dem Fahrwerk.

Um den VW Golf I LX zu verschönern, gönnte sich Olbert auch einige zusätzliche Accessoires wie die GTI-Verbreiterungen oder Ausstellfenster in den vorderen Türen. Für die Flanken wünschte er sich den aus Punkten bestehenden Zierstreifen des in Österreich angebotenen Modells Rabbit LX. Den gab es natürlich nicht zu kaufen. Nur mit einem Prospekt als Vorlage fertigte ein befreundeter Grafiker ihn in tagelanger Arbeit nach - ein Meisterwerk, genau wie das ganze Auto.

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