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VW Golf VI

Auf in die Zukunft

Foto: Schulte-Nextline 2 Bilder

Das VW-Volumenmodell Golf spült längst nicht so viel Geld in die Kassen wie geplant. Das muss sich mit der Neuauflage ab 2008 durch günstigere Produktion und gesteigerten Absatz ändern.

14.03.2006

Er wird nicht viel größer. Er wird auch nicht viel schwerer. Aber er wird viel schöner: Der neue Golf des Jahrgangs 2008 markiert auch in der Serie endlich jenen Aufbruch im VW-Design, den gut bezahlte Bedenkenträger im eigenen Haus jahrelang verhindert haben. Das Ergebnis: Ein biederer, unglücklich proportionierter Golf V, der vor allem in seiner Anlaufphase klar hinter den Absatzerwartungen zurückblieb.

Doch das war und ist nicht das einzige Problem des deutschen Bestsellers: Die Produktionskosten des technisch aufwendigen Konzepts mit Mehrlenker-Hinterachse erwiesen sich als zu hoch. Rund 50 Stunden dauert es heute, bis ein Golf am Band komplett montiert ist, in weniger als der Hälfte der Zeit schafft es die Konkurrenz. VW verdient also zu wenig mit dem Auto, das allein 2004 rund 900 Millionen Euro weniger in die Kasse gespült haben soll als ursprünglich erwartet.

Für die Neuauflage bedeutet das: Technisch bleibt fast alles beim Alten. Chassis und Plattform werden nur verfeinert, aber nicht erneuert. Auch in seinen Dimensionen verändert sich das rund 4,20 Meter lange Auto kaum. Aber in der Produktion wird gespart: Zehn Prozent Optimierung fordert VW-Markenchef Wolfgang Bernhard pro Jahr und erreicht sie zum Beispiel durch eine weniger aufwendige Montage der Türinnenverkleidungen und eine geringere Anzahl von Schrauben und Verbindungsteilen.

Dass der Golf trotzdem wie neu aussieht, ist vielen optischen Kunstgriffen zu verdanken: Er macht Schluss mit riesigen Blechteilen, die sich flach wie die norddeutsche Tiefebene über das Autos ziehen. Auch bei VW besinnt man sich höherer Werkzeugkunst, dreht und wölbt nun konvexe und konkave Formen, die dem Auto mehr optische Präsenz auf der Straße verschaffen sollen.

Die Scheinwerfer rücken näher an den Kühlergrill, der sich künftig mehr in die Breite zieht und dreidimensional herausgearbeitet wird. Über die Motorhaube laufen nun zwei Sicken bis hinunter in die Schürze, wo sie von beiden Seiten
die Kühllufteinlässe umfassen. Auffällig ist die neue Wölbung in der Seitenlinie, die über dem Bügelgriff sitzt. Vom Passat stammt die neue Motorhaubenmimik mit weiter in die Kotflügel hineingezogener Trennfuge.

Für mehr Eleganz im Auftritt sorgen LED-Blinker in den Seitenspiegeln, eine je nach Ausstattungsvariante markante Chromumrandung der Seitenscheiben und vor allem größere Räder, die nun bündig mit der Karosserie abschließen und das Auto satt auf der Straße stehen lassen.

Der Golf baut nach wie vor vergleichsweise hoch – nur sieht man es ihm nicht mehr so an. Beim Zweitürer sorgt die ansteigende Seitenfensterlinie für mehr Dynamik. Aber auch das etwas flacher abfallende Dach und die stärkere Neigung der Heckscheibe vermitteln mehr Coupé-Anmutung. Dazu passen die Rückleuchten in LED-Technik, die nicht mehr so hoch sind, dafür aber mehr in die Breite gezogen werden.

Hochwertiges Interieur - starke Motoren

Ein neuer Wind weht auch im Innenraum mit komplett neuem Infotainment-System. Die klobige Mittelkonsole soll einer eleganteren Lösung weichen, und die Materialien wirken trotz des Sparkurses moderner und hochwertiger als bislang. Das Platzangebot bleibt unverändert, dafür wird aber das Karosserieprogramm geändert: Über dem sportlich zugepfeilten Zweitürer rangiert künftig nur noch der Golf Plus mit höherem Dach und verbesserter Kopffreiheit im Innenraum. Der konventionelle Viertürer soll dagegen entfallen.
Modernste Technik kennzeichnet das Motorenprogramm: Den neuen TSI mit Turbo-Kompressor-Aufladung – bisher nur mit 170 PS – gibt es dann auch mit 150 PS. Die Dieselmotoren werden im Laufe des nächsten Golf-Modellzyklus von Pumpe-Düse- auf Common-Rail-Technik umgestellt und in einem Leistungsspektrum von 100 bis 170 PS angeboten. Spitzenmodell auf der Benzinerseite ist der 3,6-Liter-VR6 mit 280 PS, der in den USA im Passat bereits im Handel ist und in Deutschland neu im Touareg angeboten wird.

Auch jenseits des Atlantik soll Schwung in das Geschäft mit der Kompaktklasse kommen, da sich die Stufenheckvariante Jetta dort mit der aufwendigen Mehrlenker-Hinterachse als zu teuer erweist und im Absatz deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Deshalb wird VW in der auch in Amerika immer attraktiveren Kompaktklasse künftig ein spezielles US-Auto anbieten – optisch in Form eines kleinen Jetta-Ablegers, technisch aber vereinfacht mit der alten Golf IV-Verbundlenkerachse.

Die hat sich in der Vergangenheit millionenfach bewährt und wird deshalb in den nächsten Jahren eine regelrechte Renaissance erleben. VW spart pro Auto etwa 500 Euro Produktionskosten und kann dem Kunden darüber hinaus noch einen größeren Kofferraum bieten, weil diese Konstruktion kompakter baut. Dem Charme dieser einfachen Lösung kann sich auch die Premiumtochter Audi nicht entziehen. Sie will den A2-Nachfolger im Stil des Shooting Brake mit Allradantrieb auf diese Plattform stellen.

Fieberhaft gesucht wird dagegen nach einer Basis für den Roadster, der in Form der Studie Concept R gezeigt wurde. Er passt weder auf die Golf IV- noch V-Plattform, weil die Entwickler von einem Mittelmotorkonzept träumen. Letztes Jahr wurde deshalb mit Daimler-Chrysler über die Übernahme der Smart-Roadster-Plattform verhandelt. Nicht zuletzt der neue Großaktionär Porsche soll sich aber gegen einen kostengünstigen Boxster-Konkurrenten gewehrt haben.

Doch VW-Markenchef Bernhard gibt nicht auf. Wenn er von zehn weiteren Modellen spricht, mit denen VW in den nächsten Jahren in neue Segmente eindringen will, zählt er den Roadster mit. Zurzeit laufen deshalb Gespräche mit
Magna als möglichem Kooperationspartner. Diese Annäherung ist charakteristisch für die neue Politik im Hause VW. Um die Produktionskosten zu reduzieren, soll es keine teuren Alleingänge mehr geben. Doch das Werben um neue Partner hat nicht immer Erfolg: PSA ist im letzten Moment aus der Van-Kooperation mit dem Sharan abgesprungen. Und auch Daimler-Chrysler folgt dem Lockruf aus dem Norden nicht ganz so wie gewünscht. Aber vielleicht wird es ja doch noch eine Liebe auf den zweiten Blick.

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