VW Golf VI und Opel Astra: Platz-Reife

Die Volkssportart der Kompaktklasse heißt Golf und soll mit dem Modellwechsel im Herbst noch attraktiver werden. VW-Konkurrent Opel Astra zieht mit einem harten Trainingsprogramm nach.

Das Handikap in der deutschen Zulassungsstatistik könnte nicht besser sein, und auch nach über 30 Jahren Laufzeit zählt er nicht zu den alten, sondern zu den ganz heißen Eisen. Der VW Golf erweist seinem Namen also nach wie vor alle Ehre, und an seiner Abschlagskraft dürfte sich auch mit dem Modellwechsel im November wenig ändern. Damit der Ball im Spiel bleibt, hat sich VW bewusst dazu entschieden, den eigenen Platzregeln treu zu bleiben: Dezentes Feilen am Hüftschwung, sanftes Peeling an der Frontpartie - Golf-Spieler werden zwar immer jünger, doch die Sportart behält ihre konservativen Gesichtszüge.

Der Neue orientiert sich am Golf IV

Überraschungen müssen Clubmitglieder also nicht fürchten, im Gegenteil: Die Form orientiert sich nicht an der aktuellen Version, sondern am Golf IV, dem Typ, dem der jetzige VW-Chef Martin Winterkorn noch in seiner Funktion als Entwicklungsvorstand zum großen Wurf verhalf. Die Zeit üppiger Chromgesichter wie zuletzt bei Passat und Eos ist also abgelaufen, nur das Logo im schmal geschnittenen, dreilippigen Kühlergrill gewinnt beim Golf an Größe und Dreidimensionalität. Viel Zuwachs ist im Innenraum dagegen nicht zu verzeichnen. Da der Golf in der Länge nur minimal um drei Zentimeter auf 4,23 Meter wächst, ändert sich das Platzangebot kaum. Die Instrumententafel soll allerdings viel hochwertiger wirken und nun stärker fahrerorientiert ausgelegt sein.

Astra für 2010

Da dürfte der aktuelle Opel Astra noch weiter ins Hintertreffen geraten, weil sein Modellwechsel erst für 2010 ansteht. Dafür legt er aber in den Abmessungen um respektable zehn Zentimeter auf 4,35 Meter zu und trumpft auch in puncto Design wieder stärker auf. Im Vergleich zu VW zeigte Opel schon immer mehr Mut - ohne damit jedoch den größeren Erfolg erzielen zu können. Und so überrascht die GM-Tochter mit einem expressiven Auftritt, zu dem eine stark zugepfeilte Frontpartie, die sich bis in den Bereich des unteren Lufteinlasses fortsetzt, sowie eine starke Schulterbildung im Heckbereich gehört. So wirkt auch der Viertürer viel coupéhafter als bislang.

Doch der Erfolg in der Kompaktklasse entscheidet sich natürlich nicht allein durchs Design, auch die Technik muss stimmen. VW bleibt bei der aufwendigeren und größer bauenden Mehrlenker-Hinterachse, was Komfortvorteile bringen könnte, aber Packageeinschränkungen nach sich zieht. Der Astra bietet auch weiterhin den etwas größeren Kofferraum (rund 350 Liter, Golf: 330 Liter), weil er entgegen vieler Erwartungen die einfachere Verbundlenkerachse hinten behält.

Kampf gegen überflüssige Pfunde

Durch viel Detailarbeit und den Einsatz eines Wattgestänges soll aber die Spurstabilität erheblich verbessert worden sein. Eine enge Vernetzung mit der neuerdings für alle Modelle rein elektrischen Lenkung, dem ESP und der Motorsteuerung soll außerdem für besseren Komfort, erhöhte Dynamik und mehr Sicherheit sorgen. Klingt so, als ob sich der Golf künftig keinesfalls als sicherer Turniersieger fühlen dürfte, doch auch VW hat an seiner Platzreife gearbeitet: Wie es sich für einen Sportler gehört, soll der Golf trotz höherwertigen Materialeinsatzes im Innenraum nicht an Gewicht zulegen. Im Kampf gegen überflüssige Pfunde helfen diverse Leichtbaumaßnahmen, zu denen auch der Einsatz hochfester Stahlbleche zählt. Aluminium oder Magnesium bleiben aber für die Kompaktklasse definitiv zu teuer.

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Birgit Priemer

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