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VW im Griff von Porsche

Foto: ams

Als Porsche vor gut einem Jahr bei Europas größtem Autobauer VW einstieg, kamen aus Stuttgart noch dezente Töne: Man werde dem VW-Management nicht ins operative Geschäft hineinreden, hieß es damals. Einen Monat später machte der selbstbewusste Porsche-Chef Wendelin Wiedeking klar, wie er sich das vorstellte: "Wir werden dafür Sorge tragen, dass alle VW-Aktionäre von unserem Investment profitieren."

16.11.2006

Jetzt steht Bernd Pischetsrieder als VW-Chef vor dem Abgang und Porsche stockt den Anteil an VW weiter auf. Mittlerweile machen sogar Spekulationen die Runde, Porsche erwäge eine Komplettübernahme von VW.

Befeuert wurde dies durch eine Ankündigung vom Mittwoch, der Porsche-Vorstand wolle sich im Januar eine mögliche Kapitalerhöhung genehmigen lassen, die nach aktuellen Aktienkursen bis zu 7,7 Milliarden Euro in die Kassen des Unternehmens spülen könnte. Reine "Routinemaßnahme", hieß es dazu aus Zuffenhausen. Die VW-Aktie machte trotzdem einen Sprung nach oben. Nach dem Dementi am Donnerstag kühlte sich das Papier zwar wieder etwas ab, stand aber immer noch weit höher als am Vortag. Porsche-Kommunikationschef Anton Hunger hatte schließlich lediglich klargestellt, dass "derzeit definitiv keine Absichten" bestünden, "den Anteil von Porsche an VW auf 30 Prozent oder darüber aufzustocken."

Lohnendes Investment

Finanziell jedenfalls hat sich der Einstieg für Porsche bereits gelohnt. Der Stuttgarter Sportwagenbauer war am 25. September 2005 bei Europas größtem Autobauer eingestiegen. Am Handelstag zuvor hatte die Aktie bei 51,86 Euro geschlossen. An diesem Donnerstag stand das Papier zwischenzeitlich bei 85,92 Euro. Für seinen Anteil von 25,1 Prozent an VW hatte Porsche nach eigenen Angaben etwa 3,5 Milliarden Euro bezahlt. Ausgehend vom aktuellen Kurs läge der Wert dieses Pakets nun bei mehr als sechs Milliarden Euro. Porsche hat mittlerweile aber weiter auf 274, Prozent aufgestockt und will bis auf 29,9 Prozent gehen.

Kurzfristige Kurspflege will Analyst Marc-Rene Tonn von M.M. Warburg Porsche-Chef Wiedeking und seinem Großaktionär Ferdinand Piëch aber nicht unterstellen. "Piëch und Wiedeking verfolgen bei VW eindeutig langfristige Interessen." Dennoch hält er das Szenario einer weiteren Aufstockung des Anteils für unwahrscheinlich. "Ein Übernahmeangebot wäre angesichts des hohen Kurses unattraktiv." Außerdem reiche der bisherige Anteil aus, um bei VW den Ton anzugeben. Ab einer Beteiligung von 30 Prozent müsste Porsche den übrigen VW-Aktionären ein Pflichtangebot machen.

"Die Porsche-Familie und Wiedeking sind knallharte Rechner", sagt ein Branchenkenner. "Sie erhalten für ihre künftigen 29,9 Prozent alles, was sie sich ursprünglich vorgenommen haben: Einfluss auf die strategischen Planungen des VW-Konzerns, eine Absicherung ihres wichtigen Zulieferers VW und keine schlechte Rendite ihrer bisher eingesetzten 3,5 Milliarden Euro." Daher mache eine Erhöhung zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch wenig Sinn, ergänzt Analyst Tonn: "Die industriellen Synergien steigen nicht mit dem Anteil."

Porsche braucht künftig großen Partner

Denn so dominant die Stuttgarter sind, langfristig sind sie auf VW angewiesen. Die Entscheidung zum Einstieg entsprang dem Kalkül, dass Porsche künftig in bestimmten Bereich nicht mehr ohne einen großen Partner auskommt, wie zum Beispiel beim Hybrid-Antrieb. "Das kann Porsche nicht allein stemmen», sagt Automobilfachmann Willi Dietz vom Institut für Automobilwirtschaft (IFA) an der Fachhochschule Nürtingen. Auch der Rohbau und die Karosserie seien kapitalintensiv. Nicht umsonst setzt Porsche beim Cayenne und künftig beim Panamera, der 2009 kommen soll, auf die Mithilfe von Volkswagen. Porsche ist auch bei einer Produktion von rund 100.000 Sport- und Geländewagen nach wie vor ein Kleinserienhersteller.

Weitere Zukäufe von VW-Aktien durch Porsche hält Tonn nur in einem Fall für wahrscheinlich: "Wenn ihnen jemand ihren führenden Einfluss streitig machen wollte." So sei die Kapitalerhöhung denn auch als Warnsignal an alle potenziellen Interessenten zu verstehen, dass Porsche gegebenenfalls nachlegen kann und wird. Vorher müsste aber noch eine wichtige Hürde fallen, nämlich das VW-Gesetz. Es sieht eine Begrenzung der Stimmrechte pro Aktionär auf 20 Prozent vor. Deshalb macht sich Porsche-Chef Wiedeking seit geraumer Zeit für ein möglichst schnelles Ende des VW-Gesetzes stark. Gegen das fast 50 Jahre alte Gesetz liegt vor dem Europäischen Gerichtshof eine Klage zur Entscheidung an. Eine erste mündliche Verhandlung ist für den 12. Dezember angesetzt.

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