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VW Käfer 1200 L im Auslandseinsatz

Ein VW Käfer auf großer Fahrt

VW Käfer 1200 L Foto: Thomas Starck 19 Bilder

Mit dem VW Käfer auf großer Tour: Als Angestellter im Auswärtigen Dienst trifft man Gerhard Fuß seit 22 Jahren eigentlich nur im Ausland an, zum Beispiel in Südafrika, auf Trinidad oder in Peru - jedoch nie ohne seinen Käfer. Motor Klassik hat den Weltenbummler besucht.

13.05.2011 Michael Schröder Powered by

Ein preiswerter Kleinwagen ist der VW Käfer im Jahr 1983 schon eine Weile nicht mehr. Dennoch entscheidet sich Gerhard Fuß für ein neues Exemplar, Modell "Aubergine" mit 1,2-Liter-Maschine, 34 PS, und Metalliclackierung. Rund 3.300 Stück werden in diesem Jahr in Deutschland von dem in Mexiko gebauten Sondermodell verkauft, zum Preis von knapp 9.500 Mark. Der Käfer gilt damals schon als Auto für Enthusiasten, denn für rund 1.000 Mark weniger hätten Kunden wie Fuß bereits einen hochwertiger ausgestatten Golf kaufen können. Doch moderne Autos interessieren den Mann einfach nicht, weder damals noch heute.

Der VW Käfer kommt überall hin mit

Der Käfer-Fan trennt sich nicht einmal von seinem Fahrzeug, als er 1987 als Angestellter des Auswärtigen Amts seine erste Auslandsstation antritt und für die nächsten vier Jahr auf die Karibikinsel Trinidad zieht. Doch zuvor wird der VW von Freunden in nächtlicher Feierlaune rasch auf den Namen Wotan getauft: "Ich konnte die Jungs gerade noch davon abhalten, die Flaschen wie bei einer Schiffstaufe am Rumpf zu zerschlagen", schmunzelt Fuß. Wie man jedoch auf den Namen kam, weiß er leider nicht mehr.

Mit dem Auto erkundet der Reisefan ausführlich den kleinen Inselstaat. Das erste von drei Kindern kommt zu Welt, und Fuß lernt wie Millionen andere Väter vor ihm die nestähnliche Mulde über dem Motor als perfektes Babybett zu schätzen. "Durch das Brummen des Boxers sind die Kleinen im Laufe der Jahre bei unseren Touren immer sofort eingeschlafen", rekapituliert er. Gleichfalls erinnert sich Fuß an die erste und bisher einzige nennenswerte Panne seines Käfers. Bei einem Ausflug in den Süden Trinidads sei das Licht auf einmal immer schwächer geworden, erzählt der Beamte. "Irgendwann war dann endgültig Schluss - wir haben es gerade noch geschafft, den Wagen in eine Werkstatt zu schieben." Dort wird eine defekte Lichtmaschine als Fehlerquelle lokalisiert. Mangels passendem Ersatzteil macht sich schließlich ein Mechaniker sofort daran, die Spule neu mit Kupferdraht zu umwickeln - per Hand. Eine Arbeit, die einen ganzen Tag in Anspruch nimmt.

Käfer mit traditionellem karibischen Innenraum

Auf Trinidad beginnt Fuß alsbald, seinem Auto eine persönliche Note zu geben. Ihm gefallen die exotisch verzierten Innenräume der karibischen Busse und Taxen. Für eine Flasche Rum und umgerechnet etwa 50 Euro werden ausnahmsweise einmal bei einem privat genutztem Fahrzeug sämtliche Verkleidungsteile des Innenraums inklusive des Dachhimmels gegen einen Stoffbezug mit rötlichen Wellenmustern ausgetauscht. "Der sieht selbst nach 20 Jahren immer noch neuwertig aus", lobt Fuß die Arbeit der Kariben. Fast wäre die jedoch umsonst gewesen. Als es auf Trinidad 1990 zu einem Aufstand und Kämpfen rund um den Regierungssitz kommt, muss Fuß drei Wochen lang um seinen Käfer bangen. "Mein Auto befand sich in einem Parkhaus direkt neben dem umkämpften Parlamentsgebäude, und eigentlich war mir klar, dass ich nur noch ein Wrack vorfinden würde." Noch heute rätselt Gerhard Fuß darüber, wie es geschehen konnte, dass der VW nicht einen Kratzer abbekommen hatte.

1991 lässt sich der Käfer-Fan für vier Jahre nach Bulgarien versetzen. Auf den Straßen der Hauptstadt Sofia zählt sein Auto sofort zu den Exoten im Verkehr: "Vermutlich habe ich damals den einzigen Käfer im Land besessen", erzählt Fuß. Und scheint im Nachhinein recht froh über den Umstand zu sein, dass Autos aus westlicher Produktion Anfang der Neunziger in dem Land kaum vorhanden waren. Stichwort Diebstahl: "Wer klaut denn schon ein Auto, das in diesem Land sofort wie ein bunter Hund auffallen und sich vor Ort nicht einmal in Teilen verkaufen lassen würde?" schätzt Fuß die damalige Situation im sozialistisch regierten Bulgarien ein.

Reise nach Südafrika

Vollkommen unbehelligt tritt der VW zusammen mit seinem Besitzer und dessen inzwischen vierköpfiger Familie 1995 die Reise nach Südafrika an. Aus jener Zeit sind Gerhard Fuß vor allem die vielen Fahrten durch das südliche Afrika nachhaltig in Erinnerung geblieben. Kind Nummer drei kommt zur Welt und erlebt die Trips durch Namibia, Botswana, Lesotho und Swasiland traditionell in der Mulde über dem Motor, während sich die beiden größeren über viele tausend Pistenkilometer die hintere Sitzbank teilen. Zum Schutz der Kinder hat Fuß die Heckscheibe mit einer Sonnenblende versehen, die wie fast alle Modifikationen heute noch vorhanden ist. "Die hält den Innenraum tatsächlich ein paar Grad kühler", weiß der Reisefan aus Erfahrung.

Seit Afrika befindet sich ebenfalls nach wie vor eine Notausrüstung mit Bundeswehr- Klappspaten, Axt und Signalfackeln im Kofferraum des Käfers. Zwei volle Benzinkanister sichern bei Bedarf die Mobilität, und vier Zusatzscheinwerfer leuchten nachts die Wüste, einen Waldweg oder eine Hofeinfahrt aus. Fuß schätzt sein Auto spätestens nach der Zeit im südlichen Afrika als zuverlässiges Reisemobil. Auf der Ersatzteilliste fanden sich selbst bei längeren Fahrten abseits der Zivilisation kaum mehr Posten als eine Rolle Draht, ein paar Schrauben und ein Keilriemen. Nur ein einziges Mal nimmt der Beamte seinen Käfer nicht mit in das Land, wohin er sich Ende der 90er versetzen lässt: " In Bosnien und Herzegowina hätte ich tatsächlich Angst um mein Auto gehabt", erklärt Fuß, der in den jeweiligen Hauptstädten ohnehin lieber Bus, U-Bahn oder Fahrrad fährt und von Sarajevo aus diesmal auch keine größeren Reisen plante.

Mit dem VW Käfer zum Titicacasee

Das sieht in der nächsten Station jedoch schon wieder ganz anders aus: Gerhard Fuß zieht von 2003 bis 2007 nach Peru und scheucht seinen Käfer von Lima aus bis hinunter nach Chile in die knochentrockene Atacamawüste oder über einen 4.500 Meter hohen Andenpass, um zum Titicacasee zu gelangen. "Dort ging es teilweise nur noch in den ersten beiden Gängen voran", erinnert sich der Besitzer. Er schätzt, dass der Boxer auf Grund der sauerstoffarmen Höhenluft nur noch über maximal 15 bis 20 PS Leistung verfügte. In jener Zeit erhält der Käfer einen bleibenden Schaden, der jedoch nicht auf Fuß‘ abenteuerliche Reisetätigkeiten zurückzuführen ist, sondern auf die Unachtsamkeit eines Golfspielers in Lima. Dessen hart geschlagener Ball trifft den VW mit voller Wucht am oberen Ende der C-Säule und hinterlässt eine saftige Delle. Gerhard Fuß hat diesen Schaden nie beheben lassen, er sieht ihn vielmehr als Erinnerung an seine Zeit mit diesem Auto in Südamerika.

Ebenso unverändert belässt er den mit kleine Plastikfiguren, diversen Anhängern sowie unzähligen Aufklebern verzierten Innenraum. "Das Meiste stammt von meinen Kindern, die in diesem Wagen quasi aufgewachsen sind", erzählt Fuß, dem der Nachwuchs strikt verboten hat, den Käfer jemals zu verkaufen. Gerhard Fuß hält sich selbstverständlich daran. Soeben hat er mit dem Auto, dessen Kilometerstand rund 165.000 beträgt, für die nächsten vier Jahre eine neue Heimat bezogen: Istanbul.

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