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VW Käfer 1303 Automatic

Ein toller Käfer vom Straßenrand

VW Käfer 1303 Automatic, Baujahr 1973 Foto: Fact 28 Bilder

Ein maroder VW 1303 Automatic, am Straßenrand mit Verkaufsschild abgestellt, erweichte das Herz des Berliner Käfer-Fans Oliver Lerch. Er kaufte den heckgetriebenen Millionenseller und wagte sich mit tatkräftiger Hilfe einiger Freunde an die Restaurierung.

05.01.2010 Bernd Woytal Powered by

Manchmal haben Umwege auch etwas Gutes. Oliver Lerch zum Beispiel hatte beruflich im Bundespräsidialamt in Berlin zu tun und fuhr an diesem 2. August 2007 ausnahmsweise über die Straße des 17. Juni nach Hause. Plötzlich sah er am Fahrbahnrand eine ihm bestens vertraute Silhouette, die ihn zum Anhalten animierte.

Käfer als Traumauto der Kindheit

Ein nicht mehr ganz taufrischer VW Käfer erregte seine Aufmerksamkeit und weckte sofort Erinnerungen an jenen gelben Käfer, den seine Tante 1985 aus Postbeständen gekauft hatte. In diesem Wagen mit Posthorn auf der Tür hatte der damals siebenjährige Oliver jede Fahrt genossen und beschlossen: "Den möchte ich später einmal haben." Elf Jahre später existierte dieses Auto nicht mehr, und so legte Lerch sich als Führerscheinneuling einen gebrauchten Ford Fiesta zu. Danach folgte ein Nissan, doch nun flammte seine alte Käfer-Liebe plötzlich wieder auf.

Der an der Straße geparkte Wagen stand zum Verkauf, wie ein Zettel hinter der Scheibe verriet. Lerch verabredete sofort für den nächsten Tag eine Probefahrt. Der im Innern mit Totenköpfen geschmückte, von etlichen Roststellen und Beulen gezeichnete Käfer mit seinen schwarz grundierten Kotflügeln hinterließ zumindest technisch einen passablen Eindruck. Ein Check der unteren Partien auf einer Hebebühne verlief zufriedenstellend. Lerch kaufte den Käfer.

Maroder Käfer wird schnell zur Dauerbeziehung

"Ich wollte zunächst mal schauen, ob ich mit dem Auto klar komme", erinnert er sich. Da der Winter bevorstand, sprühte er in einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf der Straße die grundierten Kotflügel und die rostigen Stellen mit babyblauer Farbe an, um dem Käfer weitere Witterungsschäden zu ersparen. Schon nach wenigen Kilometern mit seiner Neuerwerbung war dem gebürtigen Berliner klar, dass es auf eine Dauerbeziehung hinauslaufen würde.

Nur der marode Zustand des Käferblechs bereitete ihm Sorgen - so kam er zwangsläufig auf die Idee, den Wagen zu restaurieren. Glücklicherweise konnte er dabei auf die Unterstützung diverser Freunde bauen. Im Frühjahr 2008 begann er zusammen mit Oliver Kurfiß in der Garage von dessen Eltern mit den Demontage-Arbeiten. Eine dort vorhandene Grube erleichterte das Projekt.

Während sich Kurfiß dem Ausbau des Motors widmete, schraubte Lerch alle Anbauteile sowie die Kotflügel und Trittbretter weg. In dieser Zeit lernte Lerch Jan Strosche kennen - eine sehr wertvolle Bekanntschaft. Strosche war Kraftfahrzeugmechaniker und Karosseriebauer in Personalunion. "Ohne ihn hätte ich das alles nicht geschafft", sagt Lerch und gesteht: "Ich hatte die Sache auch etwas unterschätzt." Zunächst musste trotz intensivem Arbeitseinsatz der straffe Zeitplan etwas gelockert werden, denn wie bei solchen Arbeiten üblich, ergaben sich immer wieder kleinere Überraschungen. Zum Beispiel in Form von Durchrostungen, die erst nach dem mühsamen Wegkratzen des Unterbodenschutzes in den Radhäusern zutage traten. Doch alle Korrosionsschäden, sei es an den Anschraubstellen der Kotflügel oder bei den hinteren Entlüftungsgittern, ließen sich dank Strosches Schweißkünsten reparieren.

Verkauft für eine Mark - Suche nach den Vorbesitzern des VW 1303 von 1973

Im Heckbereich des bis aufs Instrumentenbrett entbeinten Innenraums mussten dazu auch Dämmmaterialien entfernt werden, damit sie beim Schweißen nicht Feuer fingen. Nur die rechte Tür präsentierte sich in einem miserablen Zustand. Bereits in der Vergangenheit war sie recht laienhaft geschweißt und lackiert worden. Es erwies sich nun als günstiger, sie durch ein gut erhaltenes Pendant vom Schrottplatz zu ersetzen, wobei Lerch die Innereien der ersten Tür wieder verwendete.

"Ich wollte so viel wie möglich vom Original erhalten", erklärt der Käfer-Liebhaber, weshalb er letzten Endes beispielsweise eine nicht ganz einwandfreie Radkappe einem unverbraucht glänzenden Neuteil vorzog. Die Begeisterung für sein Auto ermunterte ihn auch dazu, dessen Vergangenheit näher zu beleuchten. So beantragte er bei der Stiftung Automuseum Volkswagen eine Fahrzeug-Identitäts-Urkunde. Aus ihr geht zum Beispiel hervor, dass der Käfer am 6. April 1973 gebaut und drei Tage später nach Berlin ausgeliefert wurde - "mit Wählautomatic und Polsterkombination Kunstleder lapisblau".

Außerdem machte sich Lerch mit Hilfe des Kraftfahrzeugbriefs auf die Suche nach den Vorbesitzern. Den Verkäufer kannte er ja, blieben noch drei andere. Auf dem Bürgeramt erfuhr er gegen einen geringen Obolus die Adressen der betreffenden Personen. Ein direkter Kontakt ergab sich aber nur zum zweiten Besitzer, der den Käfer bei Kilometerstand 78.422 übernommen und nach unfallfreier Fahrt bei einem Zählerstand von 115.303 weiterverkauft hat - "zu einem symbolischen Preis von einer Mark", wie er schrieb.

Erstbesitzerin war Baujahr 1915

Vielleicht sah das Blech des Käfers schon damals nicht mehr so gut aus, immerhin war das Auto zu diesem Zeitpunkt bereits 20 Jahre alt. Der dritte Besitzer nutzte den Käfer nur drei Jahre, dann stellte er ihn abgemeldet in eine Tiefgarage. Erst nach zehn Jahren befreite ihn der vierte Besitzer aus diesem Gefängnis, machte ihn mit wenig Aufwand wieder fahrbereit und meisterte derart immerhin die H-Kennzeichen-Abnahme.

Die Erstbesitzerin, eine Dame des Jahrgangs 1915, lebte nicht mehr. Doch Lerch forschte nach und bekam Kontakt zu einer Nachbarin. Von ihr erfuhr er, dass die alte Dame viele Ausflüge bis in die Schweiz unternommen hatte und alle ihre Ziele in Form von Klebebildern auf der Heckklappe verewigte, deren Umrisse sich noch erkennen ließen. Leider litt in hohem Alter ihre Fahrtüchtigkeit, wodurch sie ihren Zielen wie Supermarkt oder Bäcker auf dem Bürgersteig entgegenstrebte, weshalb die Polizei ihren Führerschein einzog.

Überschaubar: Restaurierungsaufwand der Technik

Lerch freut sich, dass er so viel über die Vorgeschichte seines Autos in Erfahrung bringen konnte. Doch zurück zur Restaurierung. Die gerichtete Karosserie wollte Lerch über Ostern bei seinem früheren Arbeitgeber lackieren, wo er vor Jahren als Industrie- und Kraftfahrzeuglackierer tätig gewesen war. Überraschend platzte der Termin, aber Lerch hatte Glück. Thomas Bernicke, ein Bekannter, sorgte dank der Großzügigkeit seines Chefs kurzfristig für eine Alternative, und so wurde aus den Osterfeiertagen ein Schleif- und Lackiermarathon.

Nicht ganz so aufwendig gerieten die Technikarbeiten. Der Motor wurde zerlegt und neu abgedichtet, später noch die Ansaugbrücke mit Vorwärmung erneuert. Teile der Vorderachse sowie die Spurstangen kamen neu, ebenso die Fahrwerksgummis, die Achswellenmanschetten, die Radlager, Teile der Bremsanlage und vieles mehr. Auch bei der Montage der Anbauteile kam etliches Neues zum Einsatz - seien es Fenster- und Türdichtungen, ein Teppichsatz, Zierleisten oder die Reifen.

Das restaurierte Auto wollte Lerch natürlich nicht mehr im Winter einsetzen. Kurzerhand fragte er beim VW-Autohaus Pusch in Berlin, ob der Käfer dort im Ausstellungsraum überwintern dürfe. Er durfte, und so bezog der Oldie einen Platz zwischen VW-Neuwagen. Aus dem maroden Käfer, der einst am Straßenrand stand, war ein Schaustück geworden.

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