VW: Kein Pickup aus Hannover

Volkswagen hat den im Nutzfahrzeugwerk Hannover geplanten Bau eines Pickup für den europäischen Markt gestoppt.

Ein Sprecher von VW Nutzfahrzeuge sagte am Freitag (4.7.), eine Analyse habe ergeben, dass der Markt keine ausreichende Stückzahl für das geplante schwere Fahrzeug mit großer Ladefläche hergebe. Mit Blick auf die hohen Benzinpreise sagte er, die Rahmenbedingungen für den geplanten geschlossenen Pickup hätten sich "radikal verändert". Er bestätigte damit einen Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". VW halte aber an dem im argentinischen Werk Pacheco geplanten Bau eines offenen Pick-up für Schwellenmärkte fest.

Der Bau des Pick-up für den europäischen Markt im Nutzfahrzeugwerk Hannover war von 2010 an geplant. Früheren Angaben zufolge sollten in Hannover rund 30.000 Stück vom Band laufen. Für den Pick-up waren in Hannover 700 der 13.000 Beschäftigten eingeplant. Es werde nun intensiv nach einer Ersatzlösung gesucht, sagte der Sprecher. An der zugesagten Beschäftigungssicherung ändere sich nichts.

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh sagte: "Wir haben solche Veränderungen am Markt im Tarifabschluss 2006 berücksichtigt. Natürlich macht es keinen Sinn, ein solches Fahrzeug jetzt unter völlig veränderten Rahmenbedingungen zu fertigen." Das Unternehmen habe die Verpflichtung, ein Ersatzprodukt für Hannover zu finden, das die gleiche Anzahl an Beschäftigung biete wie der geschlossene Pickup. "Ob es sich dabei um ein Fahrzeug oder innovative Komponenten wie beispielsweise Batterietechnologien handelt, ist egal."

Für den robusteren, offenen Pickup dagegen sieht VW weiter gute Marktchancen, vor allem in Südamerika, wie der Unternehmenssprecher sagte. Im vergangenen Herbst hatte VW angekündigt, umgerechnet rund 223 Millionen Euro in den Standort Pacheco bei Buenos Aires zu investieren, um dort von 2009 an den "Pickup Robust" zu bauen. Die Jahresproduktion soll in der Endphase 90.000 Einheiten betragen, von denen ein erheblicher Teil für den Export bestimmt sei. Der robuste Pickup solle vor allem für die Anforderungen in den Schwellenländern entwickelt werden.

In den USA wollte VW die Pickups nicht auf den Markt bringen. Der US-Automarkt ist derzeit auf Talfahrt, vor allem auch weil angesichts der hohen Spritpreise der Absatz von Geländewagen und Pickups zurückgeht. US-Kunden kaufen zunehmend kleinere, sparsamere Autos.

VW hatte 2005 angekündigt, in den lange vernachlässigten Markt der Pickups einzusteigen. Die kleinen Transporter auf Pkw-Basis mit offener Ladefläche sind bislang eine Domäne japanischer und amerikanischer Hersteller. Der damalige VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte gesagt, es gebe auch in Europa ein großes Segment für Pickups. 2005 hatte VW Pläne für den in Hannover geplanten Bau des "Microbus" fallen gelassen, der speziell für den US-Markt gefertigt und Nachfolger des legendären Bully werden sollte.


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dpa

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