VW-Machtkampf: Lauschangriff auf Wiedeking

Zu dem Machtkampf bei VW mischt sich jetzt auch eine mögliche Abhör-Affäre. Möglicherweise sollte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in einem Wolfsburger Hotelzimmer mit einem Babyphone belauscht werden. Porsche und VW erstatteten Anzeige gegen unbekannt.

Das eingeschaltete Babyphone sei in Wiedekings Hotelzimmer im vergangenen November entdeckt worden, sagte ein Porsche-Sprecher und bestätigte damit Informationen der Nachrichtenmagazine "Der Spiegel" und "Focus". "Das Gerät ist von Sicherheitsleuten entfernt worden, bevor Herr Wiedeking ins Zimmer kam", betonte der Porsche-Sprecher.

"Focus" berichtete dagegen, das Babyphone sei erst am nächsten Morgen entdeckt worden. "Dies triftt nicht zu", sagte der Porsche-Sprecher am Samstag (26.4.).

Bei VW spielt sich derzeit ein Machtkampf ab. Der Großaktionär Porsche, der die Mehrheit bei Volkswagen übernehmen will, ist im Streit mit dem Land Niedersachsen und dem VW-Betriebsrat um den künftigen Einfluss. Eine Abhör-Affäre könnte die Spannungen zusätzlich anheizen. Auch den Magazin-Berichten zufolge gibt es keine Hinweise darauf, wer das Babyphone in Wiedekings Zimmer platziert haben könnte - und ob es überhaupt zum Abhören bestimmt war.

Ein VW-Sprecher betonte, der Konzern habe nichts mit einem eventuellen Lauschangriff zu tun. Volkswagen nannte Wiedekings Namen nicht, sondern sprach nur von einem "Gast von VW". Für die niedersächsische Landesregierung forderte ein Sprecher in der "Bild am Sonntag" eine "lückenlose Aufklärung der Vorgänge".

Die schnurlosen Babyphone-Geräte bestehen aus einem Mikrofon- und einem Empfangsteil für die Eltern. Sie schalten sich normalerweise bei Geräuschen ein, damit Eltern zum Beispiel das Weinen der Kinder nicht überhören. Ein Babyphone hat nur eine Reichweite von einigen Metern und die Tonqualität ist eher niedrig.

Dem "Spiegel" zufolge ließ Wiedeking, der zu einer Aufsichtsratssitzung nach Wolfsburg kam, das Hotelzimmer von einer eigens beauftragten Sicherheitsfirma untersuchen. Die erste Vermutung sei gewesen, dass eine Familie mit Kind das Gerät liegengelassen haben könnte. Allerdings habe eine Überprüfung ergeben, dass in dem Zimmer über Wochen hinweg keine Familie übernachtet habe. Nach dpa-Informationen ist der Sicherheitsdienst von Porsche immer auf der Hut - "und zurzeit noch stärker."

Den Magazinberichten zufolge gab es bei VW und Porsche bereits Abhör-Fälle. So sei eine Wanze in der Wohnung des damaligen VW-Markenchefs Wolfgang Bernhard gefunden worden, schreiben "Spiegel" und "Focus". Laut "Focus" sollen Festnetz-Telefonate des Porsche-Betriebsratschefs Uwe Hück aus seinem Büro laut Erkenntnissen des Werksschutzes abgehört worden sein. Nun würden die Arbeitsräume abhörsicher gemacht, heißt es. Ein Porsche-Sprecher in Stuttgart dementierte: "Uns ist das nicht bekannt." Diesbezüglich gebe es auch keine Strafanzeige.

Das Landeskriminalamt in Hannover bestätigte, dass es im Zusammenhang mit dem möglichen Lauschangriff auf Wiedeking Ermittlungen für die Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt. Nähere Details wollte der Sprecher nicht nennen.

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dpa

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