VW-Machtkampf: VW-Machtkampf: Großaktionäre scheitern mit Anträgen

Bei Volkswagen tobt derzeit ein Machtkampf um die Neuordnung der Verhältnisse nach einer Übernahme durch Porsche. Diese sieben Männer sind dabei die entscheidenden Figuren.

Ferdinand Piech - ist seit vielen Jahren der einflussreichste Mann bei Volkswagen. Der 71-jährige oberste Aufsichtsrat wusste seine Macht stets zu nutzen, um den Konzern in seinem Sinne zu lenken. Seine Widersacher hat der gewiefte Taktiker allesamt aus dem Feld geschlagen und die Konzernführung in die Hände vertrauter Manager gelegt. Trotz Zweifel an seiner Unabhängigkeit als VW-Aufsichtsratschef konnte sich der Porsche-Enkel und Miteigentümer des Sportwagenbauers aber an der Spitze des Kontrollgremiums halten. In dem jüngsten Machtkampf bei VW hat er sich bisher zumindest nach außen hin zurückgehalten.

Martin Winterkorn - ähnelt in mancher Hinsicht seinem Ziehvater Piëch. Wie dieser gilt er als detailversessener Techniker. Unter seiner Führung war die VW-Premium-Tochter Audi von Erfolg zu Erfolg geeilt und hatte zu einem Großteil der Konzerngewinne beigetragen. Der 60-Jährige steht seit Anfang 2007 an der Spitze des Konzerns. Die Bilanzen zeigen seitdem deutlich nach oben, was aber zum Teil noch das Resultat früherer Strukturreformen ist. Aus dem aktuellen Streit um Macht und Einfluss bei dem Wolfsburger Autobauer nach einer Übernahme durch Porsche hat sich Winterkorn weitgehend herausgehalten - obwohl in der Spitze der neuen Porsche-Holding, in der künftig auch die VW-Beteiligung angesiedelt sein soll, für ihn kein Platz reserviert ist.

Bernd Osterloh - schreckt auch vor starken Worten in der aktuellen Auseinandersetzung nicht zurück. Der 51-jährige VW-Betriebsratschef gilt als durchsetzungsstark, aber auch teamorientiert. Er macht sich dafür stark, den bei VW traditionell großen Einfluss von Betriebsrat und IG Metall zu erhalten. Dabei gehe es nicht um ihn persönlich, sondern um die Zukunft der VW-Beschäftigten, betont er. Osterloh ist grundsätzlich für den Einstieg des Sportwagenbauers bei VW, hält Porsche-Chef Wendelin Wiedeking aber für einen "Marktradikalen", für den nur die Rendite zähle. Osterloh ist ein echtes VW-Gewächs: Der gelernte Industriekaufmann kam 1977 als Arbeiter zu VW und ist seit 2004 Betriebsratschef- als Nachfolger des über die VW-Affäre gestürzten Klaus Volkert.

Christian Wulff - gibt sich im Kräftemessen mit Großaktionär Porsche nach außen hin eher gelassen und selbstbewusst - auch wenn er eine harte Linie in der Auseinandersetzung mit Porsche fährt. VW müsse selbstständig bleiben und dafür werde er "alles" tun, versicherte der niedersächsische CDU-Ministerpräsident. Der 48-Jährige zeigt sich stets überzeugt, dass das Land seine Sonderstellung bei VW auch künftig behalten wird. Eine Aufstockung des Landesanteils von bisher gut 20 Prozent - der auf Grund von Satzung und VW-Gesetz eine Sperrminorität bedeutet - zieht der Politiker zumindest öffentlich derzeit nicht ins Kalkül. Als mit Abstand größter Arbeitgeber im Land ist VW für Wulff von herausragender Bedeutung.

Wolfgang Porsche - gilt als starker Mann im Hintergrund. Deftige Schlagzeilen über den Cousin des mächtigen VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch sind eher selten. Seitdem der 64-Jährige aber zum Vorsitzenden des Kontrollgremiums der neuen Porsche Automobil Holding SE gewählt wurde, ist dem Sohn des Porsche-Gründers Ferry Porsche das Scheinwerferlicht sicher. Die Stärke von WoPo, wie der Spitzname des gebürtigen Stuttgarters lautet, sind nicht markige Sprüche, sondern seine ausgleichende und diplomatische Art. Nicht umsonst ist der vierfache Vater der Sprecher der Porsche-Erben. Im Porsche/VW-Konflikt verfolgt der Enkel des VW-Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche das Ziel, die Interessen der Familien zu wahren.

Wendelin Wiedeking - galt als Porsche-Chef lange Zeit als Darling von Wirtschaft und Politik, der durch Rekordgewinne und kritische Kommentare über die Gier der Manager glänzte. Seit der Stuttgarter Sportwagenbauer unverblümt nach der Macht bei VW greift, ist der 55-Jährige vor allem bei vielen bei VW vom Strahlemann zum Buhmann geworden. Nicht nur wegen dieser Entwicklung wird Wiedeking auch als "Boss mit zwei Gesichtern" bezeichnet. Dass der gebürtige Westfale im aktuellen Konflikt zwischen Porsche und VW bislang kaum kompromissbereit scheint, verwundert Weggefährten nicht: Der Vater einer Tochter gilt als Sturkopf durch und durch.

Uwe Hück - ist zwar für seine flammenden Reden berühmt-berüchtigt. Der wortgewaltige Porsche-Betriebsratschef, zweimaliger Europameister im Thai-Boxen, ist aber trotz seines klaren Bekenntnisses zum Wiedeking-Kurs auch an einer Geschlossenheit unter den Betriebsräten innerhalb der IG Metall interessiert. Seit Anfang des Jahres ist der Fahrer eines schneeweißen Porsche 911 auch Vorsitzender des Betriebsrates der Porsche SE. Wenn Porsche die Mehrheit an VW übernimmt und die Wolfsburger eine Porsche-Tochter werden, würde der 100-Kilo-Mann mit kahlgeschorenem Schädel und Stuttgarter Wurzeln zu einem der mächtigsten Betriebsräte Deutschlands aufsteigen.

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dpa

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