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VW-Markenchef Christian Klingler im Interview

"Wir investieren trotz Krise"

Christian Klingler, Markenchef von VW Foto: VW 13 Bilder

VW-Markenchef Klingler spricht im Interview mit auto-motor-und-sport.de-Redakteur Harald Hamprecht über die VW-Pläne in China, Deutschland und Brasilien - sowie in den Wachstumsmärkten Indien und Indonesien.

06.05.2009 Harald Hamprecht

Herr Klingler, wie schätzen Sie den deutschen Markt ein?
Klingler: Dieses Jahr wird der deutsche Markt voraussichtlich bei über 3,3 Millionen Fahrzeugen liegen. Und davon wird jede dritte Neuzulassung ein Produkt des VW-Konzerns sein. Die Umweltprämie hat hier richtig positiv eingeschlagen. Allein für die Marke VW konnten wir im ersten Quartal ein Plus von 16 Prozent zum Vorjahr verbuchen. Und auch der April sieht gut aus.
 
Im vergangenen Jahr hat die Marke VW in Deutschland 615.000 Neuzulassungen verbuchen können und damit einen Marktanteil von 19,9 Prozent. Was erwarten Sie im Gesamtjahr 2009?
Klingler: Da geben wir noch keine Prognose. Aber ich wiederhole gerne mein Ziel, dass wir über die 20-Prozent-Marke kommen könnten.

Welche Marktentwicklung erwarten Sie für 2010? Fürchten Sie einen Einbruch, sobald die Umweltprämie ausläuft?
Klingler: Wenn die Abwrackprämie ausgelaufen ist, wird es natürlich zu einer Verschnaufpause kommen, der Markt muss aber nicht zwangsläufig einbrechen. Ich denke, hier wird es einfach unterschiedliche Reaktionen je nach Marke geben. Für die Marke VW wird dieses Jahr in Deutschland sicher gut - und für nächstes Jahr bin ich zuversichtlich, denn dann haben wir die volle Verfügbarkeit des Polo.
 
Und wie gestaltet sich die Produktion in Deutschland?

Klingler: Für die Golf Produktion haben wir mit der Arbeitnehmervertretung für die kommenden Monate Zusatzschichten vereinbart. Allein in Wolfsburg fahren wir im Mai und Juni elf zusätzliche Schichten. Die Auftragseingänge übertreffen hier unsere Erwartungen und auch beim neuen Polo verzeichnen wir bereits vor der Markteinführung ein großes Kundeninteresse. Hier liegen bereits über 10.000 Bestellungen vor.
 
Wie schlägt sich VW in Europa?
Klingler: Im vergangenen Jahr haben wir einen Marktanteil von knapp elf Prozent in Westeuropa verbuchen können - und dieses Jahr werden wir unsere Marktführerschaft weiter ausbauen. Per März lagen die Märkte bei einem Minus von über 20 Prozent, als Marke VW nur bei minus zehn Prozent. Dabei halten wir uns mit Incentives sogar weitgehend zurück, denn wir kaufen uns keine Marktanteile, wir wollen unseren Gewinn weiter steigern.
 
Welches Potenzial hat VW in China?
Klingler: Unser Ziel ist klar umrissen: Im Jahr 2018 will der Konzern zwei Millionen Einheiten in China verkaufen - nach gut einer Millionen im vergangenen Jahr. Wir haben das in unserer Strategie  "Mach 18" festgelegt - die unverändert Bestand hat. Für dieses Jahr geben wir keine Prognose. Insgesamt entwickelt sich das Geschäft hier aber besser, als zu Jahresbeginn noch vermutet.
 
Von den zwei Millionen Einheiten des Konzerns, die Sie 2018 in China erzielen wollen, entfallen wie viele auf die Marke VW?
Klingler: Belassen wir es bei der Konzernzahl, auf die Marke Volkswagen entfällt natürlich ein substantieller Teil.

Planen Sie einen Export von VW-Modellen aus China in den Rest der Welt?
Klingler: China ist ein Markt mit überdurchschnittlichem Potential. Darauf wollen wir unsere Kraft und Kapazitäten konzentrieren. Ein Export ist daher nicht vorgesehen.
 
Wie steht es um die Produktionskapazitäten von VW außerhalb Deutschlands?
Klingler: Wir geben überall Volldampf. Die Expansion unseres chinesischen Werks Nanjing läuft, vor vier Wochen haben wir unser Werk in Indien eröffnet, im russischen Kaluga geht es weiter, die Grundsteinlegung für unser US-Werk in Chattanooga erfolgt im Mai, um dann dort ab 2011 die amerikanische Passat-Variante, den New Midsize Sedan - zu bauen. Sie sehen, wir halten auch in der Krise an unseren wichtigen Produkt- und  Produktionsprojekten fest.
 
Wie entwickelt sich Ihre Marke in Russland?
Klingler: Der Markt bleibt dynamisch, aber nicht von der Krise verschont. Wir gewinnen auch in Russland Marktanteile hinzu. Im vergangenen Jahr haben wir 50.500 VW verkauft, dieses Jahr wollen wir noch mehr schaffen.
 
Um Brasilien ist es ruhig geworden?
Klingler: Das täuscht. Brasilien entwickelt sich hervorragend. Es ist der drittgrößte Markt für VW weltweit nach China und Deutschland. Wir sind gerade zum Marktführer in dem südamerikanischen Markt aufgestiegen - zum ersten Mal seit langem.

Was gibt es Neues von VW in Indien?
Klingler: Die Anschläge in Mumbai waren dramatisch. Das Bedürfnis nach Mobilität wird hier langfristig wachsen. Für VW ist und bleibt Indien daher ein Markt mit Potenzial für Wachstum. Wie schnell das Wachstum kommt, wird sich in den kommenden Jahren entscheiden. Als Konzern sind wir mit Skoda gut aufgestellt, die Marke VW hat da noch Nachholbedarf. Vergangenes Jahr haben wir dort gut 1.600 Fahrzeuge verkauft.

Wie sieht es mit dem neuen Werk in der Asean-Region aus?
Klingler: Wir wollen in einem ersten Schritt in einem Joint-Venture mit unsrem Importeur eine SKD-Produktion in Indonesien aufbauen - und zwar noch dieses Jahr. Für weitere Details ist es aber noch zu früh. Jedenfalls wird ein Engagement in Indonesien allein nicht ausreichen, um die ASEAN-Region komplett abzudecken, denn die einzelnen Länder sind hier zu unterschiedlich und teilweise voneinander noch abgeschottet.

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