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VW-Neuheiten

Der neue Zukunftsplan für Volkswagen

VW T-Roc Foto: Christian Schulte 26 Bilder

Modell-Offensive und Restrukturierung: Wie die Marke VW nach dem Diesel-Skandal wieder auf die Räder kommen will. Ein Rettungsplan mit Chancen und Risiken.

26.05.2016 Jens Katemann 4 Kommentare

Der Abgasskandal belastet VW merklich. Für die Bewältigung des Skandals werden 16,2 Milliarden Euro zurückgestellt, Volkswagen rutschte damit 1,6 Milliarden Euro ins Minus – der größte Verlust der Konzerngeschichte. Auch die Auswirkung des Image-Verlusts durch die Manipulation von Dieselmotoren auf den Absatz wird messbarer.

Wie groß der Image-Schaden langfristig ist, lässt sich derzeit nicht beziffern. Klar aber ist: Die Marke VW ist angezählt, und es gibt vor allem in den USA genügend Interesse an einem K. o. Damit es so weit nicht kommt, muss Markenchef Herbert Diess notwendige Reformen bei VW mit Nachdruck angehen, die Rendite steigern – das hätte er auch ohne Skandal tun müssen.

Volkswagen mit effizienteren Strukturen und E-Auto-Offensive

Wichtiger Baustein ist die Baureihen-Leiter-Struktur, wie sie auch bei Porsche existiert. "Es muss Leute geben, die ein Modell steuern und über den Lebenszyklus dessen Qualität, Wettbewerbsfähigkeit und Rendite sicherstellen", heißt es aus dem Umfeld von Diess.

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VW-Neuheiten Neuer Zukunftsplan für VW
auto motor und sport 10/2016
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Golf FaceliftFoto: Christian Schulte
VW Golf Facelift - Große Eingriffe ins Blech bleiben aus. Dafür kommen neue Motoren und eine neue Batterie für den E-Golf.
Volkswagen T-Prime Concept GTE
Das wird der neue VW Touareg 45 Sek.

Dazu gibt es – ausgelöst durch den Abgas-Skandal – einen neuen, mutigen Zukunftsplan. Die E-Auto-Offensive wird nicht nur vorgezogen, sie fällt viel umfangreicher aus. Los geht es mit dem Facelift des VW Golf (ab Anfang 2017 im Handel), mit dem der E-Golf eine neue, leistungsstärkere Batterie bekommt. Von bisher knapp 25 kWh soll sie auf 37 kWh steigen und die Reichweite damit auf rund 300 km (NEFZ) erhöhen. Damit will VW den erfolgreichsten Elektrowagen Nissan Leaf übertrumpfen, der ebenfalls gerade eine neue Batterie bekommen hat, die nun 30 kWh und nicht wie bislang 24 kWh speichert. Die Reichweite des Leaf stieg von 200 auf 250 km (NEFZ).

VW Golf - neue Motoren und neues Cockpit

Mit der Modellpflege wechselt VW beim Golf zudem vom bisherigen 1.4-TSI-Benziner auf einen etwas größeren. "Da weltweit die Hubraumgrenze für eine günstige Besteuerung meist bei 1,5 Litern liegt, erhöhen wir den Hubraum unseres Vierzylinders auf diese Größe", heißt es bei VW. Der neue 1.5 TSI soll bei vergleichbarer Leistung noch mal einen Verbrauchsvorteil von rund fünf Prozent bieten. Nach dem Golf wird er sukzessive in anderen Modellen eingeführt. Der Passat bekommt ihn jedoch erst mit der Modellpflege 2018.

Wichtigste weitere Neuerung beim Golf: das Cockpit, in dessen Mittelpunkt ein neues Multimedia-System mit 9,2-Zoll-Touchscreen steht. Die Bedienung erfolgt über Gestensteuerung, Spracheingabe und Sensortasten. Die Zahl der Knöpfe wird reduziert, und natürlich bekommt auch der Golf – wie schon der neue Tiguan – optional ein Head-up-Display und das digitale Kombi-Instrument. Außen tut sich dagegen weniger. Front- und Heckleuchten sowie die Schürzen werden modifiziert. Der Rest bleibt unverändert.

Neuer Kompakt-SUV unterhalb des Tiguan

Mit den gleichen Elektrifizierungsmöglichkeiten wie beim Golf legt VW 2017 den Bruder T-Roc nach. Der Name ist noch ein Arbeitstitel, aber es werde etwas mit einem "T", heißt es aus Wolfsburg. Warum? Weil alle SUV-Namen bei VW mit einem "T" beginnen. Der 4,25 Meter lange Crossover packt mit einem Kofferraumvolumen von etwa 400 Litern ordentlich was weg und soll eine Alternative für die Kunden sein, denen der Tiguan zu groß geworden ist. Komplettiert wird die Golf-Familie mit dem neuen Sportsvan, der die Modifikation des Facelifts ein Jahr nach dem Golf erhält, und möglicherweise einem SUV-Cabrio.

Zur Diskussion steht ein rund 4,30 Meter langes Auto mit Stoffdach. Mit einem Kofferraumvolumen von über 250 Litern und Preisen ab 20.000 Euro könnte VW damit in eine neue Nische stoßen. "Wir brauchen aber schon rund 30.000 Einheiten pro Jahr, damit sich so ein Modell rechnet", sagt ein mit dem Projekt Vertrauter. Eine Entscheidung des Vorstands steht im Sommer an. Marktstart wäre 2019. Die Chancen stehen insofern gut, als VW nach dem Ende des Golf Cabrio – im Mai – nur noch die offene Version des Beetle im Programm hat.

Drei neue reine Elektromodelle

Obwohl es von all diesen Modellen elektrische Varianten geben wird, steht bis 2019 zunächst der konventionelle Antrieb im Vordergrund. Parallel zum normalen Produktprogramm arbeitet VW aber auch an einer Reihe Autos, die es ausschließlich mit E-Antrieb geben soll. "Ja, wir planen mehr als nur ein rein elektrisches Modell für die Zukunft", bestätigt Vertriebschef Jürgen Stackmann.

Sicher sind nach Informationen von auto motor und sport bereits ein "Volumenauto im Golf-Segment", das entweder eine Serienversion des auf der Consumer Electronics Show (CES) im Januar 2016 gezeigte BUDD-e werden könnte oder ein SUV. "Dazu wird es ein größeres Raumkonzept sowie eine Limousine geben", heißt es bei VW. Aber nicht wie bisher vermutet nur eine E-Version des Phaeton, sondern auch ein Volumenmodell von der Größe eines Jetta. Alle Autos bekommen komplett eigenständige Cockpits, können optional auch induktiv geladen werden und sollen nur unwesentlich teurer sein als vergleichbar starke Diesel in ihrer jeweiligen Fahrzeugklasse.
Das finden Sie radikal? Die Vorstellungen des neuen VW-Digital-Chefs Johann Jungwirth zur Mobilität der Zukunft gehen sogar noch weiter.

Elektro-SUVFoto: Christian Schulte
Elektro SUV - Eines von drei komplett neuen reinen Elektromodellen: Crossover im Golf-Format.

Unabhängig von der Elektroauto-Offensive will VW auch bei den konventionellen Autos Lücken schließen. Neben dem T-Roc plant Markenchef Diess einen noch kleineren SUV mit einer Länge von rund 4,15 Metern, der gegen die französischen Erfolgsmodelle Peugeot 2008 und Renault Captur antritt. Das Auto, das 2018 Premiere feiert, ist technisch verwandt mit der nächsten Polo-Generation, die bereits in der zweiten Jahreshälfte 2017 an den Start gehen wird.

Nächste VW Polo-Generation ohne Diesel

Mit dem Modellwechsel setzt VW endgültig auf den Dreizylinder mit Aufladung. Gekoppelt mit Sechsgang-Handschaltung oder Siebengang- Doppelkupplungsgetriebe, deckt das Triebwerk dann die Leistungsspanne bis zu 115 PS ab. Darüber gibt es für den GTI einen Vierzylinder, der Diesel fällt weg. Zudem hält auch das moderne Multimedia-System aus dem Modularen Infotainment-Baukasten der zweiten Generation Einzug. Anders als im Golf wird es aber kein so großes Display geben. Als preiswerte Basisversion will VW dazu die Smartphone-Lösung aus dem Kleinstwagen Up anbieten. Dabei wird das Smartphone in eine spezielle Halterung eingesetzt und mit einer eigens von VW dazu angebotenen App zum Navigations- und Multimedia-System.

Als großes Wachstumsfeld hat VW – wie die gesamte Autoindustrie – die SUV ausgemacht. Und so wird es nicht nur unter-, sondern auch oberhalb des Tiguan weitere Modelle geben. Die Langversion des Tiguan (4,70 Meter) mit dritter Sitzreihe debütiert im Sommer 2017. Der Radstand wächst um zwölf Zentimeter. Darüber rangiert die über fünf Meter lange Variante, die bereits Ende dieses Jahres fertig wird und nur für den US-Markt vorgesehen ist. Mit einer Breite von 2,20 Metern (inklusive Außenspiegeln) passt das Auto nicht auf europäische Straßen.

Neue Technologien als Chance

Doch es sind nicht nur die neuen Modelle, die VW-Markenchef Diess umtreiben. Gleichzeitig gilt es, "die Marke weltweit klar zu positionieren und regionale Kundenbedürfnisse besser zu verstehen", sagt Jürgen Stackmann, der neben dem Vertrieb auch das Marketing von VW verantwortet. "Wir sind die Marke für die Kunden, die sich selbst als Treiber der Gesellschaft sehen. Sie sind nicht auf der Suche nach Luxus, aber erwarten technologisch und emotional einfach mehr."

Drei neue Technologiefelder bieten dazu laut Stackmann eine riesige Chance für VW in der Zukunft: die Elektromobilität, das autonome Fahren und die Digitalisierung. Hier will man eine Führungsrolle übernehmen. Das soll auch einer der Gründe sein, warum VW-Markenchef Diess die nahezu fertig entwickelte Luxuslimousine Phaeton gestoppt hat. Mit den neuen Technologiefeldern werden "die Karten in diesem Segment neu gemischt", heißt es aus seinem Umfeld. "Tesla hat seine Chance genutzt, und warum soll das nicht auch VW können." Fahrwerk und Fugen seien nach wie vor wichtig, aber das alleine genüge eben nicht mehr. "Da wird im Vorstand jetzt über ganz andere Dinge diskutiert", heißt es.

Im Volkswagen-Deutsch heißt die Elektroauto-Architektur Modularer Elektrifizierungsbaukasten (MEB). Was steckt dahinter? Anders als beim E-Golf, der auf einer Plattform für Autos mit Verbrennungsmotoren basiert, muss bei der Konzeption der nur elektrisch angetriebenen Modelle auf viele Bauteile eines Verbrenners keine Rücksicht genommen werden. Vorne bleibt mehr Raum für luftiger gestaltete Cockpits, Überhänge werden kürzer, und andere Raumaufteilungen sind möglich. Der Elektromotor vorne (bis zu 100 kW) benötigt samt Kühlung weniger Platz als ein Verbrenner, hinten steht ein zweiter mit maximal 125 kW Leistung zur Verfügung. Zwischen den Achsen sitzt die Unterflurbatterie, die in ihrer größten Ausbaustufe mit 92,4 kWh eine Reichweite von über 530 km ermöglichen soll. Diese neue Architektur verspricht dank niedrigem Schwerpunkt, Hinterachslenkung und idealer Gewichtsverteilung zudem viel Fahrspaß.

Studie T-Prime Concept GTE zeigt das Design des neuen Touareg

Gut ein Jahr vor dem Marktstart gibt VW einen ersten Ausblick auf den neuen Touareg. Die gut fünf Meter lange, seriennahe Studie T-Prime Concept GTE zeigt VW als Plug-in-Hybrid. Das Auto kann bis zu 50 Kilometer rein elektrisch fahren. In das Gehäuse der Achtgangautomatik ist ein 100 kW starker E-Motor integriert. Dessen Leistung lässt sich mit dem zwei Liter großen Vierzylinder-Turbobenziner kombinieren. Die Systemleistung beträgt 280 kW (381 PS), beim Kick-down steht ein maximales Drehmoment von 700 Nm zur Verfügung. Das Auto beschleunigt in sechs Sekunden auf Tempo 100.

T-Prime Concept GTEFoto: VW
Der neue Touareg wird deutlich leichter. Er teilt sich die Architektur mit dem Audi Q7. Die Studie T-Prime Concept GTE gibt einen Ausblick auf das Design.

Neben den Fahrleistungen beeindruckt auch das Cockpit, das komplett ohne konventionelle Schalter auskommt. VW setzt auf zwei riesige Displays: das zwölf Zoll große digitale Kombi-Instrument und einen 15 Zoll großen Bildschirm in der Mittelkonsole, der in Richtung des Fahrers gebogen ist. Ganz so extrem wird es beim Serienmodell nicht, aber die Zahl der konventionellen Schalter wird im Vergleich zum aktuellen Modell deutlich reduziert. Dazu soll der Touareg optimale Vernetzung bieten, per Gesten- und Sprachsteuerung bedienbar sein sowie teilautonom fahren und einparken. Der nächste VW Touareg teilt sich erneut die Architektur mit dem Audi Q7. Er profitiert dabei von einer deutlichen Gewichtsreduzierung. Das dürfte spürbar zur Verbrauchsminderung beitragen.

Fazit: Kann VW mit E-Autos aus der Krise fahren?

Dass bei den jüngsten Proklamationen, die Zukunft gehöre dem autonomen Fahren, der Digitalisierung und den E-Autos, dem ein oder anderen Traditionalisten in Wolfsburg die Sicherung durchbrennt, ist nur menschlich. Wir wissen aus unseren Tests, wie aufwendig VW seine Autos bis zur technischen Perfektion getrieben hat. Doch wie wichtig sind Fugen und Fahrwerk noch in Zukunft? Sicher scheint: Alte Stärken alleine werden nicht mehr reichen. Um neue zu entwickeln, braucht es neue Strukturen. In Wolfsburg muss also vieles anders werden. Der Vorteil einer Krise besteht dabei darin, dass sich der Druck zur Veränderung quasi von selbst erhöht.

Neuester Kommentar

Ich kann nicht verstehen warum VW immer noch so hoch gelobt wird!

Der Konzern hat ja nicht nur mit dem Diesel Gate Problemem sondern auch mit der Langlebigkeit Steuerketten, Langzeitqualität im Innenraum!! Was bringt mir gute Anfangsqualität wenn nach 3-4 Jahren sich das Plastik auflöst oder mein Auto einen Motorschaden erleidet!

tonto0815 30. Mai 2016, 10:34 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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