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VW-Porsche 914/4

Fanta Vier

Foto: Götz von Sternenfels 20 Bilder

Nicht selten drehen sich Restaurierungen in einer Endlosschleife. Da hatte Constantin Jdanoff mehr Glück. Auf solider Substanz baute er den Traumwagen seiner Jugend auf - einen VW-Porsche 914/4 in Signalorange.

29.05.2007 Thomas Wirth Powered by

Allein für solche Ideen muss man Väter lieben. Was ist es für ein Gefühl am 18. Geburtstag, wenn das Geschenk so groß ausfällt, dass es nicht ins Wohnzimmer passt?

Lieber Golf GT als VW Porsche?

Nicht zwingend überwältigend - selbst noch so gut gemeinte Pläne gehen manchmal schief. Vor einigen Jahren war dies der Fall, im hessischen Gründau- Lieblos hat er sich zugetragen: Zum 18. Geburtstag durfte der Sohn einen VW Porsche in der Garage entdecken.

Doch statt Freude herrschte Ratlosigkeit. Dazu kam der Spott der Kumpels: Was ist das denn für eine Karre? "Vater", so der Sohn, "das ist nichts für mich." Er konnte mit dem alten, kantigen Automobil nichts anfangen. In seinen Träumen fuhr er Golf GT. So dämmerte der VW-Porsche seinem weiteren Schicksal entgegen. Ein Jahr später schließlich gab der enttäuschte Senior eine Anzeige in der örtlichen Zeitung auf: "Porsche, 2 Liter, Leichtmetallfelgen, Preis VHS".

Geduldsspiel: Suche nach gutem 914

Es war Zufall, dass Constantin Jdanoff das Lokalblatt in die Hände bekam. Der Verkaufsleiter aus Fulda war schon längere Zeit auf der Suche nach einem VW-Porsche. Keine einfache Aufgabe, wie er feststellte: Zwar werden stets einige 914 angeboten, doch viele der am Telefon als Note-2-Fahrzeuge versprochenen Exemplare offenbar en sich hoffnungslos vergammelt und verbastelt.

"Anfang der achtziger Jahre hatte ich noch VW-Porsche im Straßenverkehr gesehen", sagt der 36-Jährige, "sie gefielen mir, weil sie so außergewöhnlich waren." Dann stieß er auf die Anzeige mit dem kryptischen Text und rief an - tatsächlich: ein VW-Porsche.

Der Anbieter berichtete von seiner Enttäuschung, sonst wusste er nicht viel über den Wagen. 1972 sei er von einer Dame zugelassen worden. Zuletzt stand er über Jahre hinweg in einer Garage.

Verbastelt, missbraucht, verschandelt - und doch gekauft

Was Constantin Jdanoff dann sah, war ein verkommener 914, den der übliche Missbrauch zeichnete: Am Heck pappte eine Porsche-Blende, auf die Haube war ein voluminöser Spoiler geschraubt. Zierstreifen zogen sich über die Flanken. Seitlich, zwischen Tür und Radlauf, stachen große Plastikkiemen ins Auge, vermutlich sollten sie Frischluft in Richtung Motor führen. Was Jdanoff noch auffiel: Die typischen vorderen Finnen fehlten, die rechts und links die Haube rahmten - Flachbau heißt das im Porsche-Jargon.

"Was ich ursprünglich gesucht hatte, war ein Auto mit ehrlicher Patina", sagt Jdanoff. Das war dieser nicht. Dennoch wagte er eine kurze Testfahrt. "Er fuhr sich katastrophal. Im Leerlauf ging der Motor ständig aus, das Getriebe ließ sich kaum schalten." Es gab wenig, das für einen Kauf gesprochen hätte. Vielleicht das Signalorange, eine jener kultigen Farben der Siebziger.

Doch dann griff Jdanoff ins Handschuhfach. Dort lag noch die originale Bedienungsanleitung. Jetzt fiel ihm der Tachostand auf: runde 80.000 Kilometer. Sollte das womöglich die originale Laufleistung sein?

Darauf kann man bauen: Die Substanz entscheidet

Er wagte einen Blick auf die Details hinter der entstellten Fassade. Unter den Hauben entdeckte er nichts von dem, was viele 914 einst endgültig zerstört hatte - Rost. In keinem Falz zeigte er sich, auch schien er nichts unterwandert zu haben. Hier, in der Tiefe seiner Konstruktion, schien dieser 914 nahezu unversehrt. Selbst die beiden Lampenkästen, eine der typischen Schwachstellen des VW-Porsche, wiesen keine Schäden auf.

"Es war letztlich diese hervorragende Substanz, die mich überzeugt hat", sagt Constantin Jdanoff, "noch nie hatte ich einen derart soliden 914 gesehen." Und so kaufte er den Wagen trotz der Arbeit, die auf ihn wartete.

Die Restaurierung startete er mit Kalkül. Zunächst kümmerte er sich um die technischen Grundlagen: Er tauschte Motoröl samt Filter, erneuerte die Kerzen, baute das Getriebe aus und eine neue Kupplung ein. Es waren zahllose Arbeiten zu erledigen, bevor er seinen 914 im Fahrbetrieb testen konnte. Nach dieser ersten Bestandsaufnahme schätzte er den Zeitaufwand für die Karosseriesanierung auf ein halbes Jahr, die Kosten auf rund 4.000 Euro.

Klar, dass es anders kam. Auch wenn dieses Mal der Rost daran kaum Schuld trug, obwohl er hier und da doch seine Spuren hinterlassen hatte. Löcher gab es allerdings dennoch in ausreichender Zahl und Größe.

Spuren des Billig-Tunings müssen weg

Zum Beispiel die beiden rund 30 auf 30 Zentimeter messenden Ausschnitte in den Flanken, die ein Freund Jdanoffs schloss, der als gelernter Karosseriebauer für diese Aufgabe beste Voraussetzungen mitbrachte. Er verzinnte die Nähte, ebenso die Bohrungen, an denen früher der Heckspoiler und die Porsche-Blende befestigt waren.

Als Constantin Jdanoff gemeinsam mit dem Karosseriebauer Stück für Stück den alten Lack vom Blech schliff, stießen sie an der rechten Tür schließlich doch auf fingerdicken Spachtel. Er glich eine tiefe Beule aus, die von einem leichten Rempler stammte.

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