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VW-Porsche-Ehe verzögert sich

Schadenersatz-Streitfälle bremsen

Der für das kommende Jahr geplante Zusammenschluss von Porsche und Volkswagen droht sich zu verzögern. Im Extremfall könnte es sich noch mehrere Jahre hinziehen, bis Porsche komplett unter der Fittiche des VW-Konzerns steht.

19.10.2010

In Gefahr sei die Vereinigung beider Autobauer aber nicht, betonte Porsche-SE-Chef Martin Winterkorn am Dienstag (19.10.) in Stuttgart. "Der integrierte Automobilkonzern wird umgesetzt."

Grund für eine Verzögerung könnten die noch immer schwelenden juristischen Auseinandersetzungen in den USA und Deutschland nach der verlorenen Übernahmeschlacht mit VW sein, sagte Winterkorn. Investmentfonds in den USA streben Milliarden-Dollar-Schadenersatz an, weil sie Falschinformationen vermuten. Zu einer Verschiebung des ursprünglichen Zeitplans könnte es nach Angaben von Porsche-SE-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch auch kommen, weil die steuerliche und rechtliche Prüfung noch nicht abgeschlossen sei.
 
"Unser erklärtes Ziel ist und bleibt die Verschmelzung", betonte Winterkorn. Dabei ist geplant, die Volkswagen AG mit der Dachgesellschaft Porsche Automobilholding SE zu verschmelzen. Sollte dies nicht gelingen, haben sich die Autobauer ein Hintertürchen offengehalten, um Porsche auf anderem Wege komplett in den VW-Konzern zu integrieren.
 
Europas größter Autobauer kann im Fall der Fälle auch die restlichen 50,1 Prozent der Anteile am Porsche-Sportwagengeschäft übernehmen, bisher hält VW 49,9 Prozent. Dies wäre aber erst im Zeitraum zwischen dem 15. November 2012 und 31. Januar 2015 möglich.

Zahlreiche Schadenersatzforderungen gegen Porsche

Die Stuttgarter hatten sich bei der ursprünglich geplanten Übernahme von VW verhoben und sollen nun schrittweise in den VW-Konzern integriert werden. Wegen der verlorenen Übernahmeschlacht kämpft Porsche juristisch an zahlreichen Fronten. Die Stuttgarter hatten sich mit schwer durchschaubaren Aktiengeschäften 2008 die Mehrheit an Volkswagen gesichert und dabei erdrutschartige Aktienkursbewegungen ausgelöst.
 
In den USA hat eine Gruppe von Investmentfonds wegen angeblicher Falschinformationen und Marktpreismanipulation gegen die Schwaben geklagt. Es geht um mehrere Milliarden US-Dollar Schadenersatz. Mitte Januar will das Gericht entscheiden, ob es die Klage zulässt. Sollte dies der Fall sein, droht Porsche ein jahrelanger Rechtsstreit.
 
Auch in Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts Marktmanipulation. Geklärt werden soll, ob Porsche im Zuge des Einstiegs bei VW Anleger und Akteure an der Börse möglicherweise falsch informierte. Erste Zwischenergebnisse werden Ende des Jahres erwartet.

Kapitalerhöhung zum Schuldenabbau

Ungeachtet dieser Probleme will Porsche den nächsten Schritt der Verschmelzung schnell in Angriff nehmen. Am 30. November sollen die Porsche-Aktionäre auf der Hauptversammlung einer Kapitalerhöhung im ersten Halbjahr 2011 zustimmen. Diese soll bis zu fünf Milliarden Euro bringen. Mit dem Geld soll auch der Schuldenberg der Porsche SE verringert werden. Auf der Holding lasten wegen der gescheiterten VW-Übernahme noch immer Schulden von rund sechs Milliarden Euro.
 
Auch die operative Zusammenarbeit treiben Porsche und VW weiter voran. Gemeinsam seien zahlreiche große und kleinere Kooperationsprojekte auf den Weg gebracht worden, sagte Winterkorn. "Mit seiner hohen Sportwagenkompetenz wird Porsche im Konzernverbund eine wichtige Rolle spielen." Mit neuen Modellen und zusätzlichen Baureihen sollen die Stuttgarter ihren Absatz mittelfristig auf 150.000 Sport- und Geländewagen steigern.
 
Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/2010 hatte Porsche den Absatz um knapp neun Prozent auf 81.850 Fahrzeuge gesteigert. Der Umsatz erreichte mit 7,8 Milliarden Euro den höchsten Wert der Unternehmensgeschichte. Im Autogeschäft steigerten die Stuttgarter im ihren operativen Gewinn deutlich auf 1,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 700 Millionen Euro). Auch bei der stark gebeutelten Dachgesellschaft Porsche SE schrumpfte der Verlust auf 454 Millionen Euro (Vorjahr: 3,6 Milliarden Euro). Grund für den Verlust sind Belastungen im Zuge der geplanten Verschmelzung.

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