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VW/Porsche-Fusion

Porsche zu Zugeständnissen bereit

Foto: dpa 71 Bilder

Der Sportwagenhersteller Porsche ist bei einer Fusion mit dem Volkswagen-Konzern offensichtlich zu Zugeständnissen bereit. So soll nach Medienberichten Porsche-Chef Wendelin Wiedeking seinen mehrjährigen Feldzug gegen das VW-Gesetz aufgegeben haben.

11.05.2009

Stattdessen wolle Wiedeking dem Anteilseigner Niedersachsen auch im Gemeinschaftsunternehmen das bestehende Veto-Recht einräumen, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Auch der neue Firmensitz stehe fest. Die Zentrale soll demnach in Wolfsburg oder Hannover angesiedelt werden. 

Porsche / VW Fusion 2:03 Min.

Verhandlungsgespräche zwischen Porsche und Niedersachsen

Die Niedersächsische Staatskanzlei wollte dies am Sonntag (10.5.) nicht kommentieren. "Die Gespräche werden ergebnisoffen und zügig geführt", sagte Sprecher Roman Haase. Noch in dieser Woche solle es Verhandlungsgespräche geben. Der Ministerpräsident werde sich dabei alles anhören, sagte Haase. Die einzelnen Konzepte müssten geprüft werden. Es sei aber ein Gesamtpaket. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen dank des VW-Gesetzes mit Sonderrechten für das Land. Mit seinem VW-Anteil von gut 20 Prozent kann es nicht überstimmt werden.    

Laut "Spiegel" wird der Porsche-Chef auch den Arbeitnehmervertretern entgegenkommen. Bislang kann der VW-Konzern nur dann neue Fabriken bauen oder vorhandene verlagern, wenn die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat dem zustimmt. So ist es im VW-Gesetz festgeschrieben. Wiedeking sei bereit, dies auch im neuen Konzern zu garantieren.    

Porsche hat sich bei seinen Plänen für eine Übernahme von VW verhoben. Der Sportwagenbauer schiebt einen hohen Schuldenberg von mindestens neun Milliarden Euro vor sich her. Am Mittwoch hatten sich die Porsche-Eigentümerfamilien auf einen Zusammenschluss mit dem VW-Konzern geeinigt. Innerhalb von vier Wochen soll ein Plan für einen integrierten Konzern ausgearbeitet werden.

Osterloh: VW-Gesetz nicht preisgeben

Der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh hatte in einem Interview der "Welt am Sonntag" erneut den Bestand der Schutzrechte der Arbeitnehmer, die das VW-Gesetz biete, gefordert. Wer das ändern wolle, "der darf schon jetzt mit dem Widerstand der Belegschaften rechnen". Das VW-Gesetz werde nicht preisgegeben. Darin sei er sich mit Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück einig.    

Die künftigen Mehrheitsverhältnisse im neuen Konzern scheinen nach Medienberichten indes weitgehend geklärt. Der "Spiegel" schreibt in seiner neuen Ausgabe, die beiden Familien Porsche und Piëch könnten an der neuen Gesellschaft je nach Bewertung zwischen 45 und 55 Prozent der Aktien halten. Das Land Niedersachsen käme auf 21 bis 25 Prozent. Das Nachrichtenmagazin "Focus" nennt in seiner neuen Ausgabe zusätzlich einen Investor, "womöglich der Emir von Katar". Zusammen mit Niedersachsen soll der Investor dann rund die Hälfte der Anteile besitzen.    

Dauer-Zoff beenden

Zugleich stärkte Osterloh im Kampf um den künftigen Chefposten im Volkswagen-Porsche-Konzern VW-Chef Martin Winterkorn den Rücken. VW schlage sich in der Finanzkrise deutlich besser als andere. "Das zeigt unsere Stärke. Und deshalb müssen wir den Erfolgsweg unseres Chefs Martin Winterkorn gemeinsam mit aller Kraft weitergehen". Er sei ein "herausragender Vorstandsvorsitzender". "Focus" brachte in seinem Beitrag neben Winterkorn und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking den Audi-Chef Rupert Stadler ins Spiel. Er könnte nach Einschätzungen der Eigentümerfamilien und auch von Wulff einen Neuanfang verkörpern und einen möglichen Dauer-Zoff beenden, hieß es.    

Osterloh sprach sich auch dafür aus, dass VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch den Aufsichtsratsvorsitz einer neuen VW-Porsche-Gesellschaft übernehmen solle, falls es eine geben werde. Die Beschäftigten hätten mit Piëch gute Erfahrungen gemacht. "Mit unseren Stimmen kann er rechnen", sagte er der "Welt am Sonntag".

Keine Stellungnahme von Porsche und VW

Ohne den 72-jährigen Patriarchen läuft nichts in Wolfsburg.  Porsche wollte am Wochenende keine Stellungnahme zu den "Spekulationen" in den Medien abgeben. "Es macht keinen Sinn, einzelne Ideen zu kommentieren", sagte Sprecher Frank Gaube am Samstag in Stuttgart. Die entscheidenden Verhandlungen und Gespräche würden erst noch geführt. Alles müsse dann vom Aufsichtsrat und der Hauptversammlung abgesegnet werden. Das betreffe sowohl die Standortfrage wie auch die Besetzung der Unternehmensspitze. "Wendelin Wiedeking und Holger Härter werden aber auch in Zukunft eine tragende Rolle spielen", betonte Gaube. Von VW gab es keine Stellungnahme.    

Zur Finanzkraft von Porsche sagte der Unternehmenssprecher in Stuttgart, der Sportwagenbauer habe Milliarden bekommen "in einer Zeit, in der viele Unternehmen Schwierigkeiten gehabt hätten, überhaupt an Geld zu kommen". Das sei auch "ein Beleg für die Qualität des Unternehmens Porsche." Nach "Focus"-Informationen hat die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Porsche kurzfristig mit zwei Milliarden Euro aus der Klemme geholfen, wie ein führender Landespolitiker berichtet habe. "Ohne die LBBW wäre Porsche insolvent", wird er zitiert. Porsche hatte sich Ende März eine neue Kreditlinie im Volumen von zehn Milliarden Euro von 15 Banken, darunter auch die LBBW, gesichert und damit ein Kredit in gleicher Höhe abgelöst. Die Bewilligung der neuen Kreditlinie hatte sich verzögert, was Porsche mit dem extrem schwierigen Wirtschaftsumfeld und den Turbulenzen am Anleihemarkt begründet hatte.

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