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VW/Porsche

Piëch im Kreuzfeuer der Kritik

Foto: dpa

VW-Patriarch Ferdinand Piëch hat sich im Machtkampf zwischen Porsche und Volkswagen verpokert. Der mächtige VW-Aufsichtsratschef wollte beider spektakulären Übernahme wie gewohnt alle Fäden alleine in der Handhaben und dabei offenbar auch den unbequemen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking aus dem Weg räumen.

15.09.2008

Dabei hat der 71-Jährige die Rechnung ohne den Porsche/Piëch-Familienclan gemacht. Nach seinem gezielten Affront gegen den Sportwagenbauer im VW-Aufsichtsrat steht Piëch nun selber im Kreuzfeuer der Kritik. Die beiden Familienstämme sind alarmiert, dringen auf ein Treffen und eine Erklärung.

Diese Wendung in dem mit Intrigen, Indiskretionen und Anfeindungen gespickten Übernahmekampf um Europas führenden Autohersteller kommt für den Enkel des Autopioniers Ferdinand Porsche anscheinend überraschend. Piëch war in den vergangenen Wochen wie gewohnt vorgegangen und hatte im Hintergrund die Strippen gezogen. Wie bei seiner letzten Demonstration der Stärke, als er vor rund zwei Jahren den damaligen VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder erst vordergründig gestützt, dann nicht vor Kritik in Schutz genommen und schließlich kaltblütig abgesetzt hatte.

In dieser Weise sollte wohl auch Porsches erfolgsverwöhnter Vorstandsvorsitzender Wiedeking abserviert werden. Zu mächtig war dem Ex-VW-Chef der Porsche-Chef-Lenker mit seiner nassforschen Art geworden. Dieser hatte nicht nur mehr als deutlich angedeutet, dass es nach der Übernahme von Volkswagen keine "heilige Kühe" bei den Wolfsburgern geben solle. Wiedeking hat auch eine klare Vorstellung, wie in dem Großkonzern künftig mit der Marken-Konkurrenz unter einem Dach umgegangen werden soll und damit den Argwohn von VW-Patron Piëch vollends geweckt.

Wiedeking mit starker Position

Die Position des als querköpfig bekannten Wiedeking ist allerdings eine gänzlich andere, wie sie es bei Pischetsrieder war. Wiedeking übernahm die Chefrolle bei dem Sportwagenbauer in einer Zeit der Krise. Um den Autohersteller wieder auf die Gewinnspur zu bringen, setzte er unter anderem auch einen Teil seines Privatvermögens ein. Er gilt als der Retter der Marke Porsche: Ihm wird der Verdienst zugeschrieben, dass die Stuttgarter Anfang der 90er Jahre nicht an Fremde verkauft wurden.

Mittlerweile fährt Porsche Quartal für Quartal satte Gewinne ein. Als Dagobert Duck von Zuffenhausen wurde der 56-Jährige bereits von Aktionären gefeiert. Und auch die Eigentümerfamilie ist sich der Sonderstellung von Wiedeking bewusst. Zwar wird offiziell immer betont, dass auch er nur ein Angestellter der Firma ist. Der Porsche-Aufsichtsratsvorsitzende und Familienclan-Chef Wolfgang Porsche erklärt aber auch immer wieder öffentlich, dass der Manager jeden Cent wert sei.

Auch privat gilt das Verhältnis der beiden Männer als ausgesprochen eng und freundschaftlich. Wolfgang Porsche war maßgeblich daran beteiligt, Wiedeking zum Vorstandschef des Sportwagenbauers zu machen. Dass Wiedeking in dem schwelenden Machtkampf geopfert wird, ist nach dem Eklat im VW-Aufsichtsrat, als sich Piëch bei einem Antrag enthielt und damit nicht auf die Seite von Porsche stellte, nun noch unwahrscheinlicher. Neben der gesamten Porsche-Familie stützt auch Hans Michel Piëch, Bruder von Ferdinand und ebenfalls im VW-Aufsichtsrat, zu hundert Prozent Wiedeking, wie aus Kreisen des Kontrollgremiums verlautete. Am Zeitplan der VW-Übernahme mit Wiedeking an der Spitze ändere sich nichts.

Wulff will moderieren

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat sich nun offiziell zum Moderator zwischen Wolfsburg und Stuttgart erklärt. Allerdings gilt der Regierungschef sowohl wegen seines strikten Festhaltens am VW-Gesetz bei Porsche nicht als Schlichtungs-Schwergewicht. Auch Ferdinand Piëch hat sicherlich nicht vergessen, dass Wulff im vergangenen Jahr seine Wahl zum VW-Aufsichtsratschef verhindern wollte. "Das muss alleine der Familienclan lösen", hieß es daher auch am Sonntag. Ein Treffen werde nicht mehr lange auf sich wartenlassen. Bis dahin seinen auch Spekulationen über eine Ablösung von Piëch an der Spitze des VW-Aufsichtsrates wenig wahrscheinlich.

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