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VW-Porsche-Übernahme

Ex-Porsche-Manager Härter muss vor Gericht

Der Ex-Finanzchef des Porsche-Konzerns, Holger Härter, muss wegen Kreditbetruges vor Gericht. Damit steht nun endgültig fest, dass es für den einstigen Architekten des spektakulär gescheiterten Übernahmeangriffs auf Volkswagen ein strafrechtliches Nachspiel geben wird.

26.06.2012 dpa

 Die von der Staatsanwaltschaft Stuttgart erhobene Anklage gegen den früheren Top-Manager sowie gegen zwei seiner damaligen Führungskräfte sei "vollumfänglich zugelassen", wie ein Sprecher des Landgerichts am Dienstag (26.6.) der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. "Es ist entschieden worden, das Hauptverfahren zu eröffnen, Termine stehen aber noch nicht fest", erklärte er weiter.

Untersuchungen gegen Wiedeking laufen noch

Härter und zwei seiner Spitzenkräfte aus der Finanzabteilung der Porsche SE sollen während des Übernahmekampfs mit dem VW-Konzern bei Verhandlungen für Kreditgeschäfte eine Bank falsch informiert haben. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart sieht entsprechende Vorwürfe als stichhaltig genug an und brachte die Anklage im März auf den Weg.

Härter wies damals alle Anschuldigungen zurück. Er sehe dem Verfahren "mit großer Gelassenheit entgegen", ließ er mitteilen. Anfang März wurde der Ex-Manager von Anne Wehnert vertreten - einer Expertin für Wirtschaftsstrafrecht etwa bei den Schwerpunkten Korruption, Untreue, Betrug, oder Insiderhandel. Sie promovierte auf dem Gebiet Strafprozessrecht und arbeitet als Partnerin für die Düsseldorfer Sozietät tdwe. Am Dienstag war sie nicht zu erreichen.

Neben Härter droht nach wie vor auch Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking eine Anklage. Gegen ihn laufen weiterhin Prüfungen wegen des Vorwurfs der Untreue und Marktmanipulation. Die Anklage gegen Härter war nur ein erster Zwischenstand. Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft dauert es noch, bis alle Ergebnisse feststehen.

Wiedeking und sein Finanzchef Härter hatten das Unternehmen im Sommer 2009 verlassen müssen. Um das Ergebnis ihrer damaligen Arbeit drehen sich inzwischen zahlreiche nationale und internationale Investorenklagen, bei denen es teils im Milliardenforderungen geht. Anlager fühlen sich rückblickend fehlinformiert und betrogen.

Nach dpa-Informationen führt der junge Staatsanwalt Reto Woodtli die jetzt zugelassene Anklage wegen Kreditbetruges gegen die drei beschuldigten Porsche-Manager. Der Leiter der zuständigen Hauptabteilung IV, Hans Richter, betraute den 33-Jährigen mit dem Verfahren - ein prestigeträchtiger Fall, immerhin geht es um ein Kapitel aus einem der spannendsten deutschen Wirtschaftskrimis. Woodtli studierte von 1999 bis 2005 Rechtswissenschaften an der Uni Passau und in den USA. Er promovierte über Bilanzfragen bei verschachtelten Aktiengesellschaften - eine Konstellation, die nach der gescheiterten Übernahme auch zwischen Porsche und VW herrscht.

Härter soll falsche Zahlen vorgelegt werden

Der Vorwurf gegen Härter lautet im Detail so: Im März 2009 musste die Porsche-Holding (PSE) mit einer Anschlussfinanzierung einen 10-Milliarden-Euro-Kredit ablösen. Beteiligt war die BNP Paribas, ein großer Firmenfinanzierer. Dabei wollte die Bank natürlich vorher die Risiken in den Porsche-Büchern sehen. Doch entscheidende Angaben in der Korrespondenz mit dem Kredithaus - so die Staatsanwaltschaft - waren falsch oder verheimlicht worden. Dabei geht es um komplizierte Geldgeschäfte in der Porsche-Strategie, nach und nach zur Macht bei dem viel größeren VW-Konzern zu greifen, was am Ende scheiterte.

Für den Übernahmeversuch hatte sich Porsche Kaufoptionen auf VW-Stammaktien gesichert. Werden diese eingelöst, kostet das - die Anrechte waren also ein schlummernder Finanzbedarf, der bei den Kreditverhandlungen auf den Tisch gehört hätte. 4,1 Milliarden Euro Bedarf standen offiziell im Raum, doch laut Berechnungen der Ankläger waren das 1,4 Milliarden Euro zu wenig. Zudem habe Härters Team eine eventuelle Verbindlichkeit, sogenannte short puts, verschwiegen. Es geht dabei um eine Stückzahl von 45 Millionen Optionen, die Porsche je nach Kursentwicklung gut 100 Millionen Euro hätten kosten können.

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