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VW Race Touareg

Tracktest mit dem Dakar-Rallye-Auto

VW Race Touareg, Dakar-Siegerauto Foto: Sabine Hofmann 10 Bilder

Der Reifeprozess des VW Race Touareg dauerte fünf Jahre. Dann aber war es so weit: Erstmals gewann ein Diesel die Dakar-Rallye. Exklusive Testfahrt im 280 PS starken Siegerauto von Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz.

02.08.2009 Claus Mühlberger Powered by

Nicht mal eine kaputte Bandscheibe konnte ihn stoppen. Denn Giniel de Villiers hatte das ganz große Ziel vor Augen - den Sieg bei der Dakar-Rallye. Jenem Triumph, dem Volkswagen Motorsport seit 2004 vergeblich hinterherlief.

"Das Kreuz hat ganz schön wehgetan", räumte de Villiers später ein. Während der Rallye ließ sich der Südafrikaner nichts von seinen Schmerzen anmerken: "Außerhalb des Teams wusste niemand davon." Am 17. Januar war erst mal Party angesagt: Eskortiert von Polizeimotorrädern und beklatscht von einer halben Million Fans führte der Triumphzug durch Buenos Aires zum Ziel der Dakar vor der Opera Pampa. Das 90-köpfige VW-Team feierte den Doppelsieg durch de Villiers mit Copilot Dirk von Zitzewitz und Mark Miller samt Co Ralph Pitchford. Sportchef Kris Nissen atmete auf: "Jetzt weiß ich, wie sich eine Elefantendame fühlen muss, wenn sie zwei Jahre schwanger ist."

Der ungeduldige Däne spielte auf die Dakar-Rallye 2007 an. Schon damals waren die Race Touareg die Schnellsten im Feld. Doch wegen Schwierigkeiten mit der Zuverlässigkeit flutschte VW der Sieg durch die Finger. Und 2008 wurde die Dakar-Rallye wegen Sicherheitsproblemen in Mauretanien kurzfristig abgesagt – wieder eine Chance weniger, um zu zeigen, wer den besten Wüstenrenner baut.

VW fährt weiter die Dakar, mit verstärktem Team

Wenige Wochen nach dem Happy End in Argentinien verkündete VW-Chef Martin Winterkorn: "Wir fahren auch 2010 wieder." Sportchef Nissen sorgte umgehend für eine weitere Verstärkung des Fahrerkaders: Nasser Al-Attiyah aus Katar, der mit seinem BMW X3 in der ersten Woche der Rallye mit drei Tagessiegen für Aufsehen gesorgt hatte, kehrte dem Quandt-Team den Rücken und unterschrieb bei VW.

Nach dem ersten Rendezvous bei einem Test in der ungarischen Puszta war Al-Attiyah restlos begeistert von seinem Arbeitsgerät. "Nasser hatte schon nach der ersten Runde ein ganz breites Grinsen im Gesicht", so Eduard Weidl. Der technische Projektleiter von VW Motorsport darf dies durchaus als Kompliment für die Anstrengungen der letzten Jahre werten: "Wir haben sehr viel Feinarbeit erledigt, die man auf den ersten Blick nicht sieht."

Weiterentwicklungen unter dem Blech

Rein äußerlich hat sich der Race Touareg seit 2004 kaum verändert. Nur wer ganz genau hinschaut, sieht, dass die Fronthaube etwas niedriger wurde, dass die Fahrercrew nun etwas weiter vorne sitzt oder dass das große Heckteil nun sekundenschnell abzunehmen ist. Dass der Schwerpunkt um 35 Millimeter tiefer liegt als 2004, ist von außen natürlich nicht zu erkennen. Und schon gar nicht, dass der hinter der Vorderachse eingebaute Fünfzylinder-TDI-Motor mehrere Upgrades erhalten hat: 2,5 Liter statt 2,3 Liter, vier statt zwei Ventile pro Zylinder und vor allem die aufwendige Stufenaufladung durch einen kleinen und einen großen Turbolader. 2004 schob der TDI mit maximal 400 Newtonmetern an, jetzt räumt man bei VW selbstbewusst "mehr als 600 Nm" ein.

Der TDI lebt vom Drehmoment

Das Hochplateau des Drehmoments verhilft dem TDI zu höchst angenehmen Manieren: Untermalt von zornigem, jedoch nicht übermäßig lautem Brummen und dem Zischen der Turbos legt sich der 280 PS starke Fünfzylinder sehr wacker ins Zeug. Ganz unten im Drehzahlkeller ist nicht allzu viel los, aber das verhält sich bei Serien-TDI auch nicht anders. Zwischen 2.000 und 4.500 Umdrehungen jedoch schnalzt die Drehzahl hurtig hoch. Eine grelle Schaltlampe mahnt den Gastfahrer zum Nachladen des nächsthöheren Gangs. Im Race Touareg funktioniert dies nach der Hauruck-Methode, durch Ziehen am gewaltigen, halbmeterlangen Schaltstock. Der linke Fuß hat dabei Ruhe. "Nur beim Anfahren und beim Zurückschalten in den Ersten musst du kuppeln", hatte VW-Werksfahrer Dieter Depping vor dem Testritt erklärt.

Der Race Touareg stürmt in 6,1 Sekunden auf 100 km/h, eine Klimaanlage sorgt für Kühlung

6,1 Sekunden hat VW für den Spurt auf 100 km/h gemessen. Nicht übel bei einem üppigen Startgewicht von rund 2,2 Tonnen: Knapp 1.800 Kilogramm muss der Race-Touareg reglementsbedingt wiegen, dazu kommen 150 für die Crew und 250 Kilo für den Diesel. Trotz seiner Korpulenz lässt sich der Race Touareg spielerisch leicht dirigieren. Anpendeln des Hecks vor Spitzkehren? Kein Problem. Dank der sehr direkten Lenkung ist es geradezu ein Kinderspiel, das lebhafte Heck schnell wieder einzufangen. Auf der anderen Seite zeigt sich der Race Touareg erfreulich spurstabil, selbst wenn es mit 190 km/h über sanft geschwungene Schottersträßchen geht. Wer dabei trotzdem ins Schwitzen kommt, schaltet die Klimaanlage ein. Bei Sprüngen neigt der Touareg dazu, mit dem vorderen Kennzeichen zuerst zu landen. "Leider erlaubt das Dakar- Reglement nur 250 Millimeter Federweg", bedauert Techniker Weidl. "Sonst könnte man das Auto noch besser abstimmen."

Der Race Touareg hat kaum Ähnlichkeit mit der Serie

Bleibt nur noch eine Frage zu klären: Warum sieht der Race Touareg dem Serien-Touareg so gar nicht ähnlich? 2003 habe der damalige Vorstand zwar Mut bewiesen, als er das Projekt "Dakar" vorantrieb, so ein Team-Insider. "Aber dann bekamen die Herren wohl doch kalte Füße." Vorsichtig fragte man sich in der Beletage: "Was ist, wenn wir die Dakar nicht gewinnen? Beschädigt dies das Image des Touareg?" Daher gab man ein eher neutrales Design in Auftrag. Es war die falsche Entscheidung – zumindest aus heutiger Sicht.

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