VW-Sparkurs: Gewerkschaften machen mobil

Angesichts des verschärften Sparkurses bei Volkswagen hat die Gewerkschaft IG Metall ihren Widerstand gegen Werksschließungen deutlich gemacht. "Die Schließung von Werken der Volkswagen AG kommt für die IG Metall unter keinen Umständen in Frage", sagte Bezirkschef Hartmut Meine am Donnerstag (25.8.) in Hannover.

Allerdings gebe die aktuelle Entwicklung bei VW "Anlass zur Sorge". Hintergrund sind Äußerungen von Konzernchef Bernd Pischetsrieder über die Zukunft von VW und der gesamten Autoindustrie in Westeuropa.

Meine sagte, Spekulationen über Werksschließungen bei Volkswagen entbehrten "jeglicher Grundlage". In der niedersächsischen Landesregierung hieß es, das Thema stehe "nicht auf der Tagesordnung". Das Land Niedersachsen ist größter VW-Anteilseigner.

Pischetsrieder hatte am Mittwoch auf einer Analystenkonferenz in London auf dringend notwendige Kostensenkungen besonders an den europäischen VW-Standorten gepocht. Diese seien noch weit davon entfernt, profitabel in die USA und andere Märkte zu exportieren. Dies sei das zentrales Thema, die Kostenstruktur sei aber zu hoch. "Das Problem, dass wir nicht profitabel aus Europa exportieren können, ist nicht nur ein Problem von Volkswagen, sondern der gesamten europäischen Autoindustrie." In diesem Zusammenhang hatte der VW-Chef indirekt auch die Zukunft von Standorten in Frage gestellt.

VW müsse seine Personalkosten schneller senken als geplant, hatte Pischetsrieder zudem gesagt. Bei den Personalkosten war es bisher das Ziel des Unternehmens, diese bis 2011 um zwei Milliarden Euro zu senken. Dies müsse früher erreicht werden, forderte der Konzernchef. Möglichkeiten seien eine Senkung der Löhne, ein Personalabbau oder sogar beide Maßnahmen in Kombination. Insgesamt will der VW-Konzern in den kommenden drei bis vier Jahren rund zehn Milliarden Euro einsparen. Bis 2008 soll das Konzern-Vorsteuerergebnis um vier Milliarden Euro verbessert werden.

IG Metall: Abgeschlossene Tarifverträge sind einzuhalten

Meine sagte, die IG Metall nehme die Äußerungen und Überlegungen von Volkswagen "ernst", den eingeschlagenen Sparkurs vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Probleme weiter zu verschärfen. Überlegungen, zur Lösung der Probleme auch zum Mittel des Personalabbaus zu greifen, setze der Tarifvertrag des vergangenen Jahres jedoch "sehr enge Grenzen". Danach ist die Beschäftigung in den sechs westdeutschen Volkswagen-Werken bis 2011 gesichert. Meine wies darauf hin, dass Entlassungen ausgeschlossen seien. "Abgeschlossene Tarifverträge sind einzuhalten."

IG Metall und Betriebsrat stellten sich "selbstverständlich" der Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit von VW zu verstärken, sagte Meine weiter. Dazu gehöre auch die Senkung von Kosten. "Im Mittelpunkt müssen aber die Einsparpotenziale stehen, die sich durch die Verbesserung von Abläufen und Prozessen erzielen lassen." Dazu gebe es Anknüpfungspunkte im Tarifvertrag.

Der "Berliner Zeitung" sagte Meine, er könne sich auch Abfindungsregelungen vorstellen. Ein Gewerkschaftssprecher sagte dazu aber, das Interview sei bereits vor einiger Zeit geführt worden und stehe nicht im Zusammenhang mit den jüngsten Äußerungen Pischetsrieders. Abfindungen seien "theoretisch" denkbar.

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dpa

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