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VW und Suzuki

Warten auf den Richterspruch

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Vor einem Jahr forderte Suzuki VW auf, die mit großen Hoffnungen verbundene Kapitalverflechtung wieder zu lösen. Nach heftigem Krach liegt die Causa beim Londoner Schiedsgericht. In Asien sieht sich VW nach neuen Kooperationen um.

07.09.2012 dpa

VW als "Klotz am Bein"? Der Tonfall, den Suzuki-Patriarch Osamu Suzuki vor einem Jahr zur Beschreibung seines gereizten Verhältnisses mit dem Großaktionär Volkswagen anschlug, dürfte für japanische Wirtschaftsgrößen eher selten sein. Der 82-jährige Konzernlenker hatte bei den Wolfsburgern für blankes Unverständnis gesorgt, als er - ausgerechnet zum Start der Automesse IAA am 12. September 2011 - einseitig seinen Ausstieg ankündigte.

Mögen sich Manager aus Fernost in Krisenfällen auch meist in Diplomatie üben: Dem Japaner platzte offenbar der Kragen, als die Deutschen ihn wissen ließen, ihre 19,9-prozentige Beteiligung an Suzuki definitiv nicht zurückgeben zu wollen. Doch auch in Wolfsburg grummelten die Spitzenkräfte - und warfen dem Partner ihrerseits die Verletzung des Ende 2009 geschlossenen Kooperationsvertrags vor, der Suzuki im Gegenzug zum Eigner von 1,5 Prozent der VW-Anteile machte.

Anhörung in London nicht vor Frühjahr 2013

Inzwischen scheint das Tischtuch endgültig zerschnitten, der Fall liegt vor dem Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer in London. Dort soll voraussichtlich nicht vor dem Frühjahr 2013 eine Anhörung der Streithähne beginnen. Bis es so weit ist, schwelt der Konflikt hinter den Kulissen weiter. Die gemeinsame Zukunft, die sich VW und Suzuki auf dem Wachstumsmarkt Indien und in der technischen Zusammenarbeit ausgemalt hatten, steht unter einem schlechten Stern.

Offiziell wollen die Niedersachsen selbst ein Jahr nach dem von Suzuki verkündeten Bruch keinen Kommentar zu der zerrütteten Beziehung abgeben. "Wir möchten uns jetzt nicht dazu äußern", heißt es mit Verweis auf das laufende Verfahren. Das einst euphorisch begonnene Projekt - zwischenzeitlich arbeitete eine ganze Abordnung aus Japan am VW-Stammsitz in Wolfsburg - geriet ins Stocken, weil VW Suzuki bei der Motorenbestellung Fremdgehen beim Rivalen Fiat vorwarf und Suzuki über zu wenig Einblicke in die streng geschützte Volkswagen-Entwicklung klagte. Letzteres wies VW verschnupft zurück.

Dass die Deutschen Suzuki in ihren Geschäftsberichten teils als assoziiertes Unternehmen führten, besserte die Stimmung bei den auf Unabhängigkeit erpichten Japanern nicht eben. Am Ende redeten sie offen von einer Verunglimpfung ihres Rufes. "Ich bleibe enttäuscht darüber, dass wir nicht bekommen haben, was uns versprochen wurde", wetterte Osamu Suzuki. VW ließ die Verbalattacke nicht auf sich sitzen: "Es gibt keine rechtliche Basis, die Aktien zurückgeben zu müssen."

Relativ rasch war die Androhung juristischer Schritte im Raum. Der ursprünglich vor allem für die Suzuki-Kooperation verpflichtete Ex-Opel-Chef Hans Demant soll sich bei VW mittlerweile um andere Themen der "internationalen Zusammenarbeit" kümmern. Und dazu gehört auch die Suche nach alternativen Partnern in Süd- und Ostasien.

Nur fünf Prozent Marktanteil in Indien 2011

Einerseits kommen die Ausbaupläne der Wolfsburger etwa in Malaysia mit dem einheimischen Anbieter Proton voran. Sogar unbestätigte Kaufpläne machten hier die Runde. Das Know-how des Kleinwagenspezialisten Maruti in Indien wird aber wohl vorerst bei Suzuki allein bleiben. 2011 kamen die deutschen Autobauer in dem Schwellenland insgesamt nur auf einen Marktanteil von fünf Prozent.

Dabei ist der Bau eines echten Billigwagens für Indien nach Einschätzung vieler Branchenkenner genau das, was VW noch fehlt. Stattdessen könnte sich möglicherweise der europäische Erzrivale Fiat mit den japanischen Kollegen zusammentun, schätzt der Autoexperte Stefan Bratzel: "Suzuki oder Mitsubishi wären interessante Partner."

Zwar läuft es für VW in Asien im Gegensatz zum krisengeplagten Westeuropa weiterhin rund. In der gesamten Region konnte der nach General Motors und Toyota drittgrößte Autokonzern im ersten Halbjahr seinen Absatz um 17,6 Prozent steigern. Heimische Konkurrenten liefern sich auf dem Kontinent jedoch ein aggressives Wettrennen mit Europäern und Amerikanern. Als die VW-Tochter Audi im Sommer beim italienischen Motorradbauer Ducati einstieg, soll dies die Japaner Berichten zufolge ebenfalls vergrätzt haben: Volkswagen werde nun zu einem direkten Konkurrenten für das starke Suzuki-Motorradgeschäft.

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