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VW-Vertriebschef

2011 die Nummer 2 der Welt

Detlef Wittig Foto: VW

VW-Vertriebschef Detlef Wittig spricht mit auto-motor-und-sport-Redakteur Harald Hamprecht über den Wettlauf mit Toyota um die Nummer-1-Position in der Weltrangliste der absatzstärksten Automobilhersteller.

11.03.2009 Harald Hamprecht

Herr Wittig, Sie sind der dienstälteste Vertriebsvorstand der Branche. Wie schätzen Sie den weiteren Verlauf der Automobilmärkte ein?
Detlef Wittig: Derzeit treffen drei Dinge  zusammen: der konjunkturelle Abschwung, die Finanz- und Kredit-Krise sowie  die strukturelle Veränderung der Segmente, sprich der Trend zum Downsizing der Autos und Motoren. So eine Krise hatten wir seit Ende des 2. Weltkriegs Jahren nicht. Und deswegen gibt es auch keine präzise Prognose, wie es weitergeht. Uns trifft die derzeitige Situation allerdings nicht so hart wie den Wettbewerb.

Warum?
Detlef Wittig: Unsere Produktneuheiten kommen zum perfekten Zeitpunkt. Skoda bringt den Yeti, Seat den Ibiza, Audi kommendes Jahr den A1 – und bei VW stehen wir am besten da: Der neue Golf kam 2008, der Polo folgt dieses Jahr und der noch kleinere Up Ende 2010 – mit einem Produktionsstandort in Osteuropa und einem weiteren für die Emerging Markets außerhalb Europas. Eine solche Pipeline ist nicht selbstverständlich.
 
Dennoch musste auch VW jüngst Kurzarbeit anmelden, zum ersten Mal seit 25 Jahren in Deutschland. Betroffen waren 60.000 der 92.000 deutschen Mitarbeiter. Wie geht es hier weiter.

Detlef Wittig: Die internationale Marktlage hat die Woche Kurzarbeit notwendig gemacht. Die überraschend gute Entwicklung in Deutschland gleicht die dramatischen Einbrüche an anderer Stelle jetzt etwas aus. Wir steuern trotzdem weiter auf Sicht und überprüfen unsere Absatz- und Produktionsplanungen regelmäßig.
 
Wie entwickelt sich Ihr Absatz?
Detlef Wittig: Der Weltautomobilmarkt für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ist im Januar um 24 Prozent eingebrochen – und im Februar um 23 Prozent – nach heftigen Rückgängen im Oktober, November, Dezember. Das ist schon hart. Wir sind mit dem Konzernabsatz zwar ebenfalls rückläufig, aber eben nur um die Hälfte dieser Werte.

Wie geht es mit der Gesamtmarktentwicklung weiter?
Detlef Wittig: VW-Konzernchef Martin Winterkorn sagte Ende Dezember, dass der Weltmarkt 2009 um 20 Prozent zurückgehen wird. Dieser Rückgang bezog sich auf das Jahr 2007 mit rund 60 Millionen Fahrzeugen. 2008 waren wir schließlich bei rund 55 Millionen und 2009 werden wir deutlich unter 50 Millionen landen.
 
Was heißt "deutlich"?
Detlef Wittig: Wenn ich die Monate Januar und Februar in Betracht ziehe und extrapoliere, dann geht es in Richtung 46, 47 Millionen. Bei einer Erholung zum Jahresende sehe ich bestenfalls 49 Millionen. In dieser Bandbreite bewegen wir uns mit unseren Planungen.
 
Und wie schlägt sich VW?
Detlef Wittig: Der VW-Konzern hat im Februar ein Minus von 8,5 Prozent verbucht – im Vergleich zum 23 Prozent-Minus des Marktes. Von Januar bis Februar ging unser Absatz um 15 Prozent zurück, bei einem Rückgang des Weltmarktes um rund ein Viertel. Damit haben wir wieder Marktanteile gewonnen.

Welchen Absatz erwarten Sie nun im Gesamtjahr?
Detlef Wittig: Wenn der Markt im Vergleich zu 2008 um 15 bis 17 Prozent zurück geht, erwarte ich für den VW-Konzern einen Rückgang von rund 10 Prozent.
 
Wie werden sich die Weltmarktanteile verändern?
Detlef Wittig: Toyota ist heute noch bei knapp über 12 Prozent und GM etwas unter 12 Prozent.  Der VW-Konzern steht bei 10,5 bis 11 Prozent. Ford hatten wir 2008 überholt. Und wenn wir voran gehen wie bisher, werden wir pro Jahr 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte gewinnen. GM wird – angesichts der Sanierung – voraussichtlich deutlicher an Volumen verlieren. Dann könnten wir in zwei, drei Jahren die Nummer zwei der Welt sein. Dass dies so schnell passiert, hätten wir selbst nie gedacht.
 
Sie bleiben demnach auch bei Ihren Langfristzielen?
Detlef Wittig: Es gibt keinen Grund, an der Strategie 2018 zu rütteln. Denn wir glauben nicht, dass die Krise zehn Jahre lang dauern wird.
 
Sondern?
Detlef Wittig: Weniger als drei Jahre wird die Krise nicht dauern. Es könnte aber durchaus auch bis zu fünf Jahren werden, um auf ein Niveau von 2007 zurückzukehren. Wir sind darauf vorbereitet. Weil wir uns bis Mitte 2008 auf einem Wachstumspfad befanden, der mittelfristig sogar einen Ausbau der installierten Kapazitäten erfordert hätte, müssen wir heute keine Werke schließen, wie andere Hersteller. Im Gegenteil. Da wir in den bestimmten Regionen weiter wachsen wollen, brauchen wir auch dort jeweils Kapazitätserweiterungen.
 
Wie Ihr US-Werk Chattanooga?
Detlef Wittig: Genau, und dort bauen wir ab 2011 den New Midsize Sedan (NMS).
 
Was noch?
Detlef Wittig: Das Werk ist in erster Linie für dieses Modell gebaut. Denn der Jetta-Nachfolger, den wir intern New Compact Sedan nennen, wird weiterhin in Mexiko gebaut werden.

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