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VW will radikal neue Tarifstrukturen

Zehn Jahre nach Einführung der Vier-Tage-Woche bei VW will der Autobauer seinen Tarifvertrag für die mehr als 100.000 Beschäftigten in Deutschland radikal umbauen.

30.09.2003

Künftig müsse Leistung bei der Vergütung stärker berücksichtigt werden, bei der Arbeitszeit müsse auf den Wettbewerb und die demographische Entwicklung reagiert werden, sagte VW-Personalvorstand Peter Hartz am Dienstag (30.9.) in Wolfsburg.

Ziele der Neugestaltung seien ein "einfacher gemeinsamer Entgelttarifvertrag ohne Trennung zwischen Lohnempfängern und Angestellten", ergebnisorientierte Elemente bei der Bezahlung sowie eine "demographische Arbeitszeit mit einem Gesundheitsbaustein", sagte er. VW werde dies bei den Gesprächen um den Entgelt-Rahmentarifvertrag Ende der Woche zum Thema machen, kündigte Hartz an.

Job-Familien als Grundmodell

Die Antwort von VW auf die Anforderungen der Zukunft seien die "Job-Familien", sagte Hartz. "Sie definieren sich als Tätigkeiten und Funktionen, die inhaltlich, organisatorisch oder prozessual mit einander verwandt sind. Es werden sich künftig solche Kompetenzgemeinschaften bilden - vom Schweißer bis zum Prozessingenieur."

Hartz sagte, die Vergütungsstrukturen bei VW könnten "radikal vereinfacht werden. 3.500 Arbeitssysteme bei VW werden überholt sein." In den Job-Familien solle es drei Grundstufen der Qualifikation geben: Pooljobs für einfachere Arbeiten, Kernjobs für höhere Qualifikation und Topjobs. Alle Stufen sollten ein festes Grundgehalt bekommen. "Alle Beschäftigten erhalten einen persönlichen und einen vom Unternehmenserfolg abhängigen Bonus."

Auch an die Arbeitszeiten will Hartz Hand anlegen. "Wir müssen uns auch zum Thema Arbeitszeit neu aufstellen." Aus Gründen des Wettbewerbs müssten am Hochkostenstandort aus Fixkosten variable Kosten werden, sagte Hartz, "wir müssen die Anwesenheit im Unternehmen neu definieren und aufteilen in Arbeitszeit, Qualifizierungszeit, Kommunikationszeit und Gesundheitszeit."

Gewerkschaften sind gesprächsbereit

Hinzu komme die demographische Entwicklung. Sie "führt uns zu einer gestuften, flexiblen Arbeitszeit zwischen 40 und 30 Stunden pro Woche - mit einem zu vereinbarenden Lebensdurchschnitt", sagte Hartz. Arbeitszeiten seien nicht politisch zu lösen, "sondern über die Auftragssituation. Und wenn wir uns geeinigt haben, ab welcher Stundenzahl Zuschläge gezahlt oder Gegenleistungen erbracht werden, ist das Problem Ost und West gelöst."

Die IG Metall signalisierte Gesprächsbereitschaft. Über die demographische Lebensarbeitszeit sei aber nur auf der Basis der bei VW geltenden Vier-Tage Woche mit 28,8 Stunden zu reden, sagte der IG Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine. Diese Art Lebensarbeitszeitkonto sei eine "denkbare Möglichkeit. Darüber werden wir nachdenken und diskutieren müssen", sagte Meine. Zudem sei die Gewerkschaft offen, auch über das Modell der Job-Familien zu reden.

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