Unterschiedlicher hätten die Bilanzen zum Jahresende 2012 kaum ausfallen können: Opel muss das Ende des Werkes Bochum verkünden, VW meldet einen neuen Absatzrekord. Was im wesentlichen zwei Gründe hat: Anders als Opel ist der Konzern auf allen wichtigen Weltmärkten vertreten und hat eine umfangreiche, zeitgemäße Modellpalette mit sparsamen Motoren, cleverer Plattformstrategie und maßgeschneiderten Karosserien.
Und das Jahr 2013 beginnt mit einem neuen Paukenschlag: VW zeigt die Studie Cross Blue mit der Absicht, im SUV-Segment weiter zu wachsen – und zwar im wahren Wortsinn mit einem Tiguan im XL-Format, der 2015 zu Preisen ab rund 30.000 Euro angeboten werden könnte. Auf der Detroit Auto Show präsentierte er sich zunächst als Sechssitzer mit drei Reihen, wobei die Sitzposition ganz hinten wie in einem Kino leicht ansteigt. In der Serie wird daraus ein Siebensitzer, der sich über gewaltige 4,99 Meter Länge spannt - und zwar auf Basis des neuen quermodularen Baukastens, der damit ganz neue Dimensionen annimmt.
Passat kommt Ende 2014 auf den Markt
In der Breite misst die Mischung aus Geländewagen und Van 2,02 Meter, in der Höhe 1,73. Dazu passen die breite Spur (vorne 1,69, hinten 1,70 Meter) und die üppigen 21-Zoll-Räder. Wer sperrige Güter zu transportieren hat, der freut sich über die maximale Ladelänge von bis zu 3,11 Metern - vorausgesetzt, alle Sitze bis hin zur Lehne des Beifahrers sind umgeklappt. Das Ladevolumen variiert je nach Bedarf zwischen 335 und 2.000 Litern.
Beim Antrieb experimentiert VW weiter mit dem Plug-in-Hybrid-Konzept und kombiniert diesmal einen TDI aus der neuen Dieselmotorenreihe EA288 mit zwei E-Motoren (305 PS Systemleistung, bis zu 700 Newtonmeter Drehmoment), dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und einer elektrischen Kardanwelle. Dank der üppigen Leistung soll der Cross Blue in 7,5 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen. Aber der SUV kann auch anders - nämlich rein elektrisch voransummen. Die Lithium-Ionen-Batterie (9,8 kWh Kapazität) ermöglicht laut VW eine Reichweite von 33 Kilometern. Nach dem europäischen Zyklus für Elektro-Hybridfahrzeuge ergibt sich so ein Verbrauch von 2,1 Liter pro 100 Kilometer.
Erfolgt der Vortrieb ausschließlich über den 190 PS starken TDl, dann ist der Cross Blue als reiner Fronttriebler unterwegs. Aktiviert der Fahrer per Taste den Offroad-Modus, bekommt der vordere E-Motor Energie vom Diesel, übernimmt also die Rolle des Generators und schickt den Strom zum E-Motor an die Hinterachse – so funktioniert der Allradantrieb auch bei niedrigem Batterie-Ladestand. Rund ein Jahr vor dem XL-Tiguan rollt die konventionelle Version in neuer Form an – auf identischer Architektur, aber mit rund 4,50 Metern deutlich kleiner und nach wie vor als Fünfsitzer. Aufgrund zahlreicher Leichtbaumaßnahmen speckt er gegenüber dem erfolgreichen Vorgänger deutlich ab und erhält ein modernisiertes Motorenprogramm: Bei den Benzinern kommt der 1,4-Liter-TSI mit Zylinderabschaltung hinzu, was zusätzliches Einsparpotenzial schafft.
Die Diesel-Palette beginnt künftig mit dem frontgetriebenen 1.6 TDI (110 PS) und reicht bis zum neuen 2.0 TDI mit einfacher (150 PS) und doppelter Aufladung (184 PS), jeweils grundsätzlich mit Allradantrieb. Und neben Tiguan und dessen Langversion bleibt sogar noch Platz für eine schicke Coupé-Variante. Ende 2014 wird dann der Passat runderneuert – fast zeitgleich mit wichtigen Wettbewerbern wie Audi A4 und Mercedes C-Klasse. Sie alle dürften es gegen die VW-Mittelklasse schwer haben, denn die ist zur Zeit nach dem Golf das meistverkaufte Auto in Deutschland, gefolgt auf Rang drei vom Polo.
Noch attraktiver, wirtschaftlicher und erfolgreicher soll sie der modulare Querbaukasten machen, der dann die technische Basis für die ganze Modellpalette zwischen rund vier und 4,90 Meter Länge abgibt. Mit gemeinsamen Komponenten vom Kleinwagen bis zu großen Limousinen lassen sich sowohl Gewicht als auch Kosten sparen. VW hat damit die zeitweise diskutierte Strategie aufgegeben, den Passat wie den A4 auf einem Längsbaukasten aufzubauen.
Anders als beim Golf bedeutet der Modellwechsel beim Passat auch stilistisch einen großen Schritt. So präsentiert sich die Front mit einer stärker betonten Horizontalen und das Heck mit kirschroten Leuchten. Das Gepäckabteil von Limousine und Variant wächst um rund 50 Liter Basisvolumen.
Den Neuheiten-Reigen der VW-Bestseller ergänzen 2014 die nächste Touran-Generation, die ebenfalls in zwei Radstandsversionen angeboten werden soll, und ein Facelift für den Polo, von dem zusätzliche Ableger geplant sind. Denn neben dem kleinen SUV Taigun auf Up-Basis (Verkaufsstart vermutlich 2015) wird ein etwas größerer SUV auf Polo-Plattform entwickelt. Er misst in der Länge gut 4,10 Meter und richtet sich vor allem gegen die Mini-Familie mit ihren Crossover-Ablegern Country- und Paceman.
Den Anfang machen das sportliche Top-Modell GTI (220 PS) und sein Diesel-Pendant GTD (185 PS), gefolgt von Variant (August) und Golf Plus (Oktober). Der Radstand des geräumigen Variant verändert sich gegenüber dem Steilheck-Modell zwar nicht, dennoch wird der Kombi zwischen 500 und 1.500 Liter Gepäck schlucken. Der Golf Plus, der möglicherweise einen neuen Namen bekommt, soll nicht nur optisch eigenständiger und attraktiver, sondern zusätzlich mit einer besseren Ausstattung und einer flexibleren Sitzanlage ausgerüstet werden. Für Sparfüchse gibt es ab Sommer den neuen Golf Blue Motion, dessen 1.6 TDI (110 PS) mit nur 3,2 L/100 km auskommen soll.
Volkswagen setzt auf mehr LuxusvariantenGibt es eine Archillesferse bei VW? Ja, es gibt sie - die Oberklasse. Der Phaeton tut sich trotz unbestrittener Qualitäten immer noch schwer, während der Touareg durchaus ein Erfolg geworden ist. Aber die Marke gibt nicht auf, Alternativen zu BMW und Mercedes zu schaffen – und positioniert den nächsten CC noch weiter weg vom Passat, als das heute schon der Fall ist. Aus dieser Variante soll übrigens eine eigene Familie werden: Geplant ist unter anderem ein CC Sportkombi als Alternative zum Mercedes CLS Shooting Brake. Möglicherweise – aber das ist noch weit weg – soll es auf gleicher Basis auch ein viersitziges Cabrio als Konkurrenten zur offenen Mercedes E-Klasse geben. Coupéartige Ableger mit vier Türen sind übrigens bei VW in vielen Baureihen geplant: Tiguan, Golf und womöglich sogar der nächste Touareg sollen in diesen Versionen präsentiert werden.
CC schließt Lücke Die CC-Varianten schließen die Lücke zwischen dem Passat und dem Phaeton. Der Sportkombi könnte sich also über eine Länge von 4,90 Metern strecken und mit variablem Gepäckabteil sowie großer Heckklappe eine attraktive Alternative für Passat Variant-Fahrer werden. Wie andere Hersteller arbeitet VW zudem an der Verfeinerung adaptiver Fahrwerke, die kleinste Unebenheiten wirksam ausgleichen, sowie einem umfassenden Insassenschutz. Benchmark ist künftig die neue Mercedes S-Klasse mit dem innovativen Gurtbag und der Möglichkeit, Passagiere nach innen zu versetzen, falls ein Seitenaufprall droht.
Außerdem experimentiert VW mit großen Bildschirmlösungen sowie Mini-iPads auf den Rückseiten der Kopfstützen für Rearseat-Entertainment. Antriebstechnisch halten ebenfalls der 1,4-Liter-Turbo-Benziner mit Zylinderabschaltung sowie die neuen Dieselmotoren Einzug, und wie alle VW ist auch der neue CC für den Einsatz eines Plug-in-Hybrids präpariert.
All diese VW-Modelle zeichnen sich durch ein sehr hochwertiges Cockpit mit aufwendiger Lederverarbeitung aus. Vorbild ist die Konzerntochter Bentley, an der sich künftig auch Audi unter Leitung des neuen Entwicklungs- und Ex-Bentley-Chefs Wolfgang Dürheimer stärker orientieren will.
Ab Sommer gibt es den VW Cross UpAuf den Cross-Up müssen die Kunden nicht so lange warten, er kommt bereits im Herbst auf den Markt. Gegenüber der Normalversion kennzeichnen ihn eine um 15 Millimeter erhöhte Bodenfreiheit, Radläufe und Schwellerverbreiterungen in anthrazitfarbenem Kunststoff, eine Dachreling sowie ein Unterfahrschutz. Stärkere Motoren oder gar Allradantrieb sind jedoch einstweilen für den 3,50-Meter-Zwerg nicht vorgesehen: Es bleibt beim Einliter-Dreizylinder mit 60 und 75 PS.
Den E-Up, der ab Jahresende in den Verkauf geht, wird es in dieser rustikalen Optik nicht geben, denn die geht - wenngleich nur minimal - zu Lasten der Aerodynamik und des Verbrauchs. Es handelt sich hier um das erste Elektro-Auto von VW in Serie, das etwas günstiger als der Smart Fortwo ED (ab rund 19.000 Euro plus monatliche Batterie-Miete) angeboten werden, über rund 150 Kilometer Reichweite verfügen und bis 130 km/h schnell sein soll.
Der 60 kW starke E-Motor verfügt über ein maximales Drehmoment von 210 Newtonmetern und beschleunigt in 14 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Lithium-Ionen-Akkus aus der Kooperation mit Sanyo lassen sich an der normalen Steckdose innerhalb von rund fünf Stunden aufladen; wer einen Schnellladeanschluss zu Hause hat, benötigt nur 30 Minuten. Gegenüber dem konventionell angetriebenen Modell wiegt der E-Up wegen der schweren Batterien rund 250 Kilogramm mehr, während der Kofferraum mit 251 Litern nahezu unverändert groß bleibt. Denn durch die Anhebung des Wagenbodens um einige Millimeter nehmen die Akkus kaum Platz weg.
Der Antriebsstrang weist übrigens diverse Gleichteile mit dem neuen "Bugatti unter den Sparmodellen" auf, wie das künftige Ein-Liter-Auto scherzhaft VW-intern genannt wird. Denn das in einer Kleinserie von nur 50 Stück gebaute Super-Sparmobil XL1 enthält derart aufwendige Komponenten, dass es zu realen Kosten kaum einen Kunden finden dürfte. Deshalb soll es den Zweisitzer ausschließlich zu speziellen Leasingkonditionen
geben.
Öko- und Spaßvarianten 2014 rollt VW seine E-Auto-Initiative auch auf den Golf aus, doch allzu hoch sind die Erwartungen im Vorstand nicht, dass er mit diesem Antrieb ebenfalls zum Bestseller wird. Eine höhere Nachfrage erwartet VW-Chef Martin Winterkorn dagegen für die Plug-in-Hybride sowie die Erdgasmodelle. Ab September gibt es deshalb den Golf Ecofuel zu kaufen, der besonders für das Flottengeschäft interessant sein dürfte.
VW Golf R mit 300 PS steht auf der IAA 2013
Auf der IAA 2013 geht außerdem die rund 300 PS starke Sportversion Golf R mit Allradantrieb an den Start, denn diese Klientel will VW natürlich nicht verlieren. Auf sie zielt auch das Coupé Scirocco, das sich besser verkauft als erwartet und im Herbst 2013 mit einer Modellpf lege technisch und optisch auf den neuesten Stand gebracht wird.
Wer allerdings schon von der Cabrio-Version des Golf VII träumt, muss sich noch ein bisschen gedulden: Erst im Jahr 2015 ist die Zeit reif für den offenen Viersitzer mit dicker Stoffmütze, der dann sowohl das aktuelle Modell wie den Eos mit Stufenheck und Hardtop ablösen soll.




