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VW-Zukunft

"Die Jobs sind sicher – auch 2010“

Foto: dpa 71 Bilder

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh spricht mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht darüber, wie die weltweit 360.000 Arbeitsplätze gesichert werden sollen, und welche weiteren Herausforderungen mittelfristig auf den Konzern zukommen – wie etwa die Integration von Porsche.

04.11.2009 Harald Hamprecht

Herr Osterloh, die Übernahmeschlacht von Porsche ist gewonnen, die Tarifeinigung in der Tasche, weltweit schlägt sich VW besser als die Konkurrenz und wird vielleicht früher als erwartet Toyota einholen. Was sind die größten Herausforderungen, die Sie kurz- bis mittelfristig vor sich sehen, um die Interessen der weltweit 360.000 Mitarbeiter bestmöglich zu wahren?
Osterloh: Unser Thema Nummer eins ist immer die Sicherung von Standorten und Beschäftigung. Da sind wir erfolgreich unterwegs, weil wir uns besser in der Krise behaupten als andere. Wir wollen deshalb auch zeitnah, spätestens im nächsten Jahr, mit dem Unternehmen den Beschäftigungssicherungstarifvertrag, der 2011 auslaufen würde, verlängern. Nehmen Sie unsere Kollegen in Wolfsburg. Die mussten dieses Jahr richtig kräftig anpacken, um die Lieferzeiten für die Kunden möglichst kurz zu halten.

Wie wollen Sie das erreichen?
Osterloh: Wir haben allein in diesem Jahr in Wolfsburg insgesamt 44 Sonderschichten mit dem Unternehmen vereinbart. Davon stehen uns noch acht bis Weihnachten ins Haus. Und wegen der guten Kundennachfrage wird auch die Weihnachtspause nur kurz sein. Der erste freie Werktag ist der 21. Dezember. Und am 4. Januar geht es schon wieder los.

Wie wird VW dieses Jahr in Deutschland abschneiden?
Osterloh: Wir haben uns in Deutschland bislang, auch durch die Umweltprämie, gut geschlagen. Und Marktanteile dazu gewonnen. Das liegt daran, dass wir einfach die richtigen Produkte am Start haben. Nehmen Sie unsere Blue-Motion-Modelle. Ich gehe also davon aus, dass wir uns auch weiterhin erfolgreich am Markt behaupten werden.

Ihr oberstes Ziel ist es, einen Stellenabbau bei VW zu verhindern. Welcher Marktrückgang ist dabei noch verkraftbar? Mit anderen Worten: Wie stark könnte der Markt 2010 rückläufig sein, damit Einschnitte bei der Belegschaft drohen?
Osterloh: Die VW-Jobs sind sicher. Auch 2010. Uns geht es, wie gesagt, besser als unseren Mitbewerbern. Es gibt bei Volkswagen keinen Grund, sich um die Beschäftigung Sorgen zu machen. Daran arbeiten Betriebsrat und Unternehmen kontinuierlich. Vorstand und Arbeitnehmervertreter haben sich darauf geeinigt, dass Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung gleichrangige Unternehmensziele sind. Das nehmen beide Seiten sehr ernst.

Die Belegschaft von VW steht vor einer neuen Ära. Sie soll am Konzernkapital beteiligt werden. In welcher Höhe?
Osterloh: Wir werden sicherlich klein einsteigen. Und streben langfristig einen Anteil von ein bis fünf Prozent an. Wir haben da aber aktuell keinen Druck. Wir müssen uns jetzt erst mit anderen Themen beschäftigen. Aktuell diskutieren wir mit dem Vorstand über die Investitionen für die nächsten Jahre.

In welcher Form sollen die Mitarbeiter beteiligt werden?

Osterloh: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie das Aktienpaket gehalten werden kann. Beispiele sind eine Stiftung, ein gemeinnütziger Verein oder ein genossenschaftliches Modell. Wir gucken uns derzeit alle an. Ich persönlich bin für ein Stiftungsmodell, weil es eine langfristige Geschichte ist.

Was sind die wichtigsten Themen der nächsten Aufsichtsratsitzung?

Osterloh: Die Planungsrunde steht auf der Agenda: Wie stellt sich der Konzern in den nächsten drei Jahren auf, was passiert die kommenden fünf Jahre. Welche Fahrzeuge wollen wir in den Markt bringen, an welchen Standorten? Welche Investitionen wollen wir dafür tätigen?

Stimmt es, dass der VW Golf Variant ab 2012 wieder in Deutschland gebaut werden könnte, genauer gesagt in Wolfsburg oder Zwickau, statt im mexikanischen Puebla?
Osterloh: Das sind derzeit alles Spekulationen. Der Golf-Variant wird von unseren Kollegen in Mexiko gebaut. Und er wird dort nicht weggehen, wenn es keine alternative Auslastung für unser mexikanisches Werk gibt. Aber derzeit gibt es darüber auch gar keine Diskussionen.

Wie läuft die Integration von Porsche in den VW-Konzern?

Osterloh: Die Zusammenarbeit zwischen Porsche und Volkswagen läuft jetzt wieder rund. Und zwar auf allen Ebenen: zwischen den Betriebsräten ebenso wie auf Führungsebene. Bei der gemeinsamen Produktentwicklung gab es ohnehin noch nie Schwierigkeiten, wie das erfolgreiche Beispiel VW Touareg, Porsche Cayenne, Audi Q7 zeigt.

Welche Bedeutung hat das Geschäft mit Lichtblick, sprich die von VW gelieferten Motoren für Minikraftwerke in heimischen Kellern?
Osterloh: Die Kooperation mit Lichtblick ist ein schönes Beispiel für das, was wir als Betriebsrat schon lange vom Vorstand fordern. Das weltweite Wachstum in der Automobilindustrie findet in den kommenden Jahren größtenteils auf Märkten wie China, Indien und Russland statt - und nicht in Westeuropa. Es kommt aber darauf an, auch die Beschäftigung in den deutschen VW-Werken langfristig zu sichern. Gerade vor dem Hintergrund, dass wir zur Sicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit die Produktivität kontinuierlich steigern müssen. Wir fordern deshalb, dass entlang unserer Wertschöpfungskette neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Die Blockheizkraftwerke sind ein solches Geschäftsfeld. Derzeit sind dort schon 50 Kolleginnen und Kollegen am Standort Salzgitter beschäftigt. Insgesamt sollen 200 Arbeitsplätze entstehen. Wir hoffen, dass der eintretende Erfolg dem Konzernvorstand Mut macht, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

Wollen Sie Volkswagen damit zu einem Technologie-Konzern machen?
Osterloh: Das Automobilgeschäft wird immer unser Schwerpunkt bleiben. Dafür sind wir alle viel zu sehr Auto-Enthusiasten. Aber wir können unser Kerngeschäft um andere Geschäftsfelder, die zu uns passen, ergänzen, in dem wir das Wissen unserer Ingenieure nutzen. Das hilft, die Beschäftigung bei Volkswagen langfristig zu sichern.

Wie steht es um die Zukunft von VW, wenn ein Vorstandschef Martin Winterkorn irgendwann in den verdienten Ruhestand geht?
Osterloh: (lacht) Wir vertrauen hier auf das Allgemeine Gleichstellungsgesetz. Wenn die Politik schon die Rente mit 67 Jahren durchgesetzt hat, dann soll das auch für den VW-Vorstand gelten. Aber ernsthaft: Wir haben mit Sicherheit einen der begehrtesten Auto-Manager weltweit an der Spitze unseres Konzerns. Er ist ein Teamplayer, der gemeinsam mit der Belegschaft ganz an die Spitze der Automobilindustrie will. Wir als Arbeitnehmer wollen deshalb, dass er weitere fünf Jahre an Bord bleibt. Auch das ist ein Beitrag zur Beschäftigungssicherung. Wenn es allein nach mir gehen würde, dann verlängern wir den Vertrag gleich in der nächsten Aufsichtsratssitzung.

Kündigen sich sonstige Veränderungen in der Vorstandsbesetzung an?
Osterloh: Wir sind mit unserem Vorstand eigentlich derzeit ganz zufrieden. Was nicht bedeutet, dass wir nicht hier und da unsere Auseinandersetzungen hätten. Außerdem haben wir uns mit unserem Produktionsvorstand für die Marke Volkswagen, Herrn Waltl, gerade erst verstärkt. Kurzum: Derzeit gibt es da aus unserer Sicht aktuell keinen Veränderungsbedarf.

Themenwechsel: Spüren Sie schon Druck gegen die Mitbestimmung seitens der neuen Regierung? Oder irgendeine soziale Kältewelle?
Osterloh: Bisher kann ich davon nicht sprechen. Auch wenn wir das gerade mit Blick auf die FDP genau im Auge behalten werden. Die Bundesregierung weiß: Die Arbeitsplätze, die wir jetzt verlieren, werden wir nach der Krise nie wieder etablieren können. Um sie zu halten braucht es eine starke Mitbestimmung der Arbeitnehmer. Ich setze da vor allem auf die Bundeskanzlerin. Frau Merkel hat Verständnis für die Anliegen der Arbeitnehmer. Bei uns hat sie das beim VW-Gesetz bewiesen. Sie ist eine Frau, die zu ihrem Wort steht. Sie hat erkannt, dass das Thema Mitbestimmung sich gerade in Krisenzeiten bewährt. Wir erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie einen genauso engen Dialog mit den Arbeitnehmern sucht, wie das in den vergangenen vier Jahren der Fall war. Olaf Scholz hat sich gerade in der Krise regelmäßig mit den Betriebsratsvorsitzenden und Arbeitsdirektoren der DAX-30-Unternehmen getroffen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das wünschen wir uns auch von Herrn Jung. Da werden wir auf ihn zugehen.

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