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VW-Vertriebs- und Marketingchef Detlef Wittig

"Wir haben das Glück des Tüchtigen"

Foto: VW 71 Bilder

VW-Vertriebs- und Marketingchef Detlef Wittig spricht mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht über das Ziel, bis 2018 der absatzstärkste Automobilkonzern der Welt zu sein. Daneben sagt er, welche Modelle der Konzern noch im Köcher hat, wie die Integration von Porsche abläuft und wie das VW-Vertriebsnetz in Deutschland verkleinert werden soll.

23.09.2009

Per August hat der VW -Konzern 4,14 Millionen Fahrzeuge abgesetzt - ein leichtes Minus von zwei Prozent. Der Weltmarkt íst im gleichen Zeitraum um 14 Prozent gesunken. Diese Entwicklung dürfte Sie glücklich stimmen.
Wittig: Ja, da sind wir stolz darauf. Aber auch vorsichtig. Denn der Weltmarkt hat sich insgesamt noch nicht erholt. Grund zu ausgelassener Freude gibt es also nicht, aber immerhin Sonnenschein in einigen Märkten wie Brasilien, Indien und China.
 
Gerade China - der dieses Jahr größte Automobilmarkt der Welt - scheint dem VW-Konzern massiv Rückenwind zu geben.
Wittig: Wir sind global gut aufgestellt. Die Märkte, die im Moment anziehen, sind Märkte, in denen wir Marktführer sind: China und Brasilien. Und unser Heimatmarkt Deutschland hat dank der Umweltprämie ganz Europa temporär nach oben gezogen. Wir haben hier das Glück des Tüchtigen. Unsere Wettbewerber wie Toyota indes sind stark in Japan und USA, das heißt die heftigen Markteinbrüche dort treffen sie besonders hart. Diese Marktsituation wird sich natürlich auch wieder ändern. Darauf bereiten wir uns aber intensiv vor.

Wann wird sich der einst größte Automobilmarkt - die USA - wieder erholen?
Wittig: In den USA wird das Niveau aus dem Jahr 2007 - sprich über 16 Millionen Einheiten - nicht so schnell wieder zurückkommen. Wir denken aber, dass der Markt in drei bis vier Jahren wieder für 12 oder 13 Millionen gut ist. Dieses Jahr wurde die "Cash for Clunkers"-Abwrackprämie so gut angenommen, dass wir unsere Prognose für den US-Markt von 9,5 Millionen Fahrzeugen erhöhen können.
 
Wie gestaltet sich die Weltmarktbetrachtung?
Wittig: Der Weltmarkt für Pkw wird von gut 55 Millionen in diesem Jahr auf etwa 49 Millionen Einheiten sinken. Bis wir wieder bei dem ursprünglichen Niveau sind, werden sicher noch drei, vier Jahre ins Land ziehen. China zieht gerade richtig an; die Frage ist nur: Boomt es so extrem weiter wie bisher, oder leitet die Regierung - wie zuletzt vor zwei, drei Jahren - konsumdämpfende Maßnahmen ein, damit die Volkswirtschaft nicht überhitzt. Wachstumsraten von 40 Prozent sind nicht unbegrenzt denkbar. Den europäischen Markt beobachten wir mit Vorsicht, denn wenn die staatlichen Hilfen auslaufen, droht ein weiterer Rückgang.
 
Der VW-Konzern will bis 2018 die Weltspitze der Branche erreichen. Können Sie uns hier nochmal die wichtigsten Eckpunkte skizzieren?
Wittig: Wir wollen unseren Konzernabsatz bis 2018 von sechs auf über zehn Millionen steigern. Unsere Kernmarke Volkswagen Pkw erwartet alleine ein Wachstum auf über sechs Millionen Einheiten. Dieses Ziel ist gesetzt - auch wenn es Wellenbewegungen im Markt gibt. Es gibt keinen Grund, an dem 2018er Ziel etwas zu ändern.
 
Ist der Zeitrahmen bis 2018 nicht sogar zu konservativ gesetzt?
Wittig: Mit unserem derzeitigen Marktanteilswachstum sind wir schneller unterwegs, als ursprünglich geplant. Wir haben aktuell einen Weltmarktanteil von 11,7 Prozent. Ob wir das Ziel früher erreichen, hängt im Wesentlichen von drei Punkten ab: erstens von der Entwicklung der Märkte, zweitens von unserer Position in Märkten, in denen wir bislang schwächer waren, sprich in Indien und den USA. Und drittens von der Ausweitung unseres Produktprogramms. Wir haben noch einige offene Felder im Portfolio, die wir füllen müssen.
 
Welche Weltmarktgröße erwarten Sie denn bis 2018?
Wittig: Wir rechnen mit rund 70 Millionen Einheiten.
 
Welche Lücken im Portfolio wollen Sie schließen?
Wittig: Da gibt es viele. Zum einen der Bereich der leichten Nutzfahrzeuge, aber auch am anderen Ende des Portfolios sehen wir Potenzial und werden deswegen ab 2011 die New Small Family einzuführen beginnen. Wir gehen hier von einem Volumen von einer halben Million Einheiten im Jahr aus. Schließlich ist das ist ein Segment, das in Emerging Markets besonders groß ist.
 
Welche Produktpläne haben Sie in den USA?
Wittig: Den Jetta-Nachfolger namens "New Compact Sedan" entwickeln wir für amerikanische Bedürfnisse; das Ergebnis geht 2010 in Mexiko in Produktion. Unsere Kapazitäten bauen wir dort gerade schon aus. Dann haben wir den New Midsize Sedan, der eben kein VW Passat ist, sondern ein für den amerikansichen Markt entwickelte und lokalisierte Mittelklasse-Limousine. Das ist ein wichtiger Baustein, um unseren US-Absatz bis 2018 von 250.000 in Richtung 800.000 zu steigern.

Warum hat Audi die Entscheidung für eine Produktion in Nordamerika vertagt?
Wittig: Audi wird eine Entscheidung treffen. Die ist im Moment schwierig, weil die Frage, welches Premiumsegment sich in den USA wie weiterentwickelt, noch nicht transparent ist.
 
Ein wichtiger Baustein ist auch die geplante Zusammenarbeit und Kapitalverflechtung mit Suzuki?
Wittig: Im Moment haben wir neun Marken. Bisher haben wir unser Multimarken-Management gut hingekriegt - übrigens als einziger Konzern der Welt. Jetzt integrieren wir erst einmal Porsche auf vernünftige Art und Weise. Daneben sind wir mit Hochdruck an unseren drei neuen Fabriken dran: der in Russland, in Indien und den USA. Suzuki ist deswegen kein Thema.
 
Wie gehen Sie in Russland mit der Krise um - in einem Markt, der zuletzt um 60 Prozent eingebrochen ist?
Wittig: Das Werk Kaluga muss hochgefahren werden. Wir haben dort eine Kapazität vorgesehen, von der wir vergangenes Jahr noch dachten, dass wir sie besser schnell verdoppeln müssen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Jetzt ergänzen wir die Fertigungspalette auf sieben, acht Modelle, auch wenn das nicht der effizienteste Weg ist. Aber wir sind zuversichtlich, dass der Markt sich wieder erholt und wir die Kapazität bald wieder voll auslasten werden.
 
Wie läuft die Integration mit Porsche?
Wittig: In der Entwicklung hat es schon viele gemeinsame Projekte gegeben. Ein strikter Erfolgsfaktor unserer Mehrmarkenführung ist, dass wir im Vertrieb exklusiv bleiben. Porsche bleibt Porsche im Handel, da muss nichts integriert werden.
 
Stimmt es, dass Sie das VW-Vertriebsnetz massiv reduzieren wollen?
Wittig: Es gilt, was wir vor einem Jahr gesagt haben. Das Handelsnetz der Automobilbranche ist in Europa insgesamt überbesetzt. In Deutschland ist es auf ein Marktvolumen von vier Millionen Einheiten ausgelegt; wir werden aber langfristig bei den rund drei Millionen Neuzulassungen bleiben. Deswegen müssen wir handeln: aber nicht mit Kündigungen und harten Einschnitten, sondern mit vernünftigen, sauber abgestimmten Vorgehensweisen. Das ist eine Evolution, keine Revolution.
 
Abschlussfrage: Heißt die VW Aktiengesellschaft bald "Auto-Union"?
Wittig: Der Name ist derzeit kein Thema.

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