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Wagoner

"Wir wollen Design- und Technologieführer sein"

Foto: GM

General Motors-Chef Rick Wagoner über das Kopf-an-Kopf-Rennen mit Toyota, seine globalen Expansionsplänen, den Antrieb der Zukunft und 4.000 Dollar-Autos.

14.09.2007 Harald Hamprecht

Herr Wagoner, es scheint, als gehe es bei General Motors langsam wieder aufwärts. Welche Ziele haben Sie für die IAA?

Wagoner: Wir wollen einen Ausblick auf die Zukunft von General Motors und Opel geben. Unser Fokus liegt dabei auf dem Produkt, genauer gesagt auf den Themen Design und Technologie. Denn innovative Produkte mit einem herausragendem Styling korrelieren stark mit finanziellem Erfolg. Das hat uns die Geschichte der Marke Opel schon Ende der 80er Jahre gelehrt, als ich in Europa gearbeitet habe. Diese Erkenntnis beeinflusst unsere globalen Investitionsentscheidungen.

Im Mittelpunkt Ihres Messeauftritts steht das Konzept eines Opel-Elektroautos namens Flextreme. Welche Strategie steht dahinter?

Wagoner: Dieses Auto ist der Beleg dafür, dass wir die umfassendste Antwort unter allen Autoherstellern geben – nicht nur zum Thema Klima-Schutz sondern auch zur Energie-Versorgung. Unsere Vision ist es, die Industrie bei der Entwicklung nach neuen umweltfreundlichen Technologien anzuführen. Denn unser Kunde soll die Freiheit der Wahl haben soll zwischen der ganzen Bandbreite an realisierbaren Technologien. Unsere Strategie ist es, neue Fahrzeuge zu entwickeln, die sich von mehreren Energiequellen antreiben lassen. Unsere Elektrofahrzeuge werden künftig von Strom angetrieben, der auf die verschiedensten Weisen regenerativ erzeugt werden kann. Gleichzeitig kombinieren wir diesen Elektromotor mit einer zweiten, nahezu beliebigen Antriebsart, um auch größere Reichweiten stemmen zu können: in den USA haben wir den Chevrolet Volt mit Elektro- und Benzinmotor gezeigt, auf der Schanghai Motor Show eine Variante mit Brennstoffzelle und hier auf der IAA mit einem Diesel-Motor.

Und diese Elektro-Modelle wollen Sie ab 2010/11 auf den Markt bringen?

Wagoner: Den Produktionsstart haben wir noch nicht genannt. Unser Ziel ist es, das Konzept so schnell wie möglich marktfähig zu machen. Entscheidend sind unsere Fortschritte bei der Batterie-Entwicklung.

Wird das Elektroauto den Hybrid mittelfristig ersetzen?

Wagoner: Wir erwarten nicht, das der Hybrid komplett überrannt wird. Vielmehr werden die meisten elektronischen Lösungen in Elektrofahrzeuge Einzug finden – und nebeneinander existieren. Deswegen setzen wir schon heute gleichzeitig auf konventionelle Hybrid-Fahrzeuge.

Wie läuft Ihre Hybrid-Kooperation mit BMW und Daimler?

Wagoner: Sehr fruchtbar. Ende des Jahres werden wir wie geplant den Chevy Tahoe und GMC Yukon mit den Ergebnissen dieser Kooperation auf den Markt bringen. Darüber hinaus diskutieren wir gerade mit unseren deutschen Partnern, in welcher Form wir diese Zusammenarbeit fortführen können.

Wo sehen Sie sich im Vergleich zum japanischen Hybrid-Pionier Toyota?

Wagoner: Schon heute haben wir drei Hybrid-Modelle auf den Markt. Bis Ende des Jahres werden es fünf sein – und damit deutlich mehr als unser japanischer Wettbewerber. In den kommenden vier Jahren bringen wir insgesamt 16 neue Hybrid-Modelle in den Markt - ein neues Angebot jedes Quartal – mit einer ganzen Bandbreite an Lösungen: von einem simplen, kostengünstigen Lösung bis zum ausgefeilten Two-Mode-System. Je nach wie sich die Markt-Nachfrage entwickelt, werden wir weiter flexibel reagieren.

Werden Sie Toyota jemals beim Hybrid-Absatz überholen?

Wagoner: Das muss der Kunde entscheiden. Da haben wir keine Prognosen. Heute macht der Hybrid nur weniger als fünf Prozent des US-Marktes aus. Wie sich der Markt künftig entwickelt, hängt nicht nur vom Angebot der Autoindustrie ab, sondern von gesetzlichen Rahmenbedingungen, Benzinpreisen und Konsumentenverhalten.

Wie sind Sie beim Thema Bio-Treibstoffe aufgestellt?

Wagoner: Bis 2012 wird die Hälfte unserer Modellpalette E85-tauglich sein, obwohl derzeit nur 1.400 der US-weit 170.000 Tankstellen E85 im Angebot haben. An erster Stelle steht aber weiterhin unser Bemühen, die bestehenden Diesel- und Benzin-Motoren zu optimieren.

Und die Brennstoffzelle gerät in Vergessenheit?

Wagoner: Im Gegenteil. Im letzten Quartal geben wir den Startschuss für eine Flotte von deutlich mehr als 100 Fahrzeugen auf Basis des Chevy Equinox, die bis Ende 2008 weltweit in Kundenhand im Einsatz sein soll – um genau zu sein in Berlin, Schanghai und den USA. Das wird die größte Fuelcell-Flotte weltweit sein. Wir halten an unserem Ziel fest, der erste Automobilhersteller zu sein, der weltweit eine Million Autos mit dieser Technologie in den Markt bringt.

Wann wird das so weit sein?

Wagoner: Das gibt es bei GM unterschiedliche Auffassungen.

Mich interessiert nur Ihre.

Wagoner: Ich gehöre der etwas zurück haltenden Fraktion an. Denn es geht nicht allein um eine Technologie, die wir entwickeln wollen und können. Wir brauchen signifikante Unterstützung seitens der Politik und Mineralölindustrie bezüglich der Wasserstoff-Infrastruktur. Das Land, das hier die Vorreiterrolle übernimmt, wird die Vorzüge als erstes genießen. Ich befürchte bloß, es werden nicht die USA sein. China scheint hier offener für dieses Thema zu sein.

Wie sieht Ihre Diesel-Strategie aus?

Wagoner: Die meisten Aktivitäten in den USA finden im Schwerlast-Bereich, bei Geländewagen und Pick-ups statt. Im Personenwagen-Segment profitieren wir von unserer globalen Stärke. Dadurch dass wir in Europa eine starke Präsenz von selbst entwickelten und produzierten Dieseln haben, können wir diese auch in Schwesterprodukten in den USA anbieten.

Das heißt die Opel-Schwestermarke Saturn wird bald mit Dieseln starten?

Wagoner: Das ist der logische Start, denn Saturn ist gegen europäische und asiatische Marken positioniert ist. Wahrscheinlich werden es aber nicht große Volumen sein. Denn der Diesel ist in den USA vom Image her historisch vorbelastet, der Treibstoff ist nicht wesentlich billiger als Benzin, die Motoren dafür aber wesentlich teurer in der Anschaffung als Benziner.

Wird auch Saab Diesel-Modelle in den USA anbieten?

Wagoner: Wir werden die Markt-Akzeptanz erst einmal bei Saturn testen. Aber es ist richtig, auch Chevrolet, Cadillac und Saab haben global gesehen Diesel-Motoren im Angebot, die wir in den USA einführen könnten.

Wie sehen Sie das generelle Kopf-an-Kopf-Rennen mit Toyota?

Wagoner: Wir wollen weiterhin Weltmarktführer bleiben. Wenn nicht, müssen wir trotzdem am nächsten Morgen aufstehen und weiter hart an unserem Markterfolg arbeiten. Unser Vorteil gegenüber Toyota ist unsere starke Position in Wachstumsmärkten, vor allem in Key Markets, wie China und Russland sowie Südamerika. In den zehn größten Märkten weltweit gewinnt GM in neun von zehn Fällen meist mit signifikanten Vorsprung. In Japan hingegen liegen wir weit zurück. Toyota hat uns dort deutlich geschlagen – mit 2,4 Millionen Verkäufen, während unsere bei gerade einmal 10 300 rangieren. In unserem Heimatmarkt USA ist unsere traditionelle Führung immer noch stark, aber weniger als in der Vergangenheit. Global gesehen hat Toyota das erste Quartal vorne gelegen, wir das zweite. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Es hängt davon ab, welche Märkte am meisten zulegen.

Vergangenes Jahr hat Toyota 8,8 Millionen Fahrzeuge abgesetzt, GM 9,2. Dieses Jahr will Toyota 9,34 Millionen, GM 9,3. Werden Sie den Titel also schon dieses Jahr verlieren?

Wagoner: Meine Kristallkugel für den globalen Weltmarkt von 70 Millionen Einheiten ist noch nicht so präzise, dass ich sagen kann, ob wir zum Jahresende 40.000 Einheiten mehr oder weniger verbuchen können. Wenn Brasilien, Russland und China weiter wachsen wie verrückt, wird das für uns von Vorteil sein. Wenn Japan plötzlich zulegen sollte, wovon ich nicht ausgehe, würde uns das heftig treffen. Es wird ein sehr knappes Rennen sein. Aber es ist für mich kein Kampf mit nur einem Rivalen. Im SUV-Markt ist unser größter Wettbewerber Ford, in Deutschland Volkswagen. Wir konzentrieren uns auf jeden Markt und jedes Segment – und den jeweiligen Wettbewerber. Toyota allein macht uns keine Gedanken. Es wäre großartig, wenn wir unser Absatzwachstum weiter steigern können. Das ist unser Plan. Und wir wollen schneller wachsen als jeder andere Wettbewerber. Wir haben keine konkrete Strategie gegen Toyota, denn Toyota ist für uns ein Wettbewerber wie Ford, Volkswagen oder Peugeot.

Toyota will 2009 rund 10,4 Millionen Fahrzeuge verkaufen – der größte Absatz einer Auto-Konzerns jemals. Ihr Ausblick?

Wagoner: Ich bin noch darauf fokussiert, das laufende Jahr richtig zu gestalten. Mit der Planung für 2008 haben wir erst begonnen. Ich sehe viele Wachstumsmöglichkeiten für uns. Vor allem nachdem wir uns stabilisiert haben und unsere Kernmarken in einigen traditionellen Kernmärkten und den USA und Westeuropa zu wachsen beginnen. In Wachstumsmärkten sind wir weltweit am besten aufgestellt – und werden in das in diesen Industrien fortsetzen. Wenn wir so weitermachen, können wir über schneller wachsen als die Branche. Endet das in 10,4 Millionen Fahrzeugen in 2009? Das ist nicht wichtig für mich. Vielmehr muss ich sicherzustellen, dass wir dort genügend Kapazitäten haben, wo wir sie brauchen, vor allem in Wachstumsmärkten. Gleichzeitig ist es wichtig für unseren langfristigen Erfolg, in saturierten Märkten wie Deutschland und USA stark zu sein, denn sie sind die Treiber neuer Technologien und Trends und bergen signifikante Gewinn-Potenziale dank höherer Preise.

Wie ist es um Ihre Kapazität bestellt?

Wagoner: Weltweit betrachtet fahren wir - auf Zwei-Schicht-Basis - ziemlich nah an einer Vollauslastung - bei rund 95 Prozent. In den USA ist es aufgrund der anhaltenden Marktschwäche etwas weniger. Dafür liegen wir in Märkten wie Südamerika gut über 100 Prozent. Unsere Strategie ist es, auch in unseren traditionellen Märkten 100 Prozent zu erreichen, weil die Kosten für Überkapazitäten einfach sehr, sehr hoch sind. Ebenso wie jene Kosten, Überkapazitäten abzubauen. In Ländern wie Indien, China, Russland und Südamerika fahren wir dagegen gerne mit Überkapazitäten, damit wir auf sprunghaftes Wachstum vorbereitet sind und unserem Wettbewerb nicht das Feld überlassen.


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