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Wartburg Tourist-Umbau

Mit Mercedes G zum G-Wart gekreuzt

Wartburg, Frontansicht, Leipzig Foto: Thomas Starck 18 Bilder

Nahe der Stadt Leipzig haben ein Wartburg Tourist und ein Mercedes G-Modell geheiratet. Warum? Das erzählt uns ihr Verkuppler bei einer besonderen Ausfahrt.

02.10.2012 Dani Heyne Powered by

Die Stollenreifen drücken sich wie überdimensionale Stempel auf den Leipziger Asphalt, acht Zylinder bollern aus faustdicken Sidepipes, und die fette Kardanwelle des hochgesetzten Kombis dreht sich einen halben Meter über den Gullydeckeln. Ein Wartburg Tourist mit so viel Bodenfreiheit? Der hat doch normalerweise weder irgendein Talent fürs Gelände noch acht Zylinder. In der ehemaligen DDR erdacht und von 1956 an gebaut, wurde er durch seine robuste, einfache Technik und seine geräumige Karosserie ein begehrter Freund für Familien und Handwerker. Und der Traum von Nico Rissel.

Bereits in jungen Jahren schwärmte der Schkeuditzer für die Modelle aus Eisenach und drehte mit 18 offiziell seine ersten Runden in einem 353 mit Einliter-Dreizylinder und 50 PS. Die Liebe wuchs noch, als der Wartburg Tourist im August 1988 seinen Zweitakt-Beat ablegte, um fortan den Viertakt-Blues eines VW Polo-Motors anzustimmen. Rissel begeisterte der Wartburg 1.3, schon weil der mehr Hubraum und mehr Leistung als alle seine Vorfahren hatte – leisten konnte er ihn sich damals jedoch nicht.

Karosserie an allen Radläufen verbreitert

15 Jahre, eine Wiedervereinigung und zwei Währungsumstellungen später schwirrt der Traum vom Wartburg Tourist noch immer in seinem Kopf herum. Dass er mittlerweile im Alltag VW T5 und in seiner Freizeit Offroadrennen fährt, stört nicht. Im Gegenteil: Als ihm eines Tages die Überreste eines Mercedes G angeboten werden, hat er die zündende Idee: Auf den unversehrten Rahmen des kurzen 240 GD müsste sich doch eigentlich der Wartburg Tourist 1.3 setzen lassen, dessen Karosserie schließlich auch auf einem separaten Kastenprofilrahmen montiert war. Gesagt, getan. Das geeignete Spenderfahrzeug fand er nach kurzer Suche in einem kleinen gepflegten Firmenfuhrpark, ein papyrusweiß lackierter Tourist stand für 450 Euro zum Verkauf. Nach unzähligen Stunden mit dem Schrauberkumpel und einigen Meter Schweißdraht wuchs 2005 zusammen, was eigentlich nicht zusammengehört: ein Wartburg und ein G-Modell, kurz G-Wart. Dass die Karosse dabei an allen Radläufen dezent verbreitert wurde, fällt auf den ersten Blick kaum auf.

Anders verhält es sich beim Motor. Wo einst ein kleiner Vierzylinder quer eingebaut vor sich hin säuselte, brummt jetzt ein fetter Achtzylinder – ein richtig dicker Klotz aus einem Mercedes 500 SEC Baujahr 1989. Entsprechend aufwendig war der Umbau. Da der Fünfliter-Block mit seinen vielen Ölleitungen und seinem großen Wasserkühler nur längs unter die Haube passt, musste sie zusammen mit den vorderen Kotflügeln und Radhäusern um rund 20 Zentimeter verlängert werden. Die rund 250 PS des erstarkten Wartburg Tourist fließen an ein robustes Dreigang-Automatikgetriebe – und von da ab vorrangig an alle vier Räder.

Innenausstattung des Wartburg Tourist luftig und spartanisch

Die Innenausstattung ist luftig und spartanisch: Hinter dem übersichtlichen Armaturenbrett des Wartburg Tourist – der Tacho des G passte ohne Änderungen in die entsprechende Aussparung – gibt es zwei stocksteife Schalensitze der Marke Recaro; ringsherum schlängelt sich ein mächtiger Überrollkäfig. Eine Rückbank fehlt, dafür thront im offenen Kofferraum der mächtige Renntank mit rund 200 Liter Volumen. Reichlich Super verbrennt der Wartburg Tourist G-Wart normalerweise bei seinen Geländeeinsätzen, denn Rissel hat ihn gebaut, um damit Spaß zu haben. Sogar Langstreckenrennen bestreitet er damit.

Heute gibt es das Kontrastprogramm, er erzählt uns die Geschichte seines Traumwagens auf einer Tour durch Leipzig. Ein Geländemonster im Schlendermodus, das fällt auf. Egal ob vor den riesigen Tagebaubaggern, dem Völkerschlachtdenkmal oder der Lieblingskneipe – überall werden Handys gezückt, Daumen nach oben gestreckt. An einen Wartburg Tourist können sich die Sachsen noch erinnern – und diesen hier werden sie erst recht so schnell nicht vergessen. Wir auch nicht.

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